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Zukunft Bankensektor: Innovationen fressen Jobs auf

13.09.2017, 10:15  |  7592   |   |   

Vikram Pandit, der die Citigroup durch die Finanzkrise führte, sagte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Bloomberg, dass die technischen Innovationen in den nächsten fünf Jahren circa 30 Prozent der Jobs im Bankensektor vernichten könnten.

Der heutige Vorsitzende und CEO des New Yorker Investmentshauses Orogen Group sieht ein düstere Zukunft für die klassischen Jobs im Bankensektor, denn KI (Künstliche Intelligenz) und Roboter werden die Notwendigkeit von Büroangestellten reduzieren. All diese technischen Innovationen machen die Prozesse wesentlich einfacher und werden den Büroapparat grundlegend ändern. Bereits im März 2016 hieß es, dass durch Automatisierungen circa 30 Prozent der Arbeitsplätze zwischen 2015 und 2025 wegfallen könnten. Damit stünden 700.000 Vollzeitjobs in den USA auf der Kippe, während es in Europa gar eine Million Angestellte treffen könnte. 

Quelle: Bloomberg.

Pandit prognostiziert für den Bankensektor, dass es zukünftig um eine wesentlich größere Wettbewerbsfähigkeit gehen wird. Zudem werden spezialisierte Anbieter einige Funktionen abdecken und der ganze Automatisierungsprozess Konsolidierungen im Bankensektor nach sich ziehen wird. Pandit sagte: "Ich sehe einen Bankensektor, der sich von großen Institutionen zu eher kleinen dezentralisierten Unternehmen verwandeln wird". 

Die Beobachtung von Vikram Pandit sind nicht neu. Immerhin hat z.B. die Deutsche Bank bereits vor Jahren damit begonnen, Jobs nach Mumbai, Bengaluru und Manila zu verschieben. Dort arbeiten die Controller in hochsicheren Banken-Fabriken. Zudem arbeitet man bei der Deutschen Bank u.a. an dem Datenbankprojekt Stride, um künftig Jobs leichter zu automatisieren, wie das Manager Magazin berichtete.

In der Fachwelt hat sich der Begriff Robotics Process Automation, kurz RPA, durchgesetzt. Bis 2019 wollen neun von zehn Geldinstitute in Deutschland so viele Abläufe wie möglich standardisieren, damit sie von Algorithmen übernommen werden können. Fast jede dritte Bank wird neue Outsourcing-Maßnahmen im Zahlungsverkehr ergreifen und jedes sechste Geldinstitut plant, Teile des Wertpapiergeschäfts von externen Spezialisten erledigen zu lassen, wie Institutional Money berichtete. 

Bei der Tragobank wurde der Chatbot "Lena" eingeführt. Im Jahr 2016 erledigte dieses Tool circa 120.000 Kundenanfragen. Auch im Bereich Pfändung können Prozesse automatisiert werden, was innerhalb der Sparkassen-Organisation sehr erfolgreich umgesetzt wurde, wie die Börsen-Zeitung berichtete.  

Womit der Verbraucher in Deutschland jedoch noch zögert, ist die automatisierte Geldanlage. In diesem Bereich hört das Vertrauen zur Technik eindeutig auf. Aus diesem Grund sind die Bankhäuser mit Kombinationen aus Mensch und Roboter auf Sensibilierungskurs.  

Stephan Dörner von der Welt fragte: Was passiert, wenn alles zur App wird? Ein einfaches Beispiel veranschaulicht das Problem, denn fällt die Produktion von Schlüssseln weg, weil wir Türen mit einer App öffnen können, dann wird auch die Herstellung der Maschinen überflüssig und die Logistik. Der US-Wirtschaftshistoriker John Komlos soll gesagt haben, dass durch die Digitalisierung Jobs in einem Ausmaß überflüssig werden, die durch neue Berufsfelder nicht in gleichem Umfang ausgeglichen werden können, so Dörner in der Welt. Laut einer Studie könnten 47 Prozent der Arbeitsplätze in den USA durch die Automatisierung gefährdet sein ("The Future of Employment: How Susceptible are Jobs to Computerisation?").

Bislang lautete die Faustformel: Je höher das aktuelle Gehalt und je mehr Ausbildung der Beruf erfordert, desto geringer sind die Chacen einer schnellen Automatisierung. Diese wunderbare Regel könnte im Bankensektor obsolet werden, denn die großen US-Banken arbeiten daran, dass beispielweise die aufwendigen Börsengänge zukünftig zum Großteil von Computerprogrammen abgewickelt werden können, siehe hier.   

 

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