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Digitalisierung EU: Sterben der Bankfilialen hält an

15.09.2017, 09:38  |  4606   |   |   

Laut eines kürzlich veröffentlichen Reports des Europäischen Bankenverbands (EBF) wurden 2016 EU-weit rund 9100 Bankfilialen geschlossen. Dabei gingen circa 50.000 Arbeitsplätze verloren. Gründe für den Rückgang sind einerseits das anhaltende Niedrigzins-Umfeld, das Geldhäuser zum Sparen zwingt, anderseits ist der Trend hin zum Online-Banking ungebrochen.

Man kennt sie vielleicht aus Entwicklungs- und Schwellenländern, seit einigen Jahren sieht man sie jedoch auch in den strukturschwachen und ländlichen Regionen Deutschlands: mobile Geldautomaten und Bankfilialen. Die rollenden Bankschalter sind die Antwort von Sparkassen und Volksbanken auf das seit Jahren anhaltende massive Sterben der Filialbanken.

So wurden seit 2008 in der gesamten EU über 48.000 Bankfilialen geschlossen, was einer Abnahme von 20 Prozent entspricht. Auch die Anzahl der Angestellten im Bankensektor hat seit 2008 deutlich abgenommen: Waren 2008 EU-weit noch über 3,2 Millionen Menschen in einem Finanzinstitut angestellt, waren es 2016 nur noch 2,8 Millionen. Folglich wurden in der EU innerhalb von nicht einmal zehn Jahren über 400.000 Stellen im Finanzsektor gestrichen.

Auch die Anzahl der Kreditinstitute nimmt seit 2008 kontinuierlich ab: Gab es 2008 in der gesamten EU noch über 8.400 Banken, waren es 2016 weniger als 6.600. Laut eines kürzlich veröffentlichten Artikels der FAZ lässt sich die Abnahme von Bankhäusern zu mindestens teilweise auch mit Fusionen erklären. Banken könnten durch Zusammenschlüsse Kosten sparen.

Auch der deutsche Bankenmarkt schrumpft laut dem Handelsblatt seit Jahren. 2016 ist die Anzahl der Geldinstitute in Deutschland um 72 auf 1.888 gesunken, was einem Rückgang von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auch das Filialnetz der deutschen Banken wird immer dünner. 2016 war eine Abnahme von 5,9 Prozent zu verzeichnen. Der Trend wird sich wohl auch weiter fortsetzen. So geht die Beratungsgesellschaft Investors Marketing davon aus, dass sich die Zahl der Bankfilialen von derzeit rund 32.000 bis 2025 auf 20.000 verringern wird.

Gleichzeitig investieren Banken immer mehr in die Digitalisierung. Zu Recht, denn mehr und mehr Menschen in der EU nutzen das Online Banking. 2016 waren es bereits 50 Prozent. Leidtragende dieser Entwicklung werden Senioren und Technikmuffel sein.

Die wichtigsten Ergebnisse des EBF-Reports finden Sie HIER

Quellen:
EBF: "Structure and economic contribution of the banking sector".
FAZ: "Mehr als 9000 Bank-Filialen 2016 in der EU geschlossen"
Handelsblatt: "Das große Bankensterben"

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Kommentare

Und die verbliebenen Banker bekommen immer höhere Umsatzvorgaben, Jahr für Jahr.

Zumindest im Bezug auf die Sparkassen in BW und Bayern weiß ich das aus erster Hand.

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