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Mifid II Wer soll das alles bezahlen?

Gastautor: Thomas Gräf
27.09.2017, 15:55  |  1313   |   |   

Wenn am 1. Januar die Richtlinie 2014/65/EU über Märkte für Finanzinstrumente, kurz Mifid II, in Kraft tritt, wird die Welt der Kapitalverwaltungsgesellschaften einen dramatischen Umbruch erfahren. Unter den Neuerungen, die die Verordnung mit sich bringt, wird das Investor Protection Framework die Branche vor die größten Herausforderungen stellen.

Dabei ist der Umstand, dass die Kosten fürs Research Dritter in Zukunft von den Fondshäusern aufgeschlüsselt werden müssen, ein möglicher Lackmustest für die Assetmanager. Fakt ist: Research darf nicht mehr kostenlos angeboten (angenommen) werden. Frage ist: Wer soll dafür bezahlen? Und wenn ja: Wieviel? An dieser Front brennt seit Monaten die Diskussion und jeder Anbieter hat dazu eine eigene Meinung. 

 Aktuell warnt die französische Fondsgesellschaft Carmignac, die Qualität des Research werde darunter leiden, wenn die Anbieter die Kosten dafür intern absorbieren müssten. Das werde die europäischen Assetmanager insgesamt benachteiligen.

Um die langwierigen Verhandlungen etwas abzukürzen, haben die Big Player BlackRock, Vanguard und JPMorgan bereits angekündigt, die Kosten für Research selbst zu tragen. Dieser Linie mag man sich bei Edouard Carmignac jedoch nicht anschließen und wird wohl eher den Kunden die Rechnung überreichen. Das, so ließ ein Sprecher von Carmignac am Mittwoch verlauten, brächte eine Reihe von Vorteilen – einschließlich einer höheren Kostentransparenz für den Investor. Bei Carmignac fürchtet man, dass die Internalisierung der Kosten für Research dazu führen werde, dass europäische Assetmanager ihre Budgets für Research kürzen müssten – und dass in der Folge die Investmentbanken die Beobachtung einzelner Unternehmen ganz einstellen könnten.

Investmentbanken als Research-Provider und Assetmanager als Abnehmer stehen seit Monaten in Verhandlungen, was Research überhaupt kosten soll. Einige Fondsanbieter, darunter Schroders und Janus Henderson, haben ihre Entscheidung, die Kosten den Investoren aufzuschlüsseln und in Rechnung zu stellen, mittlerweile revidiert. Auch Amundi will seinen Kunden nun keine Rechnung mehr stellen – ebenso wie Canada Life, Fisch Asset Management, Barings, Union Investment, HSBC und SVM.

Auf der Seite der Fondsgesellschaften, die ab Januar die Kosten weiterreichen wollen, befindet sich neben Carmignac auch die deutsche Deka. Hier soll die Höchstgrenze zwischen 0,10 und 0,20 Prozentpunkten des jeweiligen Fondsolumens liegen.

Ein Ergebnis der Verhandlungen zwischen Banken und Assetmanagern ist bereits klar: Die Preise für Research fallen dramatisch. Kostete ein Report vor sechs Monaten noch rund 200.000 Euro, so sind es nach Erkenntnissen der Financial Times mittlerweile nur noch 50.000 Euro. Und dem Vernehmen nach bietet JPMorgan Zugang zu seinem Aktienresearch bereits für 10.000 US$ an. Einige Banken, darunter Credit Suisse, die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria und NatWest denken sogar darüber nach, ihr Research komplett kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Das steht natürlich in völligem Widerspruch mit dem Sinn der Richtlinie 2014/65/EU und würde zudem die Existenz unabhängiger Research-Provider gefährden, die sich diesen Preiskampf nicht leisten können.

Chris Deavin, Vorsitzender des Europäischen Verbands unabhängiger Research Provider EuroIRP, geht deshalb davon aus, dass die europäischen Regulierungsbehörden die Bepreisung von Research im nächsten Jahr genau im Auge behalten – und gegebenenfalls einschreiten werden.

 

(TG)

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