Strategie der Antikapitalisten Marktwirtschaft - ein Begriff wird usurpiert

Gastautor: Rainer Zitelmann
15.09.2017, 13:42  |  1675   |   |   

Heute sind scheinbar ALLE für die Marktwirtschaft, Sarah Wagenknecht und Cem Özdemir eingeschlossen. Die Gegner der Marktwirtschaft haben den Begriff usurpiert, ich spreche daher lieber vom Kapitalismus.

Sarah Wagenknecht spricht viel von Marktwirtschaft und zitiert sogar gerne Ludwig Erhard. Auch Cem Özdemir gibt sich als überzeugter Marktwirtschaftler. Anscheinend gibt es inzwischen - außer MLPD und DKP - niemanden mehr in Deutschland, der dagegen ist. Wirklich? Lippenbekenntnisse zur Marktwirtschaft sind ebenso wenig allein ein Beleg dafür, dass jemand ein überzeugter Marktwirtschaftler ist wie Lippenbekenntnisse zur Demokratie ein Beleg für demokratische Gesinnung sind. Sogar entschiedene Antidemokraten nannten ihr System "demokratisch". Die DDR steht bekanntlich für Deutsche Demokratische Republik und Nordkorea nennt sich Demokratische Volksrepublik Korea. Und NPD steht für Nationaldemokratische Partei Deutschlands. Alles Demokraten? Schöne Etikette und Mogelpackungen sollen über den unappetitlichen Inhalt täuschen.

Newspeak
Thomas Piketty, dessen 2013 erschienenes Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert" weltweit ein enormer Erfolg war und trotz all seiner gravierenden Fehler zur Bibel der antikapitalistischen Intellektuellen wurde, betont mehrfach, er sei kein Antikapitalist, ja, er sei "immun gegen die herkömmlichen und wohlfeilen antikapitalistischen Diskurse". Tatsächlich haben seine radikalen Vorstellungen zur Umverteilung des Vermögens durch exorbitant hohe Einkommens- und Vermögenssteuer für die Bezieher hoher Einkommen und große Vermögen mit einem marktwirtschaftlichen System nichts mehr zu tun.

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein System zu bekämpfen: Die eine ist es, die Begriffe des Gegners zu diskreditieren, die andere besteht darin, die Begriffe des Gegners zu usurpieren. Letztere Methode hat George Orwell in seinem Roman "1984" beschrieben, in dem der totalitäre Staat mit "Newspeak" eine Sprache entwickelte, in der Begriffen ihre ursprüngliche Bedeutung genommen wurde. So wie die Anhänger des Kapitalismus in China den Begriff "Sozialismus" usurpiert haben und Lippenbekenntnisse zum Marxismus ablegen, so haben die Gegner des Kapitalismus in westlichen Ländern den Begriff der "Marktwirtschaft" usurpiert und umgedeutet. Es scheint paradox: Die chinesischen Kapitalisten nennen sich Sozialisten und Sozialisten wie Sarah Wagenknecht nennen sich Marktwirtschaftler. Menschen, die inhaltlich wirklich für Marktwirtschaft eintreten, werden von den Pseudo-Marktwirtschaftlern als "Marktradikale" diffamiert und damit in die Nähe von Verfassungsfeinden gerückt.

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