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Krass teuer Assetklasse Studentenapartment: Spielt die Politik den Investoren in die Hände?

02.10.2017, 11:23  |  5178   |   |   

In den vergangenen Jahren kam es still und heimlich in Deutschland dazu, dass ein Bachelor-Abschluss zur Mindestanforderung für einen guten Arbeitsplatz gehört. Darunter geht gar nichts. Somit strömen immer mehr junge Menschen an die Alma Mater - egal ob Spitzenuni oder Kleinstadt-FH. 

Nun kommt das große Dilemma für die Studenten, denn nach überfüllten Hörsälen, steigenden Studiengebühren und straffen Punktesystemen, kostet die Studentenbleibe in den großen Universitätsstädten im Vergleich zu 2010 um bis zu 70 Prozent mehr. Dies geht aus einem Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hervor, die der Funke Medien Gruppe vorliegt. 

Wo kostet die Studentenbude besonders viel? Alle wollen nach Berlin und somit wundert es kaum, dass in der Hauptstadt der stärkste prozentuale Anstieg des Nettomietpreises festgestellt wurde: um 70,2 Prozent. Die Miete ging von sechs auf elf Euro pro Quadratmeter. Auch im eher beschaulichen Stuttgart gingen die Mieten ordentlich durch die Decke. Sie legte um 62,2 Prozent zu - gefolgt von München mit 53,1 Prozent.   

„Die deutliche Steigerung ist nicht nur auf die generell zunehmende Verknappung von Wohnraum in begehrten Lagen zurückzuführen, sondern auch darauf, dass immer mehr Mietwohnungen möbliert angeboten werden, was die Preise zusätzlich in die Höhe treibt“, erläutert Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfeldes Finanz- und Immobilienmärkte im IW. In München werden 18,2 Prozent der Studentenapartments möbliert angeboten, wobei die Neuvertragsmiete für unmöblierte Apartments schon bei durchschnittlich 18,40 Euro je Quadratmeter liegt. „Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, dann werden Studenten in der bayrischen Landeshauptstadt bald mehr als 20 Euro für einen Quadratmeter Wohnraum bezahlen müssen“, heißt es in dem IW-Gutachten.

Laut dem "Wohnmarktreport Berlin 2017" beträgt die Kaltmiete für unmöblierte Wohnungen in Berlin-Mitte - rund ums Frankfurter Tor - elf bis zwölf Euro je Quadratmeter. Im Wohnobjekt "Neon Wood" zahlt man für ein möbliertes Studentenapartment mit 35 Quadratmetern 925 Euro im Monat. Dafür gibt es eine Top-Lage und bodentiefe Fenster. Zum Vergleich: Die Wohnheimplätze des Berliner Studierendenwerks kosten circa 220 Euro und die möblierten Miniapartments der landeseigenen Berlinovo 340 Euro. 

Der Grünen Stadtrat Florian Schmidt sagte gegenüber der B.Z.: „Leider wird die Not der Studenten von der Immobilienbranche ausgenutzt“. Die Schuld liegt aber zum Teil beim Berliner Senat, so ein Bericht der von der Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) beauftragt wurde. So seien Großprojekte, Hochhäuser oder neue Wohnungen auf Dächern und in Baulücken verhindert worden, unter anderem durch die Verschärfung von Vorschriften zum Baumschutz. 

Im vergangenen Jahr zogen 70.000 Menschen nach Berlin. Die Stadt bräuchte 194.000 zusätzliche Wohnungen bis 2030. 2016 wurden nur 14.000 Wohnungen gebaut. Aktuell heißt es, dass der Bundesfinanzminister Grundstücke zu Höchstpreisen an Spekulanten verkauft, anstatt an die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Noch vor wenigen Jahren waren Investitionen in Studentenapartments für die Immobilienwirtschaft kaum interessant. Jetzt ist es eine der wichtigsten Assetklassen. Dazu trägt auch die müde Bautätigkeit des Deutschen Studentenwerks bei. In der Studie "Wohnraum für Studierende, Statistische Übersicht 2016", sind für Berlin ganze 82 neue Wohnheimplätze in Planung - in der gleichen Studie von 2014 waren für Berlin noch keine im Bau befindlichen bzw. geplanten Studentenwohnheimplätze verzeichnet. In Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt baut das Deutsche Studentenwerk keine neuen Wohnheimplätze. In Hamburg sollen 394 Wohnheimplätze entstehen. Michael Voigtländer schlug vor, dass die Mietzeit in Studentenwohnheimen auf ein Jahr begrenzt werden soll, damit mehr Studenten die Chance auf ein günstiges Zimmer erhalten. Jedoch ist dieser Vorschlag fraglich, denn welchen Studienabschluss bekommt man in zwölf Monaten? Der schnelle Wechsel würde zu einer stärkeren Abnutzung führen und die noch vorhandenen Häuser bald schließen.

Somit ist eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt für Studenten eher unwahrscheinlich und die Assetklasse Studentenapartment wird an Attraktivität weiter zulegen - auch weil das Deutsche Studentenwerk zu wenige Wohnheimplätze schafft. Zudem sorgen Haushaltslücken bei Städten und Gemeinden dafür, dass Baugrundstücke an Investoren verkauft werden. Zukünftig werden Studenten noch mehr mit Berufspendler und Singles um kleine Wohnungen in guter Lage konkurrieren. 



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