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Intel schnappt NVIDIA den Kunden Tesla weg

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
29.09.2017, 08:15  |  406   |   |   

Ein Marktsegment, in dem viele Chiphersteller versuchen Geschäft zu machen, ist die Automobilindustrie.

Der Automobilmarkt ist inzwischen gereift, aber der Anteil an Computern in einem durchschnittlichen KFZ steigt weiter an, angetrieben durch immer leistungsfähigere Infotainmentsysteme im Fahrzeug und dem raschen Vorstoß zu immer mehr Automatisierung.

Von diesem Paradigmenwechsel profitiert der Grafik-Spezialist NVIDIA (WKN:918422), einer der bekanntesten Lieferanten von Tesla (WKN:A1CX3T). NVIDIA liefert derzeit unter anderem den Prozessor, der die Infotainmentsysteme in Teslas aktuellen Fahrzeugen steuert.

Das neu angekündigte Model 3 verfügt beispielsweise über einen 15 Zoll großes Touchscreen-Display, das nach Angaben des Unternehmens Karten und Navigationsmöglichkeiten umfasst.

In einem neuen Bericht von Bloomberg wird behauptet, Tesla würde das System von NVIDIA durch neue Chips von Intel (WKN:885681) ersetzen.

Warum der Wechsel?

Bloomberg erklärt nicht, warum sich Tesla dazu entschlossen hat, den Chiplieferanten zu wechseln, aber hier ist meine Vermutung.

Das Tegra-System von NVIDIA konzentrierte sich in der Vergangenheit auf die Entwicklung von Prozessoren für Smartphones, Tablet-PCs und Infotainmentsysteme für Autos.

Als NVIDIA jedoch den Markt für Smartphone- und Tablet-Anwendungen verließ, richtete das Unternehmen die Prozessorentwicklung auf Chips für selbstfahrende Autos. Die Schwerpunktlegung auf die Entwicklung dieser Chips für den Supercomputer Drive PX ermöglichte es NVIDIA, sich von den typischen Problemen mobiler Massengeräte wie Kostenprobleme und Leistungsengpässe zu befreien. Der kommende Tegra-Prozessor mit dem Codenamen Xavier enthält viele Prozessorkerne, einen großen Grafikprozessor sowie spezielle Beschleuniger für Computervision.

All diese Eigenschaften machen Xavier zu einer guten Möglichkeit, als Gehirn für selbstfahrende Autos zu dienen. Das erhöht aber wahrscheinlich die Kosten auf ein Niveau, das für ein relativ einfaches Infotainmentsystem einfach zu hoch sein könnte.

Intel hingegen baut weiterhin Chips für Infotainmentsysteme, die auf der kostengünstigen Atom-Architektur basieren. Da Intel relativ günstige Chips für Infotainment im Angebot hat, war es für Tesla wohl sinnvoll, jetzt auf Intel umzusteigen. Man hätte noch kurze Zeit bei NVIDIA bleiben können, bevor sich eine Investition in eine alternative Plattform aufgedrängt hätte.

Zusätzlich sind Teslas Model 3 und Model S die wohl wichtigsten und meistverkauften Autos von Tesla, die gleichzeitig auch mit WiFi und mobilen Datenverbindungen ausgestattet sind. NVIDIA hat nie eigene WiFi-Chips gebaut und vor Jahren die Entwicklung von Mobilfunkmodems aufgegeben.

Intel baut hingegen seine eigene WiFi- und Mobilfunkchips. Ich wäre nicht überrascht, wenn Intel neben den Atom-Prozessoren auch diese Komponenten anbieten würde. Das würde es Tesla ermöglichen, die Materialkosten zu reduzieren und damit die Marge pro Auto zu verbessern.

Die Auswirkungen auf Intel und NVIDIA

Da Tesla von nun an seine Chips von Intel beziehen wird, werden die Umsätze der Automobil-Sparte bei Intel steigen und bei NVIDIA zurückgehen.

Ich bezweifle jedoch, dass dieser Faktor groß genug sein wird, um die Sparte bei NVIDIA oder Intel stark zu beeinflussen.

Tatsächlich lieferte Tesla im Jahr 2016 76.230 Autos aus. Wenn wir annehmen, dass NVIDIA ungefähr 30 US-Dollar pro Auto erhalten hat – das ist wahrscheinlich eine großzügige Schätzung für nur einen einzelnen TegraProzessor für das Infotainmentsystem – dann haben wir ungefähr 2,3 Millionen US-Dollar an Jahresumsatz, der NVIDIA durch die Lappen geht. Ein ähnlicher Betrag könnte sich bei Intel beim Gewinn abzeichnen.

Um dies in Zusammenhang zu bringen, sehen wir uns das Geschäft von Intel mit dem Internet der Dinge an, zu dem aktuell die Infotainment-Umsätze gehören. Diese Sparte generierte im letzten Jahr knapp über 2,6 Milliarden US-Dollar Umsatz, bei NVIDIA machte sie im letzten Geschäftsjahr 487 Millionen US-Dollar aus.

Darüber hinaus stellte dieses Segment ein Geschäft dar, von dem beide Unternehmen noch andere Produkte verkaufen können, obwohl es für Intel weit weniger wichtig ist als für NVIDIA.

Die Auswirkungen auf beide Unternehmen sind nicht besonders groß und daher denke ich nicht, dass dies die Thesen der beiden Firmen grundlegend ändern wird.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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