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Dax-Vorstände Digitalisierung: So fit sind unsere Dax-Vorstände

28.09.2017, 10:52  |  6062   |   |   

Immer mehr Start-ups als auch etablierte Unternehmen möchten Verbraucher davon überzeugen, ihr Leben über eine App verwalten zu lassen. Banken setzen auf Robo-Advisor zur Geldanlage. Doch wie steht es mit der Digitalkompetenz unter den Dax-Vorständen?

Vorstände deutscher DAX- und MDAX-Unternehmen sind schlecht auf die digitale Transformation und die sich daraus ergebenden Herausforderungen in einem sich ändernden wirtschaftlichen Umfeld vorbereitet, so das Fazit einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Die Forscher, Prof. Dr. Julian Kawohl und Dr. Jochen Becker, kamen bei der Untersuchung von 80 Unternehmen mit insgesamt 411 Vorstandsmitgliedern zu der Erkenntnis, dass nicht einmal jeder zehnte Vorstand aus seinem vorherigen Job umfassende Digitalkompetenzen mitbringt. Zu den Leuchten auf dem Feld der Digitalisierungen gehören SAP-Vorstand Bill McDermott und Kim Hammonds von der Deutschen Bank.  

„Zweifellos haben die wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands bei der Besetzung der Vorstandsteams großen Nachholbedarf in Bezug auf Entrepreneurship, Gründergeist und Digitalerfahrung. Hier nachzusteuern wird eine der größten Herausforderungen in den kommenden Jahren sein“, sagte Prof. Dr. Kawohl. 

Die Studie fragte auch nach der Vorerfahrung mit eigenem Unternehmertum - z. B. in einem Familienunternehmen oder bei der Gründung eines Start-ups. Nur 25 Prozent der Vorstände verfügen über substantielle Erfahrungen in diesem Bereich. Das Ergebnis veranlasste Prof. Kawohl zu der Überlegung: „Wie sollen Vorstände, die vorher keine unternehmerischen Entscheidungen in Gründungs- oder Transformationsprozessen treffen mussten, dann als Vorstand in einem sich schnell verändernden wirtschaftlichen Umfeld riskante und gleichzeitig aussichtsreiche Prozesse anstoßen und durchsetzen“. Folglich kam Kawohl zu dem Zwischenergebnis: „Offensichtlich wird der unternehmerische Ansatz bei der Auswahl von Vorständen nicht hoch genug bewertet – etwa im Vergleich zu erfolgreichen Karrieren als angestellte Führungskraft“.

In der Zusamennschau ergab sich folgendes Bild:

Klarer Spitzenreiter bei der Gesamterfahrung in Bezug auf Digitalkompetenz im Topmanagement ist SAP. Den zweiten Platz teilen sich fünf Unternehmen: Adidas, Airbus, Beiersdorf, Deutsche Bank und Telekom. Dahinter folgen BASF und Hochtief. „Dass SAP hier in der Spitzengruppe liegt, überrascht angesichts der digitalen Grundausrichtung des Unternehmens wenig. Dass aber jenseits solcher Sonderfälle extrem wenige Vorstände zuvor entsprechende Positionen in einem Software- bzw. Technologieunternehmen inne hatten und damit geringe digitale Vorkenntnisse mitbringen, hat uns doch ziemlich erstaunt“, sagt Prof. Dr. Kawohl.

Die beiden Forscher leiteten aus dem Studienergebnis ab, dass „angesichts der Herausforderungen der neuen Technologien eine Verjüngung des Vorstandsteams und eine bessere Mischung der Altersstruktur sinnvoll ist“, so Kawohl. Aktuell beträgt das Durchschnittsalter 52,6 Jahre, wobei das jüngste Vorstandsteam von Zalando kommt, denn hier liegt das Durchschnittsalter bei 33,7 Jahren - Jahrgang 1980 oder jünger.  

Entgegen der ernüchternden Kompetenz in den Vorständen, kam der Digitalisierungsindex zu dem Ergebnis, dass fast drei Viertel (72 Prozent) der befragten Unternehmen die Digitalisierung für wichtig bis sehr wichtig halten. Besonders spannend ist, dass dem Thema mit steigender Unternehmensgröße eine höhere Bedeutung zugesprochen wird, siehe hier.

In der Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer: "Wirtschaft 4.0: Große Chancen, viel zu tun", kam man zu dem Fazit: "94 Prozent der Unternehmen antworten auf die Frage, ob die Digitalisierung ihre Geschäfts- und Arbeitsprozesse beeinflusst, mit Ja. Dabei sind alle Wirtschaftszweige in vergleichbarem Umfang betroffen. Zugleich setzen die Betriebe mehrheitlich in ihrer digitalen Entwicklung noch auf weitere erhebliche Potenziale". Hindernisse auf dem Weg zur Digitalisierung sind neue Rechtsfragen z. B. im Vertragsrecht, das Urheberrecht und den Datenschutz, ein unzureichender Breitbandanschluss und der höhere Investitionsbedarf, siehe hier.

Die Dax-Vorstände selbst verfügen über eher geringe Kenntnisse im Bereich der Digitalisierung. Gleichzeitig sehen die Unternehmen große Chancen bzw. Einflüsse durch die zunehmende Digitalisierung auf ihren Geschäftsbereich. Zudem gibt es technische Hindernisse. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass ein Großteil der Unternehmen die IT und EDV durch externe Dienstleister verwalten lassen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sind auf externe Unternehmen angewiesen, da eine eigene IT-Abteilung aus finanzieller Sicht nicht möglich ist, so Katja Bley und Christian Leyh. Aber auch große Konzerne investieren in IT-Start-ups, um von der Kompetenz zu profitieren und am Puls der Zeit zu bleiben.

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