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Ist Kite Pharma Gilead Sciences (zu teurer) Befreiungsschlag?

04.10.2017, 14:46  |  2877   |   |   
▸ Kissigs Kolumne vom 22. Mai 2017, Anlegermagazin 5/2017 

Gilead Sciences Inc. ist eine wahre Erfolgsgeschichte im Biotechsektor. Erst vor 30 Jahren gegründet, bringt das Unternehmen aus dem kalifornischen Foster City immerhin 110 Milliarden Dollar auf die Börsenwaagschale – und es waren vor zwei Jahren mit über 150 Milliarden Dollar schon einmal erheblich mehr. Dabei ist Gilead mit seinen eigenen ursprünglichen Produkten gar nicht so überragend erfolgreich gewesen, sondern setzte vor allem mit seiner gut überlegten und fokussierten Übernahmestrategie Ausrufezeichen. Vor allem auf die hochpreisigen medizinischen Bereiche HIV und Hepatitis konzentriert sich Gilead heute und ist hier mit einigen Blockbusterpräparaten sehr erfolgreich tätig, Doch auch für Atemwegs-, Herz- und Stoffwechselerkrankungen und für die Behandlung verschiedener Krebstherapien hat der Konzern inzwischen Medikamente im Portfolio und weitere in verschiedenen Phasen der klinischen Forschung. Mit derzeit schon mehr als 20 zugelassenen Präparaten und über 40 weiteren Wirkstoffkandidaten in der Erforschung ist aus dem einstigen Biotech-Startup längst ein Pharmakonzern geworden.


Hepatitis C
Gilead ist mit großem Vorsprung Weltmarktführer bei der Bekämpfung von Hepatitis C, einer Infektionskrankheit, die durch Bluttransfer übertragen wird. Diese Krankheit wird schnell chronisch und führt zu irreparablen Leberschäden. Es gibt bisher keine Impfung dagegen, aber die meisten Patienten können mit Medikamenten behandelt und geheilt werden. Neben den klassischen Risikogruppen, wie homosexuellen Männern und Drogensüchtigen, wächst eine andere Gruppe rasant an, denn auch bei den weiterhin voll im Trend liegenden Tätowierungen und Piercings kommt es zu Infektionen mit Hepatitis C.

Zur Hepatitis-C-Sparte von Gilead gehören unter anderem die Medikamente Sovaldi und Harvoni und damit hat man den Medikamentenmarkt dominiert. Dabei hatte man 2012 noch kaum Umsätze in diesem Bereich generiert und erst dank der Übernahme von Pharmasset im Jahre 2011 hat sich aus dieser Sparte bis heute ein 19-Milliarden-Dollar-Business entwickelt. Und das weckt natürlich Begehrlichkeiten bei anderen Herstellern und setzt Gilead zunehmend unter Druck, auf die man mit Preisabschlägen reagierte und so seine eigenen Margen erodierte. Und um die Bedeutung dieser beiden Produkte für Gilead zu verdeutlichen, muss man nur auf die Zahlen schauen: beide zusammen halfen Gilead in nur drei Jahren den Umsatz des Konzerns zu verdoppeln, und stehen für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes.

Doch insbesondere AbbVie treibt Gilead die Sorgenfalten auf die Stirn. Nachdem dessen älteres HCV-Medikament Viekira nicht so erfolgreich war wie erwartet, könnte das neue Präparat Maviret allerdings Gileads neuen HCV-Hoffnungsträger Epclusa massiv bedrohen. Und Epclusa ist momentan das Präparat, das am ehesten die sinkenden Umsätze von Sovaldi und Harvoni ausgleichen kann. So fielen Gileads Hepatitis-C-Umsätze im zweiten Quartal 2017 zwar um 27,5 Prozent im Jahresvergleich auf 2,9 Milliarden Dollar, jedoch verlangsamte sich der Schwund erheblich. Dank Epclusa. Insofern ist verständlich, dass AbbVies Maviret mit Argusaugen beobachtet wird. Doch Gilead gibt sich nicht geschlagen und setzt auf seine gut gefüllte Wirkstoffpipeline. Und am 18. Juli ließ die FDA die Hepatitis-C-Kombination Vosevi zu und auch das europäische Komitee für medizinische Produkte gab grünes Licht für das Medikament. Gilead selbst glaubt nun, den Niedergang seiner Hepatitis-C-Sparte gestoppt zu haben und hob nach Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal vor allem ihretwegen seinen Jahresausblick an.

HIV
Der andere Bereich, in dem Gilead sehr erfolgreich unterwegs ist, ist die Immunschwächekrankheit HIV. Mit seinen Medikamenten Atripla und Stribild ist Gilead hier gut positioniert und kann mit der Zulassung der beiden TAF-basierten HIV-Mittel Odefsey und Descovy weitere Erfolge vermelden. Odefsey kombiniert die Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofoviralafenamid von Gilead mit Rilpivirin, das von Janssen Sciences vermarktet wird. Darüber hinaus hat die Europäische Kommission die Vermarktung des HIV-Medikaments Truvada auch zur vorbeugenden Einnahme zugelassen. Diese verhindert HIV-Infektionen zuverlässig und wird in immer mehr Ländern Menschen mit hohem HIV-Risiko zur Verfügung gestellt. Die HIV-Prophylaxe ersetzt andere Schutzmöglichkeiten nicht, sondern bietet eine zusätzliche Option für Menschen, denen der Schutz mit Kondomen nicht immer gelingt.

Im zweiten Quartal konnten die Umsätze von Genvoya, Descovey und Odefsey die niedrigen Umsätze der älteren HIV-Medikamente Truvada, Atripla und Stribild mehr als ausgleichen und die HIV-Sparte generierte 3,6 Milliarden Dollar Umsatz oder einen Zuwachs von 16,1 Prozent im Jahresvergleich.

Und nun…?
So erfolgreich Gilead mit seinen beiden Hauptsparten HCV und HIV ist, das Unternehmen ist nicht unangreifbar. Da man sich nicht auf Massenprodukte verlegt hat, sondern auf extrem teure Spezialmedikamente mit entsprechend hohem Forschungsaufwand aber eben auch sehr hohen Margen, versuchen immer mehr Konkurrenten in diesen Markt vorzudringen und sich Anteile zu sichern. Bisher verstand es Gilead, diese Angriffe zu kontern und mit neuen Präparaten und Therapien sein Geschäft zu sichern. Doch dies geht teilweise auch zulasten der Margen und daher sind die hohen Wachstumsraten, an die man sich bei Gilead gewöhnt hatte, Vergangenheit. Der Aktienkurs und die optisch niedrige Bewertung tragen der Sorge um die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells Rechnung.
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