DAX+0,06 % EUR/USD+0,18 % Gold+0,13 % Öl (Brent)-0,47 %

Start-up Spotify Börsengang: Top oder Flop?

02.10.2017, 13:21  |  26411   |   |   

Spotify plant laut Insidern seinen Börsengang für 2018 an der NYSE. Trotz kontinuierlicher Umsatzsteigerung, konnte der schwedische Musik-Streamingdienst bisher keinen Gewinn erwirtschaften. 2016 betrug der Verlust 600 Millionen Dollar. Der amerikanische Video-Streamingdienst Netflix hingegen macht seit Jahren Gewinne.

Laut dem Nachrichtensender ntv plant der Musik-Streamingdienst Spotify seinen Börsengang für 2018. Wegen der hohen Nachfrage nach Anteilscheinen auf dem Sekundärmarkt, wird der Wert des 2006 gegründeten Tech-Startups auf über 16 Milliarden Dollar geschätzt. Im Musik-Streamingmarkt gilt Spotify als Marktführer. Konkurrenten sind unter anderem Amazon Prime Music, Apple Music, TIDAL und Napster.

Spotify bietet seinen Nutzern gegen Bezahlung die Möglichkeit, Musik von großen Plattenfirmen über das Internet zu streamen. In der Version Spotify Free können Nutzer zufällig abgespielte Musik kostenlos hören, müssen hierfür jedoch Werbeunterbrechungen in Kauf nehmen. Insgesamt hat Spotify laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Fortune über 140 Millionen aktive Nutzer. Zuletzt konnte Spotify die Zahl der zahlenden Kunden auf über 60 Millionen erhöhen. Bei den zahlenden Abonnenten von Musik-Streamingdiensten ist Spotify, wie das folgende Diagramm zeigt, klarer Marktführer:


Quelle: statista.com

Der Umsatz des Unternehmens lag zuletzt bei 3,4 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Problematisch ist jedoch, dass Spotify laut ntv mehr als 80 Prozent seiner Einnahmen an Plattenfirmen und Künstler zahlen muss. Trotz des kräftigen Umsatzwachstums verzeichnete Spotify 2016 ein Rekordverlust von 600 Millionen Dollar. Gründe hierfür sind: Der globale Expansionskurs des Unternehmens sowie massive Investitionen in die Produktentwicklung. Seit 2008 hat das defizitäre Start-up zudem, trotz großer Umsatzsteigerungen, keinen Gewinn erwirtschaftet, wie das folgende Diagramm zeigt:


Quelle: Daten von statista.com

Bislang äußerte sich das Unternehmen zum Börsengang nicht. Bereits seit 2016 wird der Börsengang in den Medien diskutiert. Laut ntv strebt Spotify jedoch für das erste oder zweite Quartal 2018 den Börsengang an der größten Wertpapierbörse der Welt, der New York Stock Exchange (NYSE), an.

Durch die enormen Verluste könnte sich der Verdacht aufdrängen, dass der Börsengang primär zur Vermeidung eines Kapitalengpasses dient. So steckt Spotify laut der Nachrichtenseite Business Insider durch Beteiligungsverträge in der Klemme. Im März 2016 hatte Spotify eine Milliarde US-Dollar von Investoren erhalten. Die Bedingungen waren dabei: Fünf Prozent Rendite sowie ein Rabatt von 20 Prozent auf die Aktien, sobald der Börsengang erfolgt. Der Deal umfasste zudem die Klausel, dass die Rendite bei Verzögerung des Börsengangs alle sechs Monate um ein Prozent sowie der Rabatt je Aktie um weitere 2,5 Prozent erhöht wird.

Vergleicht man das Ergebnis von Spotify mit anderen Streamingdiensten, wie z. B. dem Video-Streamingdienst Netflix, sieht es für die Schweden ganz düster aus: So schreibt Netflix seit dem ersten Quartal 2009 bis zum zweiten Quartal 2017, bis auf eine Ausnahme, immer schwarze Zahlen. Im ersten Quartal 2017 wurde gar ein Rekordgewinn von über 178 Millionen Dollar erwirtschaftet. Gemittelt betrug der Gewinn rund 40 Millionen pro Quartal. Die genaue Gewinnentwicklung von Netflix zeigt das folgende Diagramm:


Quelle: Daten statisa.com

Vergleicht man die Zahlen von Netflix und Spotify, könnte sich der Eindruck aufdrängen, dass Musikstreaming als solches ein Verlustgeschäft ist. Dass Spotify nahezu alle verfügbaren Künstler und Stücke anbietet und dabei nur eine Abogebühr von rund zehn Euro im Monat verlangt, ist laut der Wirtschaftswoche eines der grundlegenden Probleme des Geschäftsmodells. Netflix hingegen bietet für den gleichen Preis nur ein begrenztes Angebot an und hat zudem noch selber produzierte Serien und Filme im Sortiment, wodurch es deutlich Kosten sparen kann. Dem Konsumenten scheint dies nicht zu stören, wie die Nutzerzahlen und das Betriebsergebnis von Netflix zeigen.

Ein großes Problem am Musikstreaming-Geschäft ist laut der Wirtschaftswoche zudem, dass der Musikmarkt von den drei Riesen: Universal, Sony und Warner, dominiert wird. Diese Quasi-Monopolisten können den Preis bestimmen und deshalb muss Spotify rund 70 Prozent seiner Einnahmen an die Giganten überweisen. Im Vergleich dazu, gibt es beim Video-Streaming eine Vielzahl an Videoproduzenten.

Fazit: Es bleibt spannend rund um Spotify. Ob der geplante Börsengang zum "Snapchat-Debakel" wird – der Kurs der Snap Inc Aktie hatte sich innerhalb von sechs Monaten halbierte –  wird die Zukunft zeigen. Eines ist sicher: Je später der Börsengang erfolgt, umso mehr verdienen die Gläubiger und umso geringer wird die Attraktivität der Aktie.

Quellen:
ntv: „Spotify soll 16 Milliarden Dollar wert sein“
fortune: „Spotify Is Likely to IPO at a $20 Billion Valuation“
statista: "Umsatz und Gewinn bzw. Verlust von Spotify in den Jahren 2008 bis 2016 (in Millionen Euro)"
statista: "Spotify knackt die 60-Millionen-Marke"
Business Insider: „Massive losses and a delayed IPO – here's how Spotify's headaches could spell trouble“
Wirtschaftswoche: "Warum Musikstreaming ein Verlustgeschäft ist"

 

 

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel