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Bitcoin & Co. Kryptowährungen: Ende der Banken oder Mutter aller Blasen?

06.09.2017, 13:53  |  28705   |   |   

Sogenannte Kryptowährungen wie z. B. Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash, Ripple, Dash, Monreo oder Litecoin machen schon seit Jahren täglich Schlagzeilen. Sie alle sind nicht staatliche Ersatzwährungen mit begrenzter Geldmenge und existieren bisher nur im Internet. Seine Brötchen beim Bäcker nebenan mit Bitcoins zu bezahlen ist daher bisher nicht möglich, jedoch könnte man sich eine Pizza bei Lieferando bestellen und diese mit Bitcoins bezahlen.

Die Geldschöpfung von Kryptowährungen geschieht ebenfalls im Digitalen durch ein komplexes mathematisches Verfahren innerhalb eines großen Netzwerkes von Computern und wird als „Mining“ bezeichnet. Deshalb benötigt das Kryptogeld keine Zentralbanken mehr, die sonst für die Emittierung von Banknoten zuständig sind. Grundsätzlich benötigen diese dezentralen, virtuellen, digitalen Währungen keine Finanzinstitutionen als vertrauensbildende unabhängige Dritte Partei, um elektronische Zahlungen zu tätigen. Doch dazu später mehr. 

Wenn man sich mit einem komplexen Thema wie dem von Kryptowährungen beschäftigt, ist es sinnvoll sich zu mindestens einführend mit dem grundsätzlichen Wesen von Geld auseinanderzusetzen. Dem Fiatgeld der Notenbanken und dem Buchgeld der Geschäftsbanken ist gemein, dass sie unbegrenzt ausgeben werden können und keinen inneren Wert besitzen, wie beispielsweise physisches Gold oder Silber. Der Wert von Geld besteht deshalb nur solange, wie die Mehrheit seiner Nutzer an ihn glaubt. Euromünzen und -scheine sowie bargeldlose Zahlungen in Euro werden aber nur deshalb akzeptiert, da ihr Gegenwert staatlich garantiert ist. Alle regulären Währungen basieren auf diesem Wertversprechen. 

Dieses Wertversprechen gilt für die über 860 Kryptowährungen, die sich in den Weiten des Internet tummeln, nur bedingt. Denn einen staatlich garantierten Wert haben diese Ersatzwährungen nicht, da sie nicht staatlich kontrolliert werden. Vielmehr funktionieren sie nur so lange es genügend Menschen gibt, die an das neue Wertsystem glauben und in Kryptowährungen investieren oder mit ihnen spekulieren. Laut der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin setzt sich der Wert von BitCoins dabei „ aus Angebot und Nachfrage sowie der Akzeptanz im Wirtschaftskreislauf [zusammen]. Ebenso wie gesetzliche Zahlungsmittel sind BTC nicht durch einen realen Wert gedeckt.“ 

Eine sehr wichtige Aufgabe von Zentralbanken ist es jedoch, die Geldmenge dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) anzupassen. Sie stellen damit sicher, dass im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt nicht zu viel Geld in Umlauf gerät. Ansonsten würde es nämlich zu einer gefürchteten Geldentwertung (Inflation) kommen. Da Kryptowährungen nicht der Kontrolle von Notenbanken unterstehen, ist diese wichtige Kontroll- und Rückkopplungsfunktion nicht gegeben. Kryptowährungen sind deshalb bisher (noch) hoch volatile Finanzprodukte und keine wirklichen Währungen.

Was ist also der große Vorteil von Cyber-Währungen? Eine ihrer größten Errungenschaften ist die sogenannte Blockchain-Technologie, die fälschungssichere echte Peer-to-Peer Zahlungen komplett ohne Banken, oder Finanzdienstleister wie PayPal als Zwischeninstanz ermöglichen. 

Blockchains kann man sich als dezentrale auf zahlreichen Computern verteilte Datensätze vorstellen, in denen Informationen fälschungssicher und unveränderlich gespeichert werden. Da es nicht eine zentrale Datenbank gibt, in der alle relevanten Informationen gespeichert sind, sondern die Informationen in einem riesigen Netzwerk von Computern als verteilte und ständig abgegliche Datenbanken existieren, sind Blockchains extrem fälschungssicher. Durch diese lückenlose Datenaufzeichnung lassen sich Eigentumsverhältnisse und Finanztransaktionen transparent und effizient sichern und regeln. Laut dem Nachrichtenmagazin ntv testen zurzeit sogar eine ganze Reihe von Notenbanken, ob ihnen die Blockchain-Technologie Vorteile bietet und ob sich die digitale Alternative womöglich nutzen lässt.

Die rasanten Kursentwicklungen von Bitcoin und Co. lassen sich allerdings nicht alleine durch die revolutionäre Blockchain-Technologie erklären. So ist der Bitcoin-Preis von von etwa 130 Dollar im Mai 2013 auf fast 5.000 Dollar Anfang September 2017 gestiegen! Dies bedeutet, dass der Kurschart der bekanntesten Krypto-Währung um über 3745 Prozent in die Höhe geschossen ist. Dies klingt kaum nach einer gesunden Marktentwicklung, sondern eher nach klassischer Blasenbildung. 

The NYSE Bitcoin Index

Die These einer Bitcoin-Blase vertritt auch der renommierte US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und Nobelpreisträger Robert J. Shiller, der sowohl vor der Dotcom-Blase 2000 als auch vor der 2007 geplatzten Immobilienkrise gewarnt hatte. So antwortet Shiller im Interview mit dem Finanzportal Quartz auf die Frage was er als bestes Beispiel für irrationalen Überschwung und spekulative Blasenbildung halte: „The best example right now is bitcoin“. Eine vergleichbare These vertritt auch der Finanzjournalist Daniel Saurenz in seinem Artikel Bitcoin-Boom – Hyperinflation und ein Blick zurück.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die der Kryptowährungen zugrundeliegende Blockchain-Technologie das Potenzial besitzt, zu einer grundlegenden Revolution im Finanzwesen zu führen. Gleichzeit scheint der aktuelle Bitcoin-Boom übertrieben und die Gefahr, dass die Blase bald platzt ist recht hoch. Nach dem China am Montag Krypto-Börsengänge verbot, gab der Kurs von Bitcoin bereits deutlich nach. Laut der Tageszeitung die Welt hatte am Bitcoin-Crash aber auch Paris Hilton eine Schuld: Nach dem die hübsche Hotelerbin per Twitter bekannt gegeben hatte, dass sie in Kryptowährungen investiere, gab der Bitcoin-Kurs deutlich nach. 

Wenn man die Wahl hätte drei Bitcoins oder stattdessen eine physische Krügerrand Goldmünze geschenkt zu bekommen, sollte man vielleicht besser den Krügerrand nehmen. Der wäre nämlich bereits im antiken römischen Reich als Zahlungsmittel akzeptiert worden und wird wohl auch noch in 1000 Jahren einen Wert haben. Wer weiß wie es dann mit Bitcoins aussieht. 

PS: Wer sich für eine wirtschaftswissenschaftliche Sicht auf das Thema Kryptowährungen interessiert, dem empfehlen wir die umfassende empirische Studie „Global Cryptocurrency Benchmarking Study“ der Universität Cambridge, die im April diesen Jahres veröffentlicht wurde. 

Quellen: 
BaFin: „Bitcoins: Aufsichtliche Bewertung und Risiken für Nutzer“
BaFin: „Blockchain-Technologie“
ntv:  „China verbietet Krypto-Börsengänge“
ntv: „Notenbanken prüfen Bargeldersatz“
welt: „Was Paris Hilton mit dem Bitcoin-Crash zu tun hat“
bitcoin.org 
Cambridge Centre for Alternative Finance: „2017 Global Cryptocurrency Benchmarking Study“
coinmarketcap.com
Quartz: ”Robert Shiller wrote the book on bubbles. He says “the best example right now is bitcoin.”

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Kommentare

Sorry @Indextrader24.... Hatte mich verlesen und geglaubt du bist der Meinung, dass "echtes Geld" abgesichert wäre... Mein Fehler!

Aber was willst du uns dann mit deinem Text dann sagen? Was spricht dagegen in Kryptos zu investieren?
Ob ich nun ein Konto bei der Bank habe, die mir sagt, dass ich noch 4.000€ besitze oder ob ich in mein Wallt schaue und sehe, dass ich noch 1 Bitcoin besitze...

Wenn man sich gegen den großen Blackout absichern will, dann hilft wohl nur noch der Bunker unterm Haus, mit ausreichend Konserven und Waffen... Oder zu welchem Ergebnis kommst du?
"echtes Geld ist auch gegen Kataklysmen funktionabel gesichert. In einer Welt ohne Strom, wo noch nicht einmal die Trinkwasserversorgung mit Fitamoney oder Cryptos etwas zu bezahlen wird nicht funktionieren. Und wenn die Welt offline geht, dann für Jahre."

Ja "echtes" Geld ist gegen den großen EMP gesichert, allerdings nur das Geld was du zu dem Zeitpunkt in deiner Geldbörse mit dir trägst. Und du glaubst allen Ernstes, dass der 50€ Schein bei einer Welt die offline ist noch irgend einen Wert hat? Du kannst ja dann mal versuchen damit etwas Essbares zu kaufen... Ich glaube eher, dass wir dann wieder beim guten alten "1 Sack Kartoffeln gegen 2 Bettdecken" sind.
Ja ja,

diesmal ist bei Bitcoin und Co alles anders - wie oft habe ich das schon gehört. Leute schon mal einen black out erlebt?

Glaubt ihr allen Ernstes eure digitale Scheinwelt wird ewig existieren?

Lass mal einen solarem EMP auf die Kryptowelt und die Banken rieseln und die Welt ist offline. Da funktioniert dann noch nicht einmal mehr Euer Handy weil alle Sicherungen durchbrennen. Alles Datenspeiicher werden durch einen EMP ausradiert.

Ne Leute - so nett das alles auch klingen man - echtes Geld ist auch gegen Kataklysmen funktionabel gesichert. In einer Welt ohne Strom, wo noch nicht einmal die Trinkwasserversorgung mit Fitamoney oder Cryptos etwas zu bezahlen wird nicht funktionieren. Und wenn die Welt offline geht, dann für Jahre.

Nach der elementaren globalen Erfahrung eines EMP-Blackouts und entsprechend gesicherter Infrastruktur könnte man vielleicht - aber auch nur vielleicht solche Überlegungen anstellen. Vermutlich wird aber ein Konglomerat der Banken nach einem solchen Reset die Kontrolle übernehmen.
Zitat von seniorpomidor......Eins ist sicher: Gewinner gibt es heute schon. Es sind diejenige, die genug von Banken haben, die Ihnen Ihr Geld stehlen und veruntreuen. .....Wie ich schon sagte: die Zeiten ändern sich...


Die Definition Geld scheint hier aber komplett aufgelöst worden zu sein, denn Bitcoins werden aus dem NICHTS erschaffen, genauso wie das FIATGELD.
In beiden Systemen ist per Knopfdruck alles auf Null setzbar, bei Bitcoins noch viel einfacher als beim Fiatgeld.

Das Problem bei deiner Argumentation ist, dass du selber Bitcins einen Wert zuweist, denn du benutzt den Begriff Geld, wobei laut der Börse man mit 3 bitcoins schon 4 Krügerrand kaufen könnte. Somit wird ein Bezugssystem aufgebaut.
Dieses Bezugssystem Bitcoin sollte ma eher als Parallelwährung sehen.
Du kannst genauso eine Art REGIO-Geld verwenden, druck doch selber Scheine mit deinem eigenen Motiv, nenn diese Währeung seniorpomidor-Dollar. Dann definierst du das 1SEN-Dollar 0,10EUR entspricht und scho hast du eine Parallelwährung. Jetzt musst du nur deine Mitmenschen davon überzeugen, dass die auch an deine Währung glauben.
Was dann erstmal entsteht ist ein Schneeballprinzip und nachdem du viele Gläubiger um dich gescharrt hast, musst du denen Sicherheiten bieten, also immer die Sicherheit deine SEN-Dollars in andere Währungen umtauschen zu können.

Ich bin noch jung und auch ein Technik-Freak, aber in Bitcoins sehe ich aktuell eine dermaßen Verarschung der Menschheit ohnes gleichen. hier sind Zocker am Werk. Eigentlich sollte unsere Politik in dieser hinsicht mal aufwachen und die Bevölkerung vor solchen Schneeballprinzipien schützen, in der Art dass man REGIO Gelder gerne erstellen kann, aber diese müssen einen fixen Wechselkurs zum EUR haben und keine Fantasiewährung mit Kapitalzuwachs aus dem nichts.

Nur meinen Meinung....
Es werden sich noch sehr viele "gelehrte" und Professoren, die meinen sich mit der Finanzwelt auszukennen, wundern. Es ist das erste mal in der Neuzeit, dass keine Päbste, Rothschild`s oder Regierungen Ihre Finger im Spiel haben. Noch nicht. Es werden bestimmt Regierungen in kooperation mit Banken versuchen, dies in den Griff zu bekommen und für sich nutzen zu wollen. Ich glaube, wir sind nahe an einem Punkt (vielleicht sogar schon überschritten, Blase hin oder her), bei dem der Staat und die Banken oder besser gesagt mit Ihren Banken, zurück rudern müssen und anderen Playern das Feld überlassen sollten(!). Natürlich sind da die älteren Herren, die Ihren Sessel nicht freiwillig abgeben wollen. Aber Sie werden sich eingestehen müssen, dass andere Zeiten angebrochen sind. Welche Konsequenzen dies letztendlich für die globale Wirtschaft haben wird, bleibt abzuwarten. Eins ist sicher: Gewinner gibt es heute schon. Es sind diejenige, die genug von Banken haben, die Ihnen Ihr Geld stehlen und veruntreuen. Klar, jetzt kommt das Argument: was wäre die Welt ohne Banken usw.....die Zeit verändert sich, auch die Zeit ohne Banken wie wir Sie heute kennen, kommt. So wie man einst mit Fellen und Beeren handelte, danach mit Pfeffer, mit geprägten Münzen, mit Gold usw, so ist die Zeit des Internets gekommen und somit die Blockchain, das Internet 2.0. Wie ich schon sagte: die Zeiten ändern sich...

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