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Marktkommentar: Azad Zangana/Craig Botham (Schroders): Restriktive Zentralbanken, niedrige Inflation und Bilanzverkürzung
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Marktkommentar Azad Zangana/Craig Botham (Schroders): Restriktive Zentralbanken, niedrige Inflation und Bilanzverkürzung

Nachrichtenquelle: Asset Standard
29.08.2017, 00:00  |  818   |   |   

Azad Zangana und Craig Botham nehmen Zentralbanken, Großbritannien und den Welthandel in den Fokus ihres Marktausblicks für August 2017.

Azad Zangana, Craig Botham und Keith Wade nehmen Zentralbanken, Großbritannien und den Welthandel in den Fokus ihres Marktausblicks für August 2017.

Zusammenfassung:

  • Die Zentralbanken haben einen restriktiveren Ton angeschlagen und stellen angesichts der Erholung der Weltwirtschaft das Ausmaß der geldpolitischen Impulse infrage. Gleichwohl stellt die niedrige Inflation eine Herausforderung dar.
  • Unserer Einschätzung nach wird die US-Notenbank Fed ihre Bilanz behutsam verkürzen und die Zinsen aufgrund der niedrigen Inflation in diesem Jahr wohl nicht mehr erhöhen.
  • Der Arbeitsmarkt war in den zurückliegenden Jahren der Schlüssel zum Erfolg der britischen Wirtschaft. Doch trotz einer rekordhohen Beschäftigung bleibt das Lohnwachstum verhalten. Wir erwarten, dass die Bank of England die Zinsen unverändert lässt.
  • Bei der Beurteilung der Aussichten für den Welthandel kommen wir zu dem Schluss, dass eine von China ausgehende Abschwächung nur teilweise von Europa ausgeglichen werden wird. Auftriebskräfte werden rar.

Restriktive Zentralbanken, niedrige Inflation und Bilanzverkürzung

Angesichts der Entspannung der Weltkonjunktur haben die Zentralbanken eine Normalisierung der Zinsen signalisiert und damit die Anleiherenditen nach oben getrieben. Die Inflation war aber sowohl in den Schwellen- als auch den Industrieländern niedriger als erwartet. Das lag teilweise am Rückgang der Ölpreise, aber auch an der rückläufigen Kerninflation (Verbraucherpreisinflation ohne Lebensmittel und Energie). Vor allem in den USA möchten wir auf die Auswirkungen vom technologischen Fortschritt im Einzelhandelssektor aufmerksam machen. Dort sorgen Innovationen (zum Beispiel der Aufstieg von Amazon) für neuen Wettbewerb, erschüttern die Stellung etablierter Unternehmen und zwingen sie zu Preissenkungen.

Diese Effekte werden voraussichtlich anhalten, und die Inflation dürfte gegenüber dem Vorjahr in der zweiten Hälfte dieses Jahres und bis ins nächste Jahr hinein sinken. Dennoch erwarten wir weiterhin, dass sich die Inflation auf Quartalsbasis stabilisiert und allmählich anzieht. Kurzfristig könnte die niedrige Gesamtinflation die restriktiveren Zentralbanken, die eine Normalisierung der Geldpolitik und wieder höhere Zinsen erwägen, zu einer Denkpause bewegen.

Bilanzverkürzung der US-Notenbank Fed: Ist sie von Bedeutung?

Für die US-Notenbank Fed wird die Zinsfrage durch ihre Entscheidung verkompliziert, mit der Verschlankung ihrer Bilanz zu beginnen und dadurch dem Markt eine wichtige Liquiditätsquelle zu entziehen. Es wird befürchtet, dass dies zu wesentlich höheren Anleiherenditen und dadurch unbeabsichtigt zu einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen führen könnte.

Zurzeit sehen die Finanzmärkte der Bilanzreduzierung der US-Notenbank Fed recht zuversichtlich entgegen. Wir wollen keine Angst schüren, müssen aber darauf hinweisen, dass wir uns auf unbekanntem Terrain befinden. In der Vergangenheit waren Phasen, in denen die US-Notenbank Fed Änderungen ihres quantitativen Lockerungsprogramms ankündigte, mit Marktvolatilität verbunden, wie etwa beim „Taper Tantrum“ im Jahr 2013. Die US-Notenbank Fed hat sich nicht dazu geäußert, welche Bilanzsumme sie letztlich anstrebt. Sie dürfte wohl irgendwo unter dem heutigen Niveau und über dem Niveau vor der Finanzkrise liegen. Vorausschauende Märkte könnten angesichts der bevorstehenden Beschleunigung des Abbauprozesses unruhig werden und reagieren, deutlich bevor die US-Notenbank Fed das zweite Jahr der Bilanzverkürzung einläutet. Folglich dürfte das Risiko sprunghaft höherer Anleiherenditen nicht so niedrig sein, wie viele glauben.

Großbritannien: Beschäftigung, Löhne und Zinsen

Die Löhne bleiben ein Rätsel

Die Erholung der britischen Wirtschaft seit der globalen Finanzkrise beruht maßgeblich auf dem starken Arbeitsmarkt. Doch trotz einer Erwerbstätigenquote auf Rekordniveau sind die Löhne wenig gestiegen. Ein Grund hierfür ist die niedrige Produktivität. Ein weiterer Grund könnte das Wachstum der sogenannten „Gig Economy“ und die Zunahme der Null-Stunden-Verträge sein, meint Andy Haldane, Chefvolkswirt der Bank of England.

Die sich ändernde Zusammensetzung der Gruppe marginaler Arbeitskräfte

Die Gig Economy lässt sich am besten dadurch beschreiben, dass die Vergütung auf den ausgeführten Aufgaben undnicht auf den geleisteten Arbeitsstunden basiert. Null-Stunden-Verträge sind dagegen Vereinbarungen, bei denen keine Beschäftigungszeit pro Zeitraum garantiert wird. Es gibt keine Daten darüber, wie die Vergütungen von Arbeitskräften mit Null-Stunden-Verträgen verteilt sind. Da es sich bei diesen Arbeitskräften aber überwiegend um junge Menschen handelt, die sich in Ausbildung befinden und Teilzeit arbeiten, kann man davon ausgehen, dass sie in die unteren Vergütungskategorien fallen.

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