DAX-0,41 % EUR/USD0,00 % Gold+1,24 % Öl (Brent)0,00 %

Sind Frauen die besseren Anleger?

Nachrichtenquelle: FinMent
05.09.2017, 16:00  |  400   |   |   

Die Diskussionen um die Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern sind nicht neu und taugten nicht zuletzt als Stoff für Bücher, die zu Bestsellern wurden.

Auch das Thema, wie Frauen als Anleger an der Börse abschneiden, war Gegenstand einer ganzen Reihe seriöser Studien. Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick überraschend, auf den zweiten jedoch nur folgerichtig.

Frauen sind anders als Männer, darüber besteht bei all den Überschneidungen und verschwimmenden Grenzen doch grundsätzliche Einigkeit. So werden dem vermeintlich schwachen Geschlecht ausgeprägte empathische Fähigkeiten, also ein sicheres Gespür für Stimmungen und Befindlichkeiten der sie umgebenden Menschen, zugeschrieben. Männer hingegen werden per se von rationalen Erwägungen geleitet.

Die Herren der Schöpfung kalkulieren weitestgehend unabhängig von Emotionen und stellen dabei die harten Fakten in den Vordergrund. Eben diese Fokussierung auf bestimmte Ziele lässt jedoch gleichzeitig zu, dass die Entwicklungen jenseits des Hauptthemas gerne an ihnen vorbeigehen - auch in diesem Punkt haben Frauen die feineren Antennen.

Bei aller Emotionalität, für die die Damen nun einmal stehen, bleiben sie doch in vielen Fällen gelassener, weil sie sich nicht mit der Darstellung mutigen Handelns beweisen müssen. 

Nicht nur in diesem Punkt hat die Evolution ihre Spuren hinterlassen: Die originäre Aufgabe der Männer war neben der Jagd und der Versorgung der Sippe mit Nahrungsmitteln natürlich die Sicherheit. Nur die Mutigen, wohl gemerkt nicht die Leichtsinnigen, konnten diese Aufgabe erfolgreich meistern und sich gegen die vielfältigen Gefahren im täglichen Leben durchsetzen.

Mut in diesem Sinne heißt also, die eigenen Ängste zu überwinden und nach Abwägung der Situation gewisse Risiken einzugehen. Hier sind die Frauen generell etwas zurückhaltender und zögerlicher, tragen sie doch traditionell die Verantwortung für den Nachwuchs und den sozialen Frieden in der Sippe.

Sie gelten also nicht von ungefähr als das ausgleichende Element in Familienverbänden, können aber, wenn es um ihre Kinder geht, ungeahnte Kräfte entfalten. Für den Börsenhandel ließen diese Zuschreibungen erwarten, dass in erster Linie Männer profitabel handeln, weil sie sich an die Fakten halten. Die Ergebnisse vielfältiger Studien legen jedoch anderes nahe.

"Frauen sind die besseren Anleger."

Zu diesem Schluss kommt der Wall Street Korrespondent Tim Schäfer in einem Beitrag, den er im letzten Juni auf der Plattform aktien-mag.de veröffentlichte. Er bezieht sich dabei auf die Resultate, die Fidelity bei einer Analyse der Daten von acht Millionen Kunden ermitteln konnte.

Demnach erzielen Frauen einen höheren Gewinn, auch wenn es sich in dieser Erhebung nur um 0,4 Prozentpunkte respektive 40 Basispunkte Differenz handelt. Gleichzeitig wurde aber klar, dass Frauen auch mehr Geld zurücklegen:

Sie sparen neun Prozent des Einkommens, bei Männern wurden nur 8,6 Prozent ermittelt. Diese beiden relativ geringen Differenzen können sich auf die Dauer durchaus bemerkbar machen - Fidelity kommt in der Auswertung auf einen Vermögensunterschied von bis zu 275.000, werden die höheren Renditen über die Jahre mit den höheren Sparbeträgen kombiniert.

"Frauen streuen ihre Geldanlage breiter,

unter anderem in Fonds, und investieren langfristiger"

Das ist eines der wesentlichen Ergebnisse der umfangreichen ING-DiBa Untersuchungen des Anlegerverhaltens im eigenen Kundenbestand: Eine Studie, die die ING-DiBa bereits im Jahr 2015 angestellt hat, bezog sich auf 600.000 Wertpapierdepots im eigenen Haus. Auch hier hatten die Damen die Nase vorn - und das sogar deutlich:

Erzielten die weiblichen Anleger innerhalb der davor liegenden 12 Monate einen Gewinn von 5,8 Prozent, konnten die Männer im Vergleichszeitraum lediglich 4,1Prozent Rendite vorweisen. Die Differenz beläuft sich bei dieser Studie somit auf 1,7 Prozentpunkte, was laut ING-DiBa bei einem Depotvolumen von durchschnittlich 30.000 Euro unter dem Strich einen Unterschied von 500 Euro ausmacht - pro Jahr.

Interessant ist jedoch, dass es sich bei diesen Ergebnissen keineswegs um Ausnahmen handelt: Die ING-DiBa hatte bereits zwei Jahre vorher derartige Daten erhoben und konnte nun diesen Trend bestätigt. Die Damen hatten auch bei der Vorgängerstudie mit 3,6 Prozent Rendite bewiesen, dass sie an der Börse profitabel handeln können. Die Männer konnten nämlich lediglich 2,3 Prozent in die Waagschale werfen.

"Frauen klar und eindeutig als die besseren Trader erwiesen"

Schon im letzten Jahr wertete Andreas Teufl auf der Plattform kleinanleger.com einige Studienergebnisse aus und verweist dabei ausdrücklich auf die Seriosität und Professionalität bei der Erhebung und Auswertung der Daten.

Neben den schon angeführten Analysen der ING-DiBa flossen in seine Betrachtungen insbesondere die Befunde einer groß angelegten Auswertung von Financial Skills mit ein. Hierbei wurden nicht nur die von den Tradern erwirtschafteten Ergebnisse ausgewertet, sondern vor allem deren Verhaltensweisen beim Traden selbst im Rahmen einer Simulation auf den Prüfstand gepackt.

Überraschend ist demnach, dass die erarbeiteten Unterschiede so gravierend sind - und die Männer, zumindest die in jüngeren Jahren, so schlecht abschnitten. Die männlichen Senioren konnten nämlich fast mit den Frauen gleichziehen.

Risiko vs. Rendite - die Ergebnisse sprechen für sich

Männer gehen demnach im Gegensatz zu Frauen als Anleger deutlich höhere Risiken im Börsenhandel ein, was sich jedoch nicht im größeren Gewinn niederschlägt.

Unter dem agieren Frauen an der Börse also generell vorsichtiger, verbringen weniger Zeit mit ihren Trades und halten sich eher an die gegebenen Regeln, als dies bei den männlichen Teilnehmern der Fall war. Dass die weiblichen Teilnehmer auf diese Weise profitabel handeln konnten, hängt nicht zuletzt mit den im Zuge des Tradings verursachten Kosten zusammen, bei denen die Männer eindeutig führen - was natürlich zu Lasten der Rendite geht.

Das eindeutig bessere weibliche Gespür für Risikominimierung bestätigte sich selbst bei Wiederholungen einer Simulation, wodurch die anderen Studienergebnisse eindrücklich bestätigt werden konnten.

Eine besondere Herausforderung hatten sich die Veranstalter mit einigen beschränkenden Regeln ausgedacht: Es sollte nur zu bestimmten Zeiten gehandelt werden, selbst das Verfolgen der aktuellen Kurse war nicht immer erlaubt.

Die Auswertung ergab, dass die männlichen Teilnehmer bei den Verstößen gegen diese Regeln mit gehörigem Abstand vorne lagen: Sie handelten deutlich länger und häufiger, insgesamt hebelten sie im Vergleich zu ihren weiblichen Konkurrentinnen doppelt so oft diese Richtlinien aus - was sich jedoch unter dem Strich nicht lohnte.

Selbst in Bezug auf die Effizienz beim Trading waren die Damen den Herren überlegen, was in der Form wohl nicht zu erwarten war. Der Nimbus der männlichen Überlegenheit in Finanzdingen wurde mit diesen Ergebnissen kräftig angekratzt, was vor allem den institutionellen Anlegern Anlass zum Nachdenken geben sollte. 

"Frauen sind vorsichtiger, handeln seltener als Männer"

Die ING-DiBa führte diese Erklärung von Börsenpsychologen als Begründung für die unterschiedlichen Ergebnisse an. Demnach wägen Frauen intensiver ab, sind sich aber auch nicht zu schade, aus gemachten Fehlern die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und somit die Verluste zu minimieren.

Mit dieser Vorgehensweise konnten Frauen als Anleger insbesondere in der jüngeren Zeit punkten, es gibt aber eben auch jene Marktphasen, in denen Risikofreude belohnt wird:

Die DAB Bank hatte im Jahr 2011 eine Studie unter 450.000 Depots von Privatanlegern durchgeführt, in der nämlich die Männer triumphieren konnten. Demnach bewiesen die Männer im Jahr 2009 mit 27 Prozent Rendite, dass auch eine turbulente Börse, die Finanzkrise hatte gerade ihre Spuren hinterlassen, Chancen bietet und sie unter komplizierten Bedingungen profitabel handeln können.

Im Folgejahr erwirtschaftete sie immer noch 17,2 Prozent - im Vergleichszeitraum konnten die Frauen an der Börse 26,2 bzw. 14,2 Prozent Rendite vorweisen, die sich ebenfalls sehen lassen können. Aber schon ein weiterer Schritt zurück in die Jahre 2007 und 2008 belegt wieder, dass die vorsichtigere Herangehensweise der Frauen an einer Börse in Seitwärtsbewegung die größeren Erfolge bringt. 

Erfolg an der Börse: Wer kann es also besser?

Die Beantwortung dieser Frage ist demnach nicht so einfach, wie das auf den ersten Blick schien: Frauen punkten mit ihrer Fähigkeit zur Risikodiversifizierung, aber vor allem mit dem gründlichen Abwägen von Entscheidungen - was sich natürlich auch als Zögern oder Unentschlossenheit auslegen ließe.

Haben sie eine Entscheidung getroffen, werfen sie diese nicht gleich wieder über den Haufen, sollte sie sich nicht als Fehler erweisen. Dann sind Frauen in der Lage, dies klar einzugestehen und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. 

Im Gegensatz dazu lieben Männer an der Börse eher das Risiko, lassen sich aber auch bei hohen Erfolgsaussichten schneller zu einem neuen Geschäft animieren. Große Risiken werden in ruhigen Zeiten an der Börse jedoch nicht immer mit überbordenden Gewinnen belohnt, das trifft eher auf stürmische Marktphasen zu.

Die höhere Anzahl der Transaktionen frisst aber unter dem Strich einen guten Teil der Rendite, die Gebühren schlagen hier negativ zu Buche. Bleiben Frauen an der Börse auch bei Turbulenzen ruhig und langfristig orientiert, zielen Männer, etwas überspitzt formuliert, bevorzugt auf den schnellen Gewinn ab.

Wie in vielen anderen Lebensbereichen auch dürfte auch im Börsenhandel das Zusammenspiel beider Geschlechter die besten Ergebnisse zeitigen. Seien Sie kein freiwilliger Verlierer und nehemen Sie ihre Finanzen selbst in die Hand.

Wie können Frauen an der Börse erfolgreich sein?

Die Grundregeln für einen nachhaltigen Erfolg bei der Geldanlage sind zunächst vollkommen unabhängig vom Geschlecht und lassen sich in wenigen Punkten zusammenfassen:

  • Ausgangspunkt sollte immer eine Analyse des eigenen Risikoprofils sein. Bewegen sich Anleger nämlich in Anlageklassen, die deutlich höher Risiken aufweisen, als es den eigenen Präferenzen entspricht, erzeugt das nicht nur Unsicherheit und Hektik, sondern daraus resultierend auch Verluste.
  • Einen weiteren wichtigen Punkt macht die Konsequenz im Handeln aus - einerseits in Bezug auf das eigene Geldmanagement und das Sparen, andererseits in puncto Festhalten an den zuvor erarbeiteten Grundsätzen.
  • Diese Grundregeln für das Anlageverhalten sind die wesentlichen Eckpunkte einer Strategie, die sowohl die Risikostreuung als auch die Anlageziele bestimmt.
  • Es wird Frauen immer noch nachgesagt, dass sie sich in Finanzdingen weniger gut auskennen. Hier sollte die Investment-Legende Warren Buffett als Vorbild dienen: "Investiere nur in das, was Du auch verstehst."

Die Unterschiede in den Vorgehensweisen in der Geldanlage ergeben sich aus den in den einschlägigen Studien ermittelten Eigenheiten der Geschlechter. Orientieren sich Frauen als Anleger bevorzugt langfristig, erinnert das nicht zuletzt an die Philosophie, die auch Warren Buffett mit seinem Slogan "Buy and hold" vertritt.

Ein Blick auf die großen Aktien-Indizes gibt ihm eindrücklich Recht: Der S&P 500 konnte in den letzten fünf Jahre zum Beispiel um rund 109 Prozent zulegen, was einer durchschnittlichen Jahresrendite von 15 Prozent entspricht. Lesen Sie hier mehr über den Zinseszinseffekt.

Das ist außerordentlich, denn auf einen längeren Zeithorizontbetrachtet erreicht der Index rund zehn Prozent pro Jahr - was auch nicht zu verachten ist. Die Kunst besteht also darin, bei Rücksetzern an der Börse nicht zu schnell die Reißleine zu ziehen und zu verkaufen. Auf der Dauer gesehen ging es immer bergauf, das macht gut gemischte Aktien ja im Gegensatz zu vielen anderen Anlageformen zu interessant.

Lernen Sie jetzt, wie Sie profitabel an der Börse handeln können. 

Einblick in unsere profitable Strategie

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer