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Hoffnung auf Zinsen Wunsch oder bald Wirklichkeit?

Gastautor: Uwe Eilers
18.09.2017, 09:46  |  1681   |   |   

Fast Fünf Prozent Rendite für zehnjährige Bundesanleihen und sieben Prozent für Unternehmensanleihen mit langen Laufzeiten. Das war noch Mitte 2008 Realität. Seitdem kennen die Renditen nur eine Richtung: nach unten!

Fast Fünf Prozent Rendite für zehnjährige Bundesanleihen und sieben Prozent für Unternehmensanleihen mit langen Laufzeiten. Das war noch Mitte 2008 Realität. Seitdem kennen die Renditen nur eine Richtung: nach unten! Den Tiefpunkt haben wir bei den zehnjährigen Bundesanleihen mit minus 0,2 Prozent Mitte 2016 gesehen.

Die Gründe für die niedrigen Zinsen sind vielfältig:
Die Ängste in Aktien zu investieren sind nach dem Crash in 2008/ 09 immer noch vorherrschend. Auch wenn man argumentieren kann, dass es ja einen deutlichen Anstieg gab. Trotzdem war der Anstieg primär ein Abbild der Gewinnsteigerungen von den Aktiengesellschaften. Die Aktien-Angst drängt die meisten Anleger in vermeintlich sichere Anlagen, also der Anleihen.

Hauptgrund für die niedrigen Zinsen ist allerdings die in der Vergangenheit nicht für möglich gehaltene Marktmanipulation durch die Notenbanken, in Europa durch die EZB. Nicht nur dass der Einlagesatz auf vor Jahren undenkbare minus 0,4 Prozent gesenkt wurde. Vielmehr kauft die EZB seit März 2015 Anleihen monatlich im Wert von rund 60 Milliarden Euro. Folge war die Austrocknung des Markts für Staatsanleihen.

Um den Hunger auf Anleihen zu stillen, werden nunmehr auch Unternehmensanleihen gekauft, was auch dieses Marktsegment austrocknen lässt. Normale Anleger finden kaum noch Anlagemöglichkeiten, in dem die Verzinsung die Bonitätsrisiken deckt, geschweige denn noch die Inflationsraten ausgleicht.

Begründet wurde das Handeln der EZB immer wieder mit der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche Europas und der damit verbundenen zu niedrigen Inflationsrate. Einige Notenbanker sahen gar das böse Gespenst der Deflation.

Seitdem sich nun die Inflationsrate im EU-Raum und erst recht in Deutschland in Richtung der von der EZB vorgegebenen Zielmarke von zwei Prozent bewegt, keimte bereits mehrfach Hoffnung auf Zinserhöhungen auf. Draghi schaffte es allerdings seither immer mit klaren Aussagen, diese Hoffnungen und Wünsche schnellstens zunichte zu machen.

Liebe Sparer, es gibt tatsächlich Hoffnung. Nur: es kann noch Jahre dauern, bis wieder ein positiver Realzins erreicht wird.

Aufgrund der wirtschaftlichen Erholung, auch in den gebeutelten südeuropäischen Ländern, könnte in der EZB-Sitzung im Oktober beschlossen werden, dass die Anleihekäufe nach und nach reduziert werden. Man könnte meinen, dass dies bereits die Zinsen steigen lassen würde. Dies ist allerdings mitnichten der Fall. Selbst wenn es keine Netto-Anleihekäufe im Laufe des Jahres 2018 mehr gäbe, würden auslaufende Anleihen noch durch Neukäufe den Gesamtbestand der EZB stabil halten.

Sofern die wirtschaftliche Lage positiv bleibt, könnte möglicherweise in 2019 in langsamen Schritten eine Zinserhöhung denkbar sein. Das bedeutet, dass frühestens im Jahr 2020 damit zu rechnen ist, dass die Zinsen die Inflationsrate wieder ausgleichen könnten.

Um keine Risiken von Kursverlusten einzugehen, kann der Anleger, bzw. die Anlegerin das Geld auf ein Bankkonto parken und die negative Realverzinsung von etwa zwei Prozent im Jahr in Kauf nehmen. Alternativ kann man auch in die mittlerweile vielerorts völlig überteuerten Immobilien investieren.

Die sinnvollste Möglichkeit sollte jedoch eine Partizipation an der sehr guten wirtschaftlichen Entwicklung vieler Unternehmen sein. Mindestens ein Teil der anzulegenden Gelder sollte man ruhig in die Aktienmärkte investieren, wenn möglich diversifiziert in verschiedene Branchen, Regionen und Ländern. Im Übrigen bietet sich die Anlage in gut gemanagte Mischfonds an, die mit relativ geringen Schwankungen in der Vergangenheit gute Renditen erwirtschaftet haben. So kann man bei überschaubarem Risiko gut schlafen und trotzdem mehr als die Inflationsrate erzielen.

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