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AfD-Eklat bei ZDF-Wahlsendung Warum musste Alice Weidel gehen?

Gastautor: Rainer Zitelmann
06.09.2017, 08:42  |  5035   |  19   |   

Alle Medien berichten heute darüber, dass AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel vorzeitig die ZDF-Wahlsendung am Dienstag Abend verließ. Was war wirklich passiert?

 

Der Anlass war, dass CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer Alice Weidels Parteifreund Björn Höcke als Rechtsradikalen bezeichnete. Doch das war nicht der Grund, warum Alice Weidel ging. Es zeichnete sich schon vorher ab, als sie zunehmend entnervt reagierte, weil sie allein gegen die Moderatoren, die Vertreter von CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen, Linken und einen Großteil des Publikums stand.

Allein gegen alle
Eine solche Situation ist nie einfach, aber sie ist auch nicht neu: Seit AfD-Vertreter im Fernsehen auftreten, muss sich jeder Vertreter der AfD mit genau dieser Situation auseinandersetzen: Allein gegen alle. Das galt schon für den Parteigründer Bernd Lucke, der gewiss kein Rechtsradikaler war, aber den man ständig versuchte, in diese Ecke zu stellen. Aufgabe von Moderatoren wäre es, dafür zu sorgen, dass gerade derjenige zu Wort kommt und ausreden kann, der eine Minderheitenmeinung vertritt - statt parteiisch zu sein, den Chor der Empörten zu verstärken und den Gast ständig zu unterbrechen. Doch diese Souveränität und Toleranz ist leider kein Markenzeichen deutscher Talkshow-Moderatoren.

Das Verhalten von Moderatoren und Vertretern anderer Parteien, die meinen, durch Unterbrechungen und demonstratives Zurschaustellen von Ekel und Abneigung antifaschistischen Bekenntniseifer demonstrieren zu müssen, ist erbärmlich. Abgesehen davon ist es auch dumm. Denn bei AfD-Anhängern wird dies regelmäßig das Gegenteil dessen bewirken, was man beabsichtigt, nämlich eine Solidarisierung und einen Effekt, den Psychologen als "Underdog-Identifikation" bezeichnen. Wer sich lautstark für den Schutz von Minderheiten einsetzt und dann mit vereinten Kräften auf jemanden dreinschlägt, der anderer Meinung ist, wirkt nicht glaubwürdig.

Weidel ist der Situation nicht gewachsen
Alice Weidel ist einer solchen Situation nicht gewachsen. Weidel ist zweifelsohne intelligent. Sie schloss ihr VWL/BWL-Studium als Jahrgangsbeste ab und promovierte mit der Bestnote summa cum laude. Weidel weiß viel. Und auch derjenige, der die AfD nicht wählt, kann ihr inhaltlich an manchen Stellen beipflichten. Aber darauf kommt es halt in einer Fernsehsendung nicht in erster Linie an. Ihr Problem: Sie ist keine Sympathieträgerin. Sie ist sozusagen das Gegenteil von Gregor Gysi, dem es über Jahre hinweg gelang, seine zutiefst unsympathische Partei sympathisch darzustellen. Zugegeben: Gysi hatte es viel einfacher, denn die meist eher linken Moderatoren machten es ihm einfach: Statt demonstrativ Abscheu zu bekunden, wie sie das bei AfD-Vertretern tun, scherzten sie mit ihm. Aber Gysi konnte eben auch mit Humor, Lockerheit Selbstironie und Schlagfertigkeit punkten. Weidel besitzt nichts davon.

Wer Weidel in dem Fünfkampf am Montag mit Lindner, Özdemir, Wagenknecht und Hermann gesehen hat, weiß was ich meine: Sie gebraucht ständig Fremdworte, die viele Fernsehzuschauer ganz bestimmt nicht verstehen. Sie redet umständlich mit vielen Substantiven und Passivkonstruktionen, ein wenig so wie ein angehender Jurist oder ein Beamter. Durch ihre Gestik und Mimik wirkt sie wie ein entnervter Oberlehrer, dem es weniger darum geht, Sympathiepunkte zu sammeln, sondern die anderen zu belehren und vor allem zu zeigen, dass man alles besser weiß. Sie ist ganz offensichtlich mit einer Situation, in der es nicht allein auf Wissen und die besseren Argumente ankommt, sondern auf Schlagfertigkeit und das Sammeln von Sympathiepunkten, überfordert. Wahrscheinlich wären die meisten Menschen einer solchen Situation nicht gewachsen, denn es ist nicht einfach, locker zu bleiben und sympathisch zu wirken, wenn man ständig unterbrochen und unfair behandelt wird. Weidel wusste sich nicht mehr anders zu helfen - sie musste gehen.

Kürzlich erschienen, überall besprochen und beachtet: www.zitelmann-autobiografie.de

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Kommentare

+++Stellungnahme zur Sendung "Wie gehts, Deutschland?"+++
"Die Moderatorin Slomka hat sich in der heutigen Debatte 'Deutschland, wie gehts' als parteiisch und vollkommen unprofessionell geoutet. Sie hat sich mit der frechen Intoleranz und der plumpen Argumentation von SPD und Grünen gemein gemacht. Das ist eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht würdig.

Das Verhalten von Frau Slomka dient nicht der demokratischen Willensbildung, sondern verzerrt sie und ist zutiefst unprofessionell.

Frau Slomka sollte Ihre persönlichen Animositäten nicht in den eigenen Sendungen ausleben.

Ein weiterer Grund, die Zahlung des Rundfunkbeitrages zu verweigern."

https://www.facebook.com/aliceweidel/photos/a.10633130670132…
Frau Weidel kommt schon sympathisch rüber,sie drückt sich aber zu akademisch aus.Sie benutzt Fremdworte und Begriffe aus der VWL mit denen der einfache Zuhörer wenig anfangen kann.Das machen Frau Wagenknecht und Gysi besser.Kurzum,sie schaut dem Volk nicht aufs Maul."


Sie ist einfach nicht populistisch genug.
Das können die anderen noch viel besser.
Schade, dass ich es nicht gesehen habe.
Aber auch so kommt seit der Verabschiedung des
ESM im Bundestag für mich
nur noch die AFD in Frage.
Da habe ich mir einen Eid geschworen,
die Befürworter des ESM nicht mehr zu wählen
und den werde ich doch nicht brechen
Ich hab mir das jetzt mal angesehen und muß sgen: die "Fakten", die das ZDF da eingespielt hat, sind anscheinend schon auf eine gewollte Hatz gegen die AFD vorbereitet worden. Außerdem erkannte ich keine Quellenangaben und die Zahlen schienen teilweise gravierend falsch bzw. zu sein. Jedenfalls stimmten sie nicht mit offziellen Daten überein und die Herkunft der genannten "Fakten" ist nicht belegt worden. Frau Weidel muß man leider auch Defizite bescheinigen, aber die fehlende Souveränität ist wohl auch der Aufregung geschuldet und dem relativ neuen Posten. Aber das gibt sich und macht eigentlich Weidel, deren fachliche Kompetenz unbestritten ist, eher sympatisch!
Wenn man sieht wie undemokratisch sich die "Altparteien" gegenüber der AFD verhalten kann man doch nur noch die AFD wählen!

Altparteien die Millionen von Wählern der AFD jedes Gespräch abschlagen "Mit denen reden wir nicht oder mit denen gehen wir keine temporären Bündnisse ein, zeigen doch ihr wahres "demokratisches" Gesicht.

Es geht hier doch nur um Machterhalt, Eitelkeit und um die eigene Person, nie um das Volk.
Wann kapiert das die Masse der Steuerzahler in der BRD endlich.

Dieses Ganze Kasperletheater in den Medien kommt mir so vor als wenn der Bürger sich zwischen nur 2 machtgeilen Politikern entscheiden kann.

Nur wer den "richtigen Glauben"/Parteibuch hat ist der richtige Gewinner.

Das Deutschland elendig zugrunde geht wenn dieses Multikultigeschrei so weiter geht sollte jeder
der klar denken kann doch verstehen.

Wer Rot oder Grün wählt, der wird sein blauen Wunder erleben.

Wenn das so weiter geht kann man nur sagen:
Rette sich wer kann nimmt sein Vermögen und verlässt dieses "demokratische" Land.

Das sich die Medien als Handlanger der "Altparteien" betätigen ist ja nichts neues, aber diese Art
der Diffamierung einer Partei wie der AFD sollte jedem Leser zu denken geben.

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