DAX-0,54 % EUR/USD0,00 % Gold-0,28 % Öl (Brent)+0,09 %

Warum Cannabis den Schmerzmittel-Wahn beenden kann

Gastautor: Marc Davis
03.09.2017, 19:42  |  10723   |   

Warum Cannabis den Schmerzmittel-Wahn beenden kann

 

Es klingt wie Folter, ein wahr gewordener Albtraum. Und doch kann es jeden von uns nur allzu schnell treffen. Unfälle, bei denen man ernsthafte Nervenschädigungen davonträgt, passieren relativ häufig.

 

Der kanadische Geschäftsmann Dave Brownell (69) musste diese Erfahrung machen, als er einen Bandscheibenvorfall erlitt. Die dabei entstandenen Nervenschmerzen strahlten bald in seinen ganzen Körper aus.

 

Ich hatte in all den Jahren schon viele Verletzungen, inklusive eines Genickbruchs und einer abgeschnittenen Fingerkuppe“, erzählt Brownell. „Aber diese Art von Schmerz habe ich vorher noch nie gespürt. Es fühlt sich an, als würde man barfuß von einem Tisch springen und mit einem Bein auf einem Nagelbrett landen.“ Jede Minute sei ihm dieser Schmerz durch die Beine geschossen. Den ganzen Tag lang, die ganze Nacht.

 

(Dave Brownell mit seiner Partnerin. Nach seiner Rücken-OP konnte er das Leben wieder genießen.)

 

In der Stadt, in der er lebte, Victoria, Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia, hatte Brownell insgesamt sechs Monate lang auf eine OP gewartet. Dann wurden ihm endlich die Knochensplitter herausgenommen, die auf seinen Ischiasnerv gedrückt hatten. Mittlerweile hat er sich von den Strapazen erholt – dennoch sei es die Hölle gewesen, durch die er gehen musste.

 

Der Schmerz war so unerträglich, dass ich große Mengen Morphium und andere synthetische Opioide zu mir nehmen musste – bei dem ganzen Zeug fühlte ich mich bald wie ein Zombie“, erzählt Brownell. „Und in nur wenigen Wochen hatte sich meine Toleranzschwelle derart erhöht, dass ich drei Mal so viel einnahm, wie eigentlich maximal empfohlen. Zudem trank ich jeden Abend noch zwei Flaschen Wein, um überhaupt schlafen zu können.

 

Ich wusste, dass die Überdosierung gefährlich ist aber es war mir egal. Das einzige, was mir wichtig war, war die Schmerzen loszuwerden.“

 

Darum kann Cannabis Leben retten

 

Brownell ist nur einer von vielen Kanadiern oder Deutschen im mittleren Alter, die eigentlich einen gesunden Menschenverstand haben – deren unaufhörlicher Schmerz sie jedoch irgendwann dazu verleitet, die Dosis ihrer Schmerzmedikamente immer weiter hochzuschrauben.

 

Für die Pharmabranche ist das natürlich ein dickes Geschäft. Arzneimittelhändler setzen allein in den USA jährlich rund 20 Milliarden US-Dollar mit Opioiden um. OxyContin, so lautet der Markenname des Medikaments, das derzeit am häufigsten über den Ladentisch geht und nur allzu schnell süchtig macht.

 

Weltweit ist der Markt für schmerzstillende Medikamente rund 40 Milliarden Dollar schwer. Das meiste Geld wird dabei für Opioide ausgegeben. Die Gefahren, die sich jedoch hinter dieser Substanz verbergen, lassen Cannabis zunehmend als attraktive Alternative erscheinen.

 

Auch Ärzte wissen längst, dass viele Menschen sehr schnell von den Opioiden abhängig werden – manchmal innerhalb weniger Wochen, nachdem sie mit der Einnahme begonnen haben. Rezepte werden daher auch nicht mehr ganz so freimütig ausgestellt wie früher. Teilweise sollen Patienten sogar von dem einen auf den anderen Tag kein Rezept mehr erhalten haben. In der Medizinerwelt wird heute davor gewarnt, dass Opioide auch dann süchtig machen können, wenn sie in der verordneten Dosis eingenommen werden. Das gibt auch die US-Regierung zu.

 

Das nationale Institut für Drogenmissbrauch in den USA hat auf seiner Website folgende Warnung herausgegeben:

 

Die regelmäßige (z. B. mehrmals am Tag über mehrere Wochen oder länger) oder langfristige Einnahme oder der Missbrauch von Opioiden kann zu physischer Abhängigkeit und in manchen Fällen auch zur Sucht führen. Wird die Einnahme spontan unterbrochen oder reduziert, können Entzugserscheinungen auftreten. Zu diesen können Unruhe, Muskel- und Knochenschmerzen, Schlafstörungen, Durchfall, Übelkeit, Kälteempfinden u.a. zählen.“

 

Laut medizinischen Studien gibt es schon längst etwas, das Abhilfe schaffen kann. So hat sich medizinisches Marihuana als wirksam bei Schmerzmittelabhängigkeit erwiesen. Die Gefahr einer unbeabsichtigten Überdosierung ist hier wesentlich geringer. Eine Erkenntnis, die sich vor allem in der neuen wissenschaftlichen Literatur nachlesen lässt.

 

Eine dieser Studien hat zum Beispiel ergeben, dass Schmerzpatienten seltener dazu neigen, ihre Opioid-Dosis voll auszuschöpfen, wenn sie einen Teil ihres Schmerzempfindens mit Cannabis behandeln können. Manche Patienten konnten sogar irgendwann vollständig auf die synthetischen Schmerzmittel verzichten, indem sie ausschließlich Marihuana konsumierten.

 

Sogar Forschungsaktivitäten, die von der US-Regierung gefördert werden, sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Eine Studie soll etwa gezeigt haben, dass Krebspatienten im fortgeschrittenen Stadium mit Cannabis von den Schmerzen befreit werden konnten, die man zuvor mit starken Opioiden nicht mehr behandeln konnte

Seite 1 von 4

Verpassen Sie keine Nachrichten mehr zum Cannabis-Markt und abonnieren Sie jetzt kostenlos den passenden Newsletter dazu:

Unser kostenloser Newsletter-Service


Disclaimer