DAX-1,25 % EUR/USD-0,69 % Gold+0,21 % Öl (Brent)+0,26 %

EZB Inflation reicht nicht für Trendumkehr

Gastautor: Dominik Weiss
04.10.2017, 11:28  |  622   |   |   

Weil die Eurozone erneut das Inflationsziel verfehlt, wird die EZB nach den Worten von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet vorerst ihrer geldpolitischen Linie treu bleiben.

Peter Praet, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, hat Erwartungen an eine baldige Abkehr von aktuellen Geldpolitik der Notenbank indirekt eine Absage erteilt. Wie der Ökonom am Montag in seiner Rede bei der MMF Monetary and Financial Policy Conference in London sagte, plant die EZB lediglich eine Neujustierung ihrer Maßnahmen. Da die Eurozone erneut das von der EZB angestrebte Inflationsziel von 2% nicht erreiche, werde das Finanzinstitut an seinen Maßnahmen festhalten.

Dazu werde die EZB aber nicht „mechanisch“ ihre Instrumente einsetzen, sondern sie dynamisch an die jeweilige Marktsituation anpassen, so der Belgier, der für den Herbst ein Überdenken der Politik in Aussicht stellte: „Die EZB wird alle Faktoren, die für die Geldpolitik relevant sind berücksichtigen und ihre Instrumente entsprechend rejustieren, um dem Markt die Impulse zu geben, die zur Erreichung des Inflationszieles nötig wären“, so Praet. 

Zu diesen Instrumenten zählen weiterhin das billionenschwere Anleihenkaufprogramm (Quantitative Easing) sowie die Festlegung der Leitzinsen. Momentan kauft die EZB monatlich Anleihen in Höhe von 60 Mrd. Euro. Allerdings nähert sie sich in einigen Fällen - bspw. in Deutschland - der länderspezifischen Obergrenze. Nach Angaben von Praet gibt es für die EZB zwei Stellschrauben: die Höhe und die Dauer der Anleihenkäufe. Beide richteten sich nach der Marktsituation. 

Der Wirtschaft geht es bestens - nur die Inflation bleibt zurück

Diese wiederum ist schwierig: Einerseits brummt die Wirtschaft in der Eurozone. Wie das Marktforschungsinstitut Markit Anfang Oktober mitteilte, befindet sich die Stimmung des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe auf einem Höchststand. Laut Markit-Chefökonom Chris Williams ist der derzeitige Wert von 58,1 nur ein einziges Mal in den vergangenen 17 Jahren übertroffen worden. Zudem liege er deutlich über der Marke von 50 Punkten, die nach Angaben des Hauses weiteres Wachstum indiziert. 
In die gleiche Richtung weist auch der ifo-Geschäftsklimaindex. Er korrigiert im September zwar ein wenig nach unten, sank von 115,9 Punkten im August auf zuletzt 115,2 Punkte, liegt aber immer noch deutlich über seinem langfristigen Mittelwert. Besonders das Baugewerbe verzeichnete hier einen neuen Rekordstand. 

Dennoch kommt andererseits die Preissteigerung nicht in Gang. Experten gehen daher davon aus, dass die EZB mindestens bis Jahresende am Quantitative Easing festhalten und lediglich periphere Änderungen in der Höhe vornehmen wird. 

 

(DW)

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer