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Site Visit Report - Red Pine Exploration Wawa: Wenn in der Gold Street wieder die Lichter angehen

Gastautor: Kai Hoffmann
25.09.2017, 09:55  |  842   |   |   

von Tarik Dede

In der vergangenen Woche waren wir für Sie in Kanada unterwegs, um das Wawa-Goldprojekt von Red Pine Exploration (TSX.V: RPX, WKN: A14S32) direkt vor Ort in Augenschein zu nehmen. Ein Rohstoffprojekt kann man erst dann wirklich beurteilen, wenn man es selbst gesehen und begutachtet hat. Erst dann kann man die vielen kleinen Hindernisse erkennen, die es auf dem Weg zu einem möglichen Minenbau zu überwinden hat.

Traditionelle Mining-Region

Das Team vom Investor Magazin macht sich von der Grenzstadt Sault Ste. Marie auf dem Weg nach Norden entlang des Oberen Sees nach Wawa. Das 3.000-Seelennest liegt unweit des Sees etwa 250 Kilometer nördlich von der US-Grenze ganz im Westen Ontarios. Wer jetzt denkt, hier könnte es hohe Infrastrukturkosten geben, täuscht sich. Wawa ist über den Trans-Canada-Highway mit Sault Ste. Marie verbunden, zudem gibt es eine Eisenbahnverbindung und Energie vor Ort. Die grundsätzliche Infrastruktur ist also vorhanden. Und das hat seinen Grund: Rund um die Stadt im Umkreis von etwa 200 Kilometern gibt es etliche bereits in Produktion befindliche Goldminen. Um das Jahr 1890 herum gab es hier sogar einen echten Goldrausch, den Wawa Goldrush. Insofern befindet man sich hier in einer historischen Mining-Region. Dazu gehört übrigens auch Renable, die allererste Mine vom heutigen Milliardenkonzern Barrick Gold, der bis heute auch noch der Eigentümer ist. Aber das hat wohl eher sentimentale Gründe, gefördert wird dort schon lange nichts mehr.

Red Pines Wawa Projekt liegt südwestlich der Stadt und umfasst eine Fläche von 5.568 Hektar. Auf dem Gelände gab es über die vergangenen 125 Jahre acht produzierende Minen, die zusammen rund 120.000 Unzen aus dem Boden holten. Manche waren klein und förderten nur wenige Unzen zu Tage. Andere wie Parkhill oder Jubilee kamen auf eine respektable Förderung von 54.298 bzw. 36.178 Unzen.

Historisch hohe Goldgrade

Allen gemein sind die hohen Goldgrade: Der schlechteste Wert liegt bei 3,12 g/t Gold (Surluga-Mine), die beste Mine kam auf durchschnittlich 72,99 g/t Gold (Mariposa). Das Team um Red Pines Vorstandschef Quentin Yarie findet hier beste Bedingungen vor. Denn es liegen erhebliche Mengen an historische Daten vor, die Aufschluss über den Verlauf der Gold-Mineralisierung geben. Die Produktion auf dem Gelände ist übrigens ein Spiegelbild der kanadischen Geschichte. So wurde die Förderung Anfang des Zweiten Weltkriegs komplett eingestellt. Kanada brauchte Eisen für die Stahlproduktion in Sault Ste. Marie, um Waffen für die eigenen und alliierten Truppen zu produzieren. Der Goldabbau kam völlig zum Erliegen. Später scheiterte die Produktion schlicht an der Wirtschaftlichkeit. Ende der 1990er Jahre erlebte der Goldpreis nämlich eine Talfahrt sondergleichen. Bei einem Preis von 250 US-Dollar je Unze ließ man den Spaten fallen.

Alte Daten zeigen Verlauf der Gold-Mineralisierung

Heute ist das Projekt für die beiden Eigentümer - Red Pine hält 60%, die restlichen Anteile liegen bei dem Investor Citabar LLP - Gold wert. Denn man kann auf der Arbeit der vielen Vorgänger aufbauen. Bereits seit 2014 unternimmt Red Pine eigene Bohrungen. Aktuell ist man mit zwei Bohrgeräten auf dem Projekt aktiv. Wir konnten die Arbeiten sowie etliche Bohrkerne selbst unter Augenschein nehmen. Sie sind Teil des aktuellen, insgesamt 20.000 Meter umfassenden Bohrprogramms. Im Moment liegt der Fokus auf der Minto Mine South Zone, eine von gleich acht goldtragende Goldzonen, die das Projekt durchziehen.

Gute Ergebnisse aus Borhprogramm!

Die jüngsten Resultate haben auch uns überzeugt: So kam man in Bohrloch SD-17-89 auf 8,55 g/T Gold über 3,47 Meter. Auch viele weitere Bohrungen zeigten gute Goldwerte und oft sogar sichtbares Gold. So wies im nördlichen Abschnitt der Surluga-Zone ein Bohrloch 14,66 g/t Gold über 15,23 Meter auf. Zum Vergleich: mit moderner Technik können Goldminen im besten Fall schon ab Graden von 0,5 g/t Gold wirtschaftlich betrieben werden. In Fall Wawa beginnt die Mineralisierung vielerorts an der Oberfläche, die Förderung im Tagebau ist also durchaus denkbar. Das spricht zudem für geringe Betriebskosten. 

Für die Red Pine-Geologen unter der Leitung des Franco-Kanadiers Jean-Francois Montreuil ergeben sich die Bohrziele aber nicht nur aus dem historischen Schatz an Daten. Denn die Geologie im Wawa Goldprojekt ähnelt der anderer Minen in Ontario, wie beispielsweise Rainy River von New Gold oder Detour Golds Detour Lake Mine. Auch deshalb scheint das technische Team bereits ein gutes Bild von der Geologie im Untergrund zu haben. Diesen Eindruck konnten wir jedenfalls gewinnen.

Ziel: Ressource von 3 Mio. Unzen

Bereits jetzt liegt eine Ressource für das Wawa Goldprojekt nach dem anerkannten kanadischen Börsenstandard NI 43-101 vor. Sie umfasst 1,088 Mio. Unzen bei durchschnittlich 1,71 g/t Gold im inferred Status. Inferred bedeutet, dass die Ressource aus den bisher vorliegenden Daten abgeleitet wurde. CEO Yarie will diese Ressource noch erweitern. Der Kanadier mit polnischen Wurzeln ist selbst Geologe und setzt darauf, dass die Ressource vergrößert und später dann zu einer Reserve werden kann. Das nächste Ziel sei die Vorlage eines Reports mit einer Ressource von mehr als 3 Mio. Unzen. Spätestens dann wird das Wawa Projekt für mittlere und große Goldkonzerne interessant.

Der Markt ist wie leergefegt!

Denn die sind auf der Jagd nach großen Vorkommen. Aktuell gibt es kaum shovel ready-Projekte auf dem Markt. Das sind Vorkommen, die direkt vor dem Minenbau stehen. Kein Geheimnis macht Yarie daraus, dass die Konkurrenz schon öfter auf dem Projekt zu Besuch war, Namen nennt er aber nicht. Bekannt ist aber, dass beispielsweise Teile des technischen Teams von Detour Gold schon auf dem Projekt vor der Übernahme durch Red Pine gearbeitet haben. Detour hat also Informationen aus erster Hand.

Die Konkurrenz zeigt Interesse

Auf unserer Rückreise stoppten wir in Toronto und konnten dort in Gesprächen mit Brancheninsidern erfahren, dass sich nahezu alle in der Umgebung produzierenden Bergbauunternehmen mit dem Wawa Goldprojekt befassen. Im direkten Umfeld arbeiten unter anderem Wesdome (Mishi-Mine), Barrick (Hemlo), Richmont Mines (Island Gold) oder auch Goldcorp (Borden Gold). Unsere kanadischen Kontakte gehen davon aus, dass Detour und Richmont größtes Interesse an Red Pine haben und somit erste Kandidaten für eine Übernahme sind. Detour soll sogar schon Interesse an einer direkten Beteiligung geäußert haben. Das Unternehmen könne sich vorstellen, dem Partner Citabar Anteile abzukaufen. Von 15% sei hierbei die Rede. So hätte man einen Fuß in der Tür. Die Nähe zu anderen Minen ist übrigens in der logistisch anspruchsvollen Bergbaubranche ein großer Vorteil, ermöglicht sie doch erhebliche Synergien, um die Förderkosten niedrig zu halten.

Jeder Cent wird zweimal umgedreht

Apropos Synergien! Auch die Gruppe von Geologen und Investoren um Quentin Yarie dreht jeden Cent zweimal um. So stehen dieselben Leute auch hinter MacDonald Mines (TSX.V: BMK; WKN: A2DG48), dass nur rund 20 Minuten entfernt am Wawa-Holdsworth-Projekt arbeitet. So wird das technische Team quasi immer wieder ausgeliehen, um auch für MacDonald Arbeiten durchzuführen. So können Leerlaufzeiten, die es bei Explorationsprojekten immer wieder gibt, sinnvoll und kostengünstig überbrückt werden. Red Pine fungiert dabei als ausleihende Gesellschaft und erhält für die Tätigkeiten der Mitarbeiter bei MacDonald Mines die Kosten ohne Aufschlag erstattet. Diese Struktur gibt es selten bei Explorationsprojekten, unterstreicht aber das planvolle und systematische Vorgehen der Personen hinter den beiden Gesellschaften. Das sehen wir als weiteren Pluspunkt!

First Nations wollen ihren Anteil

In Kanada stellt sich aber immer auch die Frage nach den Ureinwohnern, die sich hier First Nations nennen. Auch Red Pine muss sich mit einer Gruppe auseinandersetzen. Deren Häuptling ist aber nicht von gestern: der Chief ist eine Frau und hat einen MBA. Insofern versteht sie etwas von dem wirtschaftlichen Sinn einer Minenunternehmung, kann aber auch hart verhandeln. Laut Yarie pflegt man ein gutes Verhältnis zueinander. An einer Kompensation kommt man aber nicht vorbei. Üblich sind Royalties (oft 0,5% bis 1,5%) oder Aktien. Im Falle von Red Pine läuft es wohl kapitalschonend auf Optionen hinaus.

Grundsätzlich dürfte es in dieser Gegend keine größeren Probleme bei einem späteren Genehmigungsprozess für den Minenbau geben. Die Bevölkerung in Wawa sehnt sich geradezu nach einer neuen Mine. Denn die vielen bereits produzierenden Bergwerke liegen zu weit weg, die Arbeiter leben in Camps statt in dem Ort. Sie sieht man meist nur am Wochenende! Die einzige direkt am Ort liegende Eisenerzmine hat zudem vor einigen Jahren geschlossen. Insofern haben die Stadtoberen, Geschäftsleute und viele weitere Personen ein großes Interesse daran, dass in Wawa wieder Gold abgebaut wird. Dies äußerten einige Bewohner auch im Gespräch mit uns. Sollte dort wieder eine Mine arbeiten, dürfte auch das ein oder andere Hotel, das aktuell zum Verkauf steht, wieder die Pforten öffnen. Und auch die derzeit recht trostlose Gold Street sollte wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen können.

Finanzstarker Projektpartner

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Aktuell geht es um die Erweiterung der Ressource. Finanziell stehen genug Mittel zur Verfügung. Partner Citabar bei der letzten Finanzierung über 6 Mio. CAD entsprechend seines Anteils von 40% mitgezogen und weitere 4 Mio. CAD zugesteuert. Hinter Citabar steckt  ein kanadischer Pharmaunternehmer, der als Milliardär gilt. Oft wird ein Projekt mit einem weiteren JV-Partner bei Explorern als Nachteil gewertet. In diesem Fall ist die Finanzpower von Citabar als klarer Pluspunkt einzustufen. Auf der anderen Seite würden die Red Pine-Aktionäre aber nur 60% bei einem Verkauf erhalten.

Kapitalstruktur im Blick behalten

Bemängeln kann man die Kapitalstruktur von Red Pine. Aktuell sind bereits 264,15 Mio. Anteile ausstehend. Das sind ziemlich viele für einen kleinen Explorer und auf den ersten Blick spricht so etwas gegen ein Investment. Hinzu kommen noch 94,46 Mio. Warrants (Ausübungspreis bei 0,055 CAD bis 0,50 CAD) sowie 16,64 Mio. Optionen. Alles über 100 Mio. an ausstehenden Aktien ist eigentlich ein Graus. Erklären lässt sich die große Zahl der Anteile von insgesamt 375,25 Mio. in diesem Fall aber aus der Historie der Gesellschaft. Red Pine hat das Wawa Goldprojekt durch die Übernahme von Augustine Ventures im Februar 2017 erhalten. Dafür wurden insgesamt 100,67 Mio. Aktien und 49,58 Mio. Warrants ausgegeben. Fakt ist: die große Zahl an ausstehenden Anteilen könnte weniger gut informierte Anleger von einem Kauf abhalten.

Vieles spricht für eine Mine

Für ein Investment spricht das im Vergleich zu anderen Explorern geringere Risiko des Scheiterns. Hier konnte schließlich schon einmal wirtschaftlich Gold abgebaut werden. Auch die aktuellen Bohrungen liefern laufend gute Ergebnisse. Wir warten derzeit auf Analyseergebnisse der Bohrkerne, die wir persönlich unter die Lupe nehmen konnten. Zudem ist eine Übernahme, realistisch gesehen in zwei bis drei Jahren, bei den aktuellen Umfeldbedingungen nicht abwegig. Es gibt einfach zu wenig große Goldvorkommen in sicheren Jurisdiktionen wie Kanada.

Wie hoch könnten die Produktionskosten sein?

Wawa bietet einem potenziellen Aufkäufer mit den bisher bekannten acht Goldzonen jede Menge Produktionspotenzial. Noch dazu spielt der Goldpreis mit. Jüngst erst wurde die Marke von 1.300 US-Dollar genommen. Doch selbst bei 1.200 US-Dollar sollte sich hier nicht die Frage der Wirtschaftlichkeit stellen. Goldprojekte in Ontario mit einer vergleichbaren Geologie liegen bei den Kosten je Unze unter 800 US-Dollar.

Börsenwert noch niedrig?

Aktuell beträgt der Börsenwert etwa 30 Mio. CAD. Die Aktie dürfte aber in Bewegung kommen, wenn sich das Potenzial unter Investoren herumspricht. Das dürfte spätestens dann geschehen, wenn die neue Ressourcenschätzung vorliegt. Trotz vieler Pluspunkte und nur wenigen negativen Aspekten bleibt Red Pine ein Explorer, der hohe Chancen und genauso hohe Risiken bietet. Daher eignet sich der Wert nur für erfahrene Investoren mit Spekulationshunger!

Red Pine Exploration

 

 

 

Disclaimer: Red Pine Exploration hat einen Teil der Reisekosten getragen.

 

 

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