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Geldpolitik Notenbanken werden Geldpolitik schneller straffen als es die Märkte einpreisen

29.08.2017, 09:23  |  2076   |   |   

Schon vor Jackson Hole stand fest: Zentralbanken wollen ihre ultralockere Geldpolitik sukzessive zurückführen und lassen sich dabei alle Optionen offen. Die Geldpolitik rund um den Globus dürfte sich nach Ansicht von Degroof Petercam Asset Management (DPAM) etwas schneller normalisieren als vielfach erwartet wird. Wie DPAM den Fahrplan der Notenbanken in den USA, Europa, England und Japan bis 2019 einschätzt.

Keine ‚Breaking News‘ aus Wyoming

Beim Treffen der wichtigsten Notenbanker und Finanzpolitiker im US-amerikanischen Jackson Hole blieben konkrete Entscheidungen über die zukünftige Geldpolitik erwartungsgemäß aus. Vor drei Jahren hatte Mario Draghi in einer spektakulären Rede die Anleihekäufe im Rahmen des Quantitative Easing-Programms der Europäischen Zentralbank angekündigt. In diesem Jahr verlief die Sitzung unspektakulärer. Einig sind sich die meisten Notenbankchefs allerdings darüber, die ultralockere Geldpolitik sukzessive zurückzufahren – ohne konkrete Aussagen zu treffen über Art und Umfang sowie Zeitpunkte von möglichen Tapering- und Zinserhöhungsmaßnahmen.

„Es ist nachvollziehbar, dass sich die Notenbanken zurückhalten und sich alle Optionen offen halten“, sagt Hans Bevers, Chefökonom bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). „Auf der makroökonomischen wie geopolitischen Seite gibt es weltweit neben viel Licht auch viel Schatten. Außerdem bleibt ungewiss, wie sich Wachstum, Beschäftigung und Inflation zukünftig tatsächlich entwickeln. Hinzu kommen die Unsicherheiten, die vom zunehmenden Populismus und der weltweiten Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen ausgehen. Da möchte niemand frühzeitig konkret werden. Außerdem betreten die Notenbanken Neuland bei der Rückführung ihrer unkonventionellen Maßnahmen. Schließlich haben diese nie dagewesene Dimensionen erreicht. Von der technischen Seite mag der Prozess zwar einfach erscheinen, von Seiten der Marktpsychologie ist er es jedoch nicht. Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Gemengelage sollten durch sukzessiv wieder steigende Zinsen und die Straffung von quantitativen Maßnahmen die Risiken tendenziell zunehmen“.

DPAM-Experte Bevers geht davon aus, dass sich die Geldpolitik rund um den Globus etwas schneller normalisieren wird als dies von den Märkten derzeit eingepreist wird. Die aktuellen Bewertungen spiegeln bis Herbst 2019 zwei Zinsschritte der US-Fed wider sowie jeweils eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank und der Bank of England. Von der Bank of Japan erwarten die Märkte hingegen, dass sie ihre extreme Niedrigzinspolitik unverändert fortsetzt und keinerlei Zinsschritte veranlassen wird .

Im Einzelnen erwartet Hans Bevers folgende Entwicklungen:

US-Federal Reserve

Die USA zeichnen ein gemischtes wirtschaftliches Bild. Während einerseits Stimmungsindikatoren ein solides Momentum zeigen und der Konsum zuletzt angestiegen ist, bleibt die Produktivität insgesamt schwach und die vom Präsidenten ausgehende politische Unsicherheit hoch.

Die US-Notenbank Fed befindet sich bereits in einem sukzessiven Straffungsmodus, dessen weitere Geschwindigkeit von der Volatilität an den Finanzmärkten, der wirtschaftlichen Aktivität und der Inflation abhängig gemacht wird.

Wir rechnen damit, dass schon im September der Beginn für die Reduzierung der Fed-Notenbankbilanz angekündigt und im Dezember der fünfte Zinserhöhungsschritt durchgeführt wird. Außerdem erwarten wir für 2018 zwei bis drei weitere Zinsschritte der Fed.

Europäische Zentralbank

Europa befindet sich in einem breiten wirtschaftlichen Aufschwung über Länder und Sektoren hinweg, jedoch bleibt das Wachstum unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Kerninflation in Europa verzeichnet nur geringe Steigerungen. Die weitere Preisentwicklung wird maßgeblich davon abhängen, inwiefern Löhne steigen können und die Arbeitslosigkeit weiter abgebaut werden kann.

Der Fokus der Europäischen Zentralbank liegt weiterhin auf dem Tapering und dem Euro-Wechselkurs. Eine zu starke Euroaufwertung würde die Wettbewerbsfähigkeit beim Export belasten und hinderlich sein, das Zwei-Prozent-Inflationsziel zu erreichen.

Wir erwarten, dass die EZB bereits in ihrem Oktober-Meeting das Tapering ihres quantitativen Programms ab dem Beginn 2018 ankündigen wird. Innerhalb der darauffolgenden sechs bis zwölf Monate sollten die monatlichen Staats- und Unternehmensanleihekäufe sukzessive bis auf null zurückgefahren werden. Mit einem ersten Zinserhöhungsschritt rechnen wir im Sommer 2019.

Bank of England

Das wirtschaftliche Wachstum im Vereinigten Königreich hat sich im Zuge der Brexit-Unsicherheiten abgekühlt. Dennoch blickt die Industrie optimistisch nach vorne angesichts des schwachen Pfund Sterlings und der positiven globalen Stimmung. Demgegenüber belastet die schwache Währung den privaten Konsum. Die Pfund-Abwertung und Basiseffekte treiben die Inflation an – die Rate liegt bei knapp drei Prozent. Die Wachstumsaussichten bleiben insgesamt gedrückt.

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