DAX+0,21 % EUR/USD+0,20 % Gold-0,03 % Öl (Brent)-0,37 %

Betriebliche Altersvorsorge Nach einem Jobwechsel weiter sparen

Gastautor: Dieter Fromm
05.09.2017, 16:24  |  1597   |   |   

Bis zu sechsmal wechselt die Mehrheit der Erwerbstätigen hierzulande, statistisch gesehen, den Arbeitgeber. Es lohnt sich oft, dabei die Betriebsrente mitzunehmen. Wie Sie Ihre Altersvorsorge systematisch planen.

An einer Betriebsrente sollte ein Jobwechsel niemals scheitern. (© contrastwerkstatt)

Mehr als 20 Millionen Deutsche haben hierzulande eine betriebliche Altersvorsorge, doch nur dreizehn Prozent bleiben bis zur Rente beim selben Arbeitgeber. Wer den Job wechselt, kann seinen Vertrag oft mitnehmen. Das kann derzeit wertvolle Vorteile haben, zeigt eine Expertin der Nürnberger Leben.

"Am Anfang war Begeisterung. Doch irgendwann passte es einfach nicht mehr", erzählt der Werbefachmann Bernhard B. Nach seinem Studium war er vierzehn Jahre bei einem Geldhaus beschäftigt, bevor er sich dazu entschloss, ein Angebot bei der Konkurrenz anzunehmen. Beim neuen Unternehmen sieht er bessere Möglichkeiten, doch was passiert jetzt mit seiner Betriebsrente? Sein früherer Arbeitgeber hatte ihm eine einträgliche Direktversicherung gesponsert.

Wie Bernhard B. stehen die meisten Arbeitnehmer mehrmals in ihrem Erwerbsleben vor dieser Frage, zeigt die Statistik. Etwa zwei Drittel der Deutschen wechseln während des Erwerbslebens bis zu sechsmal den Arbeitgeber. Dabei haben mehr als 20 Millionen Beschäftigte eine betriebliche Altersversorgung (bAV) vereinbart.

Grundsätzlich können Ansprüche mitgenommen werden

Der Gesetzgeber hat daher einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, um Ansprüche zu übertragen. Bei einer Direktversicherung oder einer Pensionskasse, den beiden populärsten Formen der Betriebsrente, stehen bei laufenden Verträgen folgende Möglichkeiten offen:

Erfahren Sie mehr über moneymeets.

1. Der bestehende Vertrag wird beim neuen Arbeitgeber unverändert fortgeführt.

2. Eine neue Zusage wird erteilt und das vorhandene Kapital aus dem bestehenden Vertrag ist zu übertragen.

3. Der Arbeitnehmer führt den bestehenden Vertrag privat mit eigenen Mitteln weiter.

4. Der bestehende Vertrag wird beitragsfrei gestellt.

Vorteilhaft: "Alte" Verträge mit hohem Garantiezins fortfüihren

"Für viele Arbeitnehmer ist ein Fortführen bestehender Verträge grundsätzlich vorteilhaft, wenn beispielsweise eine 'alte' Police mit einem relativ hohen Garantiezins vorliegt", schreibt Stefanie Alt, Leiterin Produkt- und Marktmanagement Leben bei der NÜRNBERGER Versicherung, in einem aktuellen Beitrag des Versicherungsjournals. Der Garantiezins für neue Lebens- und Rentenversicherungsverträge liegt derzeit bei nur 0,9 Prozent. Bis Januar 2004 waren es noch vier Prozent. 

Bei einer Vertragsmitnahme fallen zudem keine neuen Abschlusskosten an. Es wird auch keine erneute Gesundheitsprüfung verlangt, ergänzt Alt.

moneymeets-tipp: Die meisten Deutschen haben in punkto Altersvorsorge nichts zu verschenken. Nutzen Sie daher die Möglichkeiten, die Betriebsrenten bieten und:

Spannen Sie Ihren Arbeitgeber ein.

Wermutstropfen: Um Haftungsrisiken für Fehler zu vermeiden, die der alte Arbeitgeber beim Gestalten der Versorgung gemacht hat, sollte der neue Chef die bestehende bAV sorgfältig prüfen lassen. Das Gesetz erlaubt diesen Weg deshalb auch nur mit Zustimmung aller Beteiligten (bisheriger Arbeitgeber, künftiger Arbeitgeber und Arbeitnehmer).

Höchstens Rang zwei: Altvertrag ins neue Produkt einbringen

Doch was tun, wenn man sich hier nicht einigen kann? Es ist möglich einen neuen Vertrag beim neuen Arbeitgeber abzuschließen und das vorhandene Kapital der alten Versorgung in den neuen Vertrag zu übertragen. Dabei wird jener Wert auf den neuen Arbeitgeber übertragen, den die unverfallbare Anwartschaft des Arbeitnehmers bis dato erworben hat. Der alte Vertrag endet also und ein neuer wird abgeschlossen – mit dem vorhandenen Übertragungswert als Zuzahlung.

moneymeets Versicherungs-Ratgeber mit genialen Spartipps! Statt 19,50 EUR jetzt gratis als E-Book sichern!

"Die Versicherungswirtschaft fördert das Recht auf Mitnahme der Altersversorgung aus den Durchführungswegen Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds, indem sie sich selbst Regeln aufgestellt hat", erläutert Alt. Wichtige Eckpunkte seien dabei der Verzicht auf neue Abschlusskosten beim übernehmenden Versorgungsträger oder eine erneute Gesundheitsprüfung. 

Weiterer Vorteil für den zukünftigen Arbeitgeber: Er kann die Versorgung an seine eigenen betrieblichen Erfordernisse anpassen. Alt verweist hier auf einen Rechtsanspruch auf Portabilität für Arbeitnehmer bei Neuzusagen nach dem 31.12.2004. Der Arbeitnehmer könne somit von seinem neuen Arbeitgeber verlangen, einen solchen Übertrag und das Fortführen der Versorgung nach neuen Regeln durchzuführen. 

Nachteil: Die heutigen Bedingungen für Lebens- und Rentenversicherungen sind schlechter als in früheren Jahren.

Auch überlegenswert: Altverträge privat fortzufüihren

"Ist es überhaupt geschickt, einen alten Vertrag aufzugeben?", fragt Alt. "Oder wäre es nicht sinnvoller, ihn weiter laufen zu lassen?" Schließlich habe sich in den letzten Jahren einiges geändert: Der Garantiezins für kapitalgebundene Renten- und Lebensversicherungen ist gesunken und den Tarifberechnungen liegen neue Sterbetafeln zugrunde, die der steigenden Lebenserwartung Rechnung tragen. Das führt bei später abgeschlossenen Policen zwangsläufig zu niedrigeren Garantierenten.

moneymeets-Tipp: Der Kluge nimmt beim Thema Altersvorsorge sein Schicksal in die Hand und sorgt vor - mithilfe von Förderungen, Betriebsrenten und privaten Fondssparplänen.

1) Checken Sie Ihre Rentenansprüche.

2) Bestimmen Sie Rentenlücke und Sparziel.

3) Und finden Sie optimale Produkte für die private Altersvorsorge.

"Hier ist es durchaus überlegenswert, solche Altverträge nicht durch eine Portierung zu verlieren, sondern stattdessen privat fortzuführen", schließt die Expertin. Doch sie weist auch darauf hin, ein bAV-Übertrag, einhergehend mit einem Jobwechsel, bedürfe einer fundierten Beratung, denn jede Kundensituation sei individuell und erfordere tiefere Fachkenntnis.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel