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Die Geschichte der Börse

Nachrichtenquelle: FinMent
23.08.2017, 15:42  |  2467   |   |   

Die Geschichte der Börse beginnt bereits im zwölften Jahrhundert in den italienischen Städten Venedig, Florenz, Lucca und Genua. Handelte es sich zunächst um klassische Umschlagsplätze für Waren, kamen nach kurzer Zeit bereits Staatsanleihen, Kredite und erste Termingeschäfte hinzu. Bis in die heutige Zeit hat sich die Börse stark gewandelt und ihre ganz eigene Geschichte geschrieben, die wir Ihnen erzählen möchten.

Handel unter freiem Himmel 

Bei der Entstehung der Börse waren noch keine festen Gebäude im Spiel und so begab es sich, dass sich im frühen 12. Jahrhundert die ersten Handelsleute an bestimmten öffentlichen Plätzen einfanden, um hier zu handeln. Aktien zählten zu dieser Zeit noch längst nicht zum Angebot, doch wurden bereits Geldgeschäfte in Form von Krediten getätigt. Staaten und einzelne Bürger liehen sich Geld bei gut situierten Gläubigern. Für dieses Risiko bekamen sie Zinsen, die frei verhandelt wurden und nicht wie heute anhand vom Rating abhängig sind. In erster Linie wurden jedoch Waren umgeschlagen, sodass auch von einem einfachen Marktplatz gesprochen werden kann.

Termingeschäfte als Weiterentwicklung

Die Markt- und Börsenplätze wurden im Anschluss in ganz Europa gegründet und durch die Schifffahrt dauerte es nicht mehr lange bis zu den ersten Terminspekulationen in der Geschichte der Börse. Das Eintreffen der Schiffe konnte noch nicht genau bestimmt werden und dennoch wurden bereits die Waren gehandelt, die vom Schiff aus erst später zur Verfügung standen. Gleiches galt für den Verkauf von Getreide, welches noch gar nicht geerntet war und somit ebenfalls als Derivate der Börse von früher bezeichnet werden kann. Diese Termingeschäfte, deren Preise bereits in der Zukunft lagen, kamen Ende des 17. Jahrhunderts mit festen Regeln endgültig und in großem Umfang mit dem Namen "Futures" in London auf den Markt. 

"Futures-Geschäfte bereits im 17. Jahrhundert"

Die Börse als feste Einrichtung

Wo bisher von Marktplätzen und öffentlichem Handel die Rede war, kam es im 15. und 16. Jahrhundert zu einer Wende. Immer mehr feste Einrichtungen etablierten sich, wobei die erste davon in Brügge in Belgien stand und von der Familie van der Beurse betrieben wurde. Weitere Einrichtungen folgten im Laufe der Jahrzehnte, bis im Jahr 1531 in Antwerpen dann das erste Gebäude in der Geschichte der Börse errichtet wurde, welches ausschließlich als solche diente. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der Börse in Frankfurt. Der heutige Finanzplatz Nummer eins in Deutschland wurde 1585 mit einer ersten Versammlung von Kaufleuten urkundlich erwähnt. Im frühen 17. Jahrhundert wurden in Amsterdam erste Verwaltungen, Richtlinien und Gesetze erlassen, damit die Börse rechtlich reguliert werden konnte. Ein wichtiger Schritt für die Entstehung der Börse.

Geburt der ersten AG

Im Jahr 1602 wurde mit der Vereinigten Ostindischen Compagnie die erste Aktiengesellschaft in der Geschichte der Börse gegründet. Für die riesige Schiffsflotte benötigten die Gründer sehr viel Geld und gingen bei der Kapitalbeschaffung so vor, wie es Börsenunternehmen heute machen: sie gaben Anteilsscheine an ihrem Unternehmen heraus. Mit dem Geld der Gläubiger konnte die Compagnie die Flotte bauen und plünderte die Weltmeere, wodurch ein großer Reichtum entstand. Diesen gaben die Flotteninhaber an ihre Anteilseigner als Dividenden zum Teil weiter. Andere Bürger bekamen dies mit und wollten ebenfalls profitabel handeln. Der Preis der Aktien stieg und die Dividenden dadurch mit. Die erste Aktiengesellschaft wurde prompt zu einer Erfolgsgeschichte.

"Vereinigte Ostindische Compagnie als erste echte Aktiengesellschaft"

Das Ende vom Hype

Wie es an der Börse üblich ist, steigen die Kurse nie bis ins Unendliche, was die ersten Aktionäre unserer Zeit bitter erfahren mussten. Am Höchststand des Aktienkurses der Ostindischen Compagnie waren zahlreiche Anteilseigner investiert und hofften auf immer mehr Gewinne, bis es zu einem besonderen Zwischenfall in der Geschichte der Börse kam. Die Schiffe der Flotte ließen im Jahr 1688 Tag für Tag länger auf ihre Rückkehr warten und die Bürger machten sich ihre Gedanken, ob sie noch profitabel handeln. Erste Aktionäre verkauften ihre Anteile und der Preis für die Rücknahme fiel, weil keine Nachfrage mehr vorhanden war. Noch schlimmer wurde es, als vereinzelte Schiffe meldeten, dass ein Großteil der Flotte untergegangen war. Der erste Crash der Börse von früher kostete vielen Menschen ihr gesamtes Hab und Gut.


Die Aktien erreichen Deutschland

Die Aktienwelle schwappte nach und nach auch in die deutschen Städte. Erste Börsengeschäfte wurden im Jahr 1756 in Berlin getätigt und ab dem Jahr 1820 begann die Entstehung der Aktienbörse in Frankfurt. Ein Gebäude besaßen die Kaufleute hier bereits seit dem Jahr 1624, doch dauerte es noch knapp zweihundert Jahre, bis der erste Anteilsschein verkauft wurde, welcher eine Aktie der Österreichischen Nationalbank war. Einen wahren Boom erlebte der Handel mit Wertpapieren in Deutschland im Jahr 1840, als viel Geld für Eisenbahnnetze benötigt wurde und einige neue Aktiengesellschaften gegründet wurden. 1843 kam dann das erste deutsche Aktiengesetz und die Börsengeschäfte waren grundlegend reguliert. Das Gesetz galt für das gesamte Gebiet Preußen und kam passend für die Gründerzeit der Aktiengesellschaften. Bis zum Jahr 1870 waren bereits 425 solcher Aktiengesellschaften gegründet, die ein Kapital von 2,4 Milliarden Mark darstellten. Die Frankfurter Börse zog in dieser Zeit in ein Gebäude am Rahmhof, welches noch heute als Börse dient. Ebenfalls entstand in Stuttgart eine Börse, die Ende des 19. Jahrhunderts jedoch nur auf lokale Aktien spezialisiert war. 

"Erste Aktie gehörte zur Österreichischen Nationalbank"

Weiterentwicklungen der Börsengeschäfte und Crash am Aktienmarkt 

Nach dem Jahr 1870 wurde das Gesetz abgeschafft, das die Unternehmen verpflichtete, vor der Gründung einer Aktiengesellschaft die staatliche Konzession einzuholen. Außerdem wurde zu dieser Zeit der Aufsichtsrat eingeführt und Aktien bekamen einen Mindestnennwert. Diese Neuregelungen ließen die Anzahl der Aktiengesellschaften nahezu explodieren und die Aktie war im Alltag der Deutschen angekommen. 5.222 Aktiengesellschaften wurden im Jahr 1909 gezählt, ein zwischenzeitlicher Höchststand in der Geschichte der Börse. Ein Rückschlag folgte, als das führende Börsensystem der USA mit dem Erdbeben von San Francisco im Jahr 1906 einen spürbaren Schlag bekam, der sich bis nach Deutschland auswirkte. Außerdem kollabierte ein Jahr später der Kupfermarkt, was zahlreiche Banken hart traf und sie nicht mehr erfolgreich an der Börse handeln ließen. 

Die Börse in der Kriegszeit

Im ersten Weltkrieg wurde der Börsenhandel in Deutschland ausgesetzt und erst im Jahr 1917 wieder eröffnet. Die goldenen Zwanziger folgten, ehe im Jahr 1929 die Börse die gesamte Welt in eine Krise stürzen ließ. Nach den florierenden Jahren waren im besagten Jahr erste Anzeichen einer stotternden Wirtschaft zu erkennen. Dennoch investierten gerade in den USA immer mehr Menschen ihr Vermögen an der Börse. Am 24. Oktober brach die Börse nahezu zusammen. 13 Millionen Aktien wurden an einem Tag gehandelt und ließen den Dow Jones als Leitindex 12 % fallen. In wenigen Tagen waren es knapp 50 % Wertverlust, die es nicht mehr möglich machten, profitabel zu handeln. 1932 besaß der Index nur noch einen Wert von 40 Punkten, was ein Einschnitt in der Geschichte der Börse war. Außerdem zogen sehr viele Menschen Bargeld aus den Bankinstituten ab. Von 25.000 Banken mussten 11.000 geschlossen werden. Die gesamte Weltwirtschaft kam zum Erliegen. Diese Krise wird häufig auch als einer der Gründe für die Machtübernahme der Nationalsozialisten und den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Deutschland bezeichnet. An den deutschen Börsen wie Frankfurt oder Stuttgart musste der Börsenhandel während der Kriegsjahre ausgesetzt werden und in einigen Jahren war es verboten, ausländische Aktien im Angebot zu haben. Die Frankfurter Börse verlor durch diese Einschränkungen deutlich an internationalem Standing.

Der Computer erhält Einzug an der Börse

Seit Entstehung der Börse wurde der Handel nicht mehr so revolutioniert wie durch den Computer. Wo bisher Aktien aus Überzeugung und aus wirtschaftlichen Gründen gekauft wurden, halfen nun Computer bei der Ausführung von Trades. Die Charttechnik rückte immer mehr in den Vordergrund und Computer führten mit Hilfe von Algorithmen selbstständig den Handel durch. Die moderne Börse war geboren, sorgte jedoch gleichfalls für den schlimmsten Tag seit Entstehung der Börse. Am 19.10.1987 brachen die Systeme an der New Yorker Börse zusammen. Die Telefone, Drucker und erste Computer waren völlig überlastet und gaben ihren Dienst auf. Kurse wurden verspätet gemeldet und der Handel erst nachträglich ausgeführt. Mit 22,6 % Verlust an einem Tag entstand der höchste Tagesverlust in der Geschichte des Leitindex. Die US-Notenbank um ihren berühmten Präsidenten Allen Greenspan fing die Börse jedoch mit Finanzspritzen auf und verhinderte somit eine erneute Krise in der Geschichte der Börse. In Deutschland wurde wenig später der DAX als Leitindex eingeführt, der fortan an der Frankfurter Börse gehandelt wurde. Diese erhielt im Jahr 1992 den Namen Deutsche Börse, wodurch sie endgültig zum Handelsplatz Nummer eins in Deutschland wurde.

"Computer revolutionierten den Börsenhandel"

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