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Marktkommentar: Andreas Lesniewicz (CONREN): Plädoyer für bewusstes und aktives Investieren
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Marktkommentar Andreas Lesniewicz (CONREN): Plädoyer für bewusstes und aktives Investieren

Nachrichtenquelle: Asset Standard
29.08.2017, 00:00  |  617   |   |   

Was ist besser: Aktives oder passives Investieren? Andreas Lesniewicz nimmt sich des – aktuell heiß diskutierten Themas – an.

Die Diskussion „passives versus aktives Investieren“ wird aktuell hart und öffentlichkeitswirksam geführt. Dabei haben beide Seiten stichhaltige Argumente – aber auch erhebliche Eigeninteressen.

Was ist besser: Aktives oder passives Investieren? Kaum ein Thema wird in der Finanzbranche leidenschaftlicher diskutiert als diese Frage. Mal abgesehen davon, dass es für beide Ansätze gute Argumente und generell nicht den einen richtigen Weg, sondern viele gibt: In der Debatte werden häufig Äpfel mit Birnen verglichen und Statistiken zweckgebunden erstellt.

Es beginnt schon damit, dass ETFs oft als passiv und alle anderen Fonds als aktiv dargestellt werden. In der Rückschau scheint sich passives Investieren damit im Vergleich eher zu rechnen. Allgemein akzeptiert wird dabei, dass Indizes „den Markt“ darstellen und alle aktiven Manager Indizes als Maßstab nutzen, um ihr Können und ihre Leistung zu dokumentieren. Das aber ist zu simpel. Dazu verändert der kometenhafte Aufstieg von ETFs merklich die Verhaltensweise von Märkten. Vergangenheitsdaten sind also mit Vorsicht zu genießen.

Fakt ist zum einen, dass die meisten Fonds sehr nahe an einer Benchmark gemanaged werden und wirklich aktive Investoren rar sind – was nicht zuletzt an den Anreizsystemen der Branche liegt, die es nicht eben leicht machen, unabhängig zu denken und zu handeln. Zum anderen wird, indem man Fonds mit Indizes vergleicht und aus dem vermeintlichen enttäuschenden Ergebnis eine ETF-Überlegenheit ableitet, unterschlagen, dass auch ETFs Kosten haben. Hinzu kommt, dass es rein passives Investieren nicht gibt. Im Hintergrund müssen stets aktive Entscheidungen getroffen werden – sei es vom Investor oder den Indexgesellschaften, die darüber befinden, wer in den Index aufgenommen und wie dieser berechnet wird. Und neben der Performance wären auch die Liquidität der Investments sowie das eingegangene Risiko zu berücksichtigen. Letzteres wird bei gängigen Aktiv-/Passiv-Vergleichen gerne ausgeblendet. Doch das nur nebenbei.

Viel schwerer wiegt etwas Anderes: Die Debatte um die vermeintlichen ETF-Vorteile folgt einem Schema, das wir von vielen Investmentmoden der letzten Jahrzehnten her nur allzu gut kennen. Ob Hedgefonds, ABS-Produkte oder Protect-Zertifikate – sie alle haben dreierlei gemeinsam:

  1. Ihre Ideen sind vom Grundsatz her gut.
  2. Sie werden mit der (manchmal berechtigten) Kritik gegenüber anderen etablierten Lösungen vermarktet.
  3. Sie entwickeln ab gewissen Volumina eine Eigendynamik, welche die Produkte für den Finanzmarkt selbst und einzelne Anleger gefährlich macht.

Alle drei Punkte gelten für die zunehmend populären ETFs. Passives Anlegen scheint vielen Anlegern wie der rettende Strohhalm in einer immer komplexeren Investmentwelt mit unübersichtlichen Angeboten, unverständlichen Strategiebeschreibungen und von Rechtsabteilungen verfassten, seitenlangen Prospekten. Spätestens der nächste Crash dürfte vielen ETF-Fans jedoch die Augen öffnen.

Finanzmärkte sind dazu da, Kapital effizient zu allokieren. Ein Markt, der zu 100 Prozent aus passiven Anlegern besteht, kann das nicht leisten. Dazu braucht es aktive Investoren für die Analyse, die Auswahl und die aktive Kontrolle von Unternehmen. Passive Investoren sind also Trittbrettfahrer – was an sich nicht verwerflich ist. Gefährlich wird es, wenn alle die gleichen oder sehr ähnlichen Depotstrukturen besitzen. Denn das erhöht die Korrelation zwischen den Portfolios aller Investoren – ein Umstand, der sowohl während der globalen Finanzkrise 2008 als auch zuzeiten der Verschuldungskrise in Europa 2011 zu beobachten war: Gängige Finanzmarktheorien wie die moderne Portfoliotheorie wurden ad absurdum geführt, Volatilitäten erreichten über sämtliche Vermögensklassen ein Mehrfaches dessen, was hätte gelten sollen. Nicht nur das Risiko explodierte, auch die Korrelationen der einzelnen Anlageklassen kollabierten.

Weil Kapitalmärkte auf Basis ausschließlich passiver Veranlagung also nicht funktionieren können, muss es einen Punkt geben, an dem passives Investieren scheitert – respektive, an dem aktives Investment massive Vorteile hat. Wann dieser Punkt erreicht ist, ist schwer zu sagen. Fest steht jedoch: Wer passiv anlegt ist – vielleicht unbewusst – davon überzeugt, dass Märkte langfristig immer steigen.

Für Investoren kann wirklich passives Investieren Sinn machen, also z.B. 50% Aktienindex MSCI World und 50% in einen globalen Rentenindex ohne Markttiming. Doch die meisten Anleger ertragen es nicht, bei Marktschwächen investiert zu bleiben oder im Rebalancing die Aktienquote antizyklisch hochzufahren. Schlimmer noch: Statistiken zeigen, dass ETFs zum unnötigen Handeln verführen. Für den Kauf oder Verkauf der passiven Papiere braucht es nur einen Klick auf dem Smartphone. Häufiges Umschichten ist generell keine gute Idee; bei der nächsten Korrektur aber könnten ETFs eine Verkaufswelle lostreten – und diese Korrektur scheint nicht mehr weit entfernt.

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