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Interviews: Alexander Posthoff (BANTLEON): „Nicht als Letzte verkaufen“
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Interviews Alexander Posthoff (BANTLEON): „Nicht als Letzte verkaufen“

Nachrichtenquelle: Asset Standard
30.08.2017, 00:00  |  436   |   |   

Im Gespräch mit Capital erklärt Alexander Posthoff , warum sich das Chance-Risiko-Profil von Unternehmensanleihen verschlechtert hat.

Bantleon-Fondsmanager Alexander Posthoff erklärt, warum sich das Chance-Risiko-Profil von Unternehmensanleihen verschlechtert hat und wo er jetzt noch Chancen für Rentenanleger sieht.

Herr Posthoff, auf den Anleihemärkten gab es zuletzt immer wieder Liquiditätsprobleme. Wie ist die Lage jetzt?

Posthoff: Der Markt ist nicht ausgetrocknet, aber die Liquidität ist in den vergangenen Wochen spürbar gesunken. Es gibt gerade nur wenige Neuemissionen. Das zwingt alle Akteure, zum Beispiel Zentralbanken und Asset-Manager, in den Sekundärmarkt. Dort ist die Nachfrage hoch. Das sieht man etwa an den immer niedrigeren Renditeaufschlägen von Unternehmensanleihen gegenüber Bundesanleihen, den sogenannten Spreads. Angesichts der Jahreszeit ist diese Entwicklung allerdings nicht ungewöhnlich. In der Sommerpause geht das Emissionsvolumen fast immer zurück.

Wie gehen Sie damit um?

 Bei unserem Multi-Asset-Fonds „Bantleon Family & Friends“ haben wir die Unternehmensanleihen-Quote bereits im Juni von 27 auf 24 Prozent gesenkt. Das ist nicht nur der gesunkenen Liquidität geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass sich das Chance-Risiko-Profil der Papiere verschlechtert hat. Wir wollen nicht die Letzten sein, die gezwungen sind, zu verkaufen.

Welche Gründe gibt es für den Attraktivitätsverlust?

Die Kurse von Unternehmensanleihen sind seit Ende April kräftig gestiegen, wegen des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank und weil die politischen Risiken in der Eurozone gesunken sind. Die hohen Preise machen viele Papiere inzwischen unattraktiv. Steigen die Zinsen, haben Anleger kaum noch Puffer, der sie vor Kursverlusten schützen könnte.

Wo finden Sie noch interessante Titel?

Wir bevorzugen momentan Anleihen aus defensiven Sektoren wie Telekommunikation und Versorger. Diese haben immer noch einen geringen Renditevorsprung. Bonds von Automobilherstellern haben wir untergewichtet. Die Fundamentaldaten der Unternehmen sind zwar gut, der Ausblick hat sich aber wegen der jüngsten Skandale verschlechtert. Der Rest des Marktes ist sehr teuer. Zum Beispiel Bankanleihen: Steigende Zinsen sind für Banken generell von Vorteil, weil sich die Erträge der Institute verbessern. Da die Zinsen in der Eurozone im laufenden Jahr gestiegen sind, waren auch Bankanleihen bis jetzt sehr gesucht.

Für Rentenanleger gibt es derzeit aber kaum Alternativen zu Unternehmensanleihen.

Das stimmt – noch. Deshalb halten wir ja auch 24 Prozent Unternehmensanleihen in unserem Multi-Asset-Fonds. Die Alternative sind allerdings zunehmend Staatsanleihen oder Pfandbriefe. Dort sind die Renditen zwar ähnlich niedrig, aber insbesondere bei Staatsanleihen ist die Liquidität höher. Zusätzlich gibt es Chancen auf Kurssteigerungen, sollte die Konjunktur zu schwächeln beginnen.

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