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Diese Blockchain-Aktie mit deutschen Wurzeln startet gerade durch

Gastautor: Armin Brack M.A.
07.10.2017, 20:35  |  22975   |   |   

Diese Blockchain-Aktie mit deutschen Wurzeln startet gerade durch

 

Bitcoin- und Blockchain-Firmen wagen nun den Sprung von den Kryptobörsen an die Aktienmärkte. Die Anleger sind elektrisiert. Die in Deutschlang gegründete HIVE Blockchain Technologies legte einen fulminanten Börsenstart aufs kanadische Parkett. Und HIVE ist mehr als nur HYPE. Trotzdem erinnert mich eine Entwicklung in der Branche fatal an den Internet-Hype Ende der 90er. Lesen Sie, welche und ob Sie HIVE, die seit Montag in Deutschland handelbar sind, jetzt noch kaufen sollten.

 

Kennen Sie noch U.S. Global Investors, die bisher auf Rohstoffe fokussierte börsennotierte Investmentgesellschaft mit dem griffigen Kürzel GROW? Wenn Sie schon länger an der Börse aktiv sind, vielleicht schon. Denken Sie mal so rund zehn Jahre zurück: Damals befanden wir uns inmitten des Rohstoff-Booms und Explorer aller Art gingen durch die Decke. Stürmische Nachfrage aus China hatte für Knappheitspreise gesorgt und GROW mit seinem exzentrischen Fondsmanager Frank Holmes tummelte sich mittendrin. Die Aktie stieg von rund einem US-Dollar im Jahr 2003 bis auf 35 US-Dollar in der Spitze!

 

Das Papier war unter Momentum-Tradern "all the rage". Am Hoch waren Anleger bereit einen gewaltigen Aufschlag auf den Net Asset Value, also den inneren Wert je Aktie, zu bezahlen. Sie waren davon ausgegangen, dass es Holmes weiter gelänge, die besten Explorer für sein Portfolio zu filtern.

 

Sie täuschten sich. Mit dem Ende des Rohstoff-Bullenmarktes setzte auch der tiefe Fall von U.S. Global Investors ein. Die Aktie gab nahezu sämtliche Gewinne ab und war Ende August diesen Jahres wieder bis auf 1,25 US-Dollar gefallen. Kaum jemand interessierte sich mehr für das Papier. Bis vor elf Tagen. Da meldete Holmes nämlich, sein Unternehmen habe ein strategisches Investment in HIVE Blockchain Technologies getätigt. HIVE wiederum ist zwar auch im Mining-Bereich unterwegs, schürft aber - Sie ahnen es wahrscheinlich angesichts des Namens - nicht Edelmetalle oder Rohstoffe sondern Kryptowährungen.

Nach ungefähr 15 Jahren Börsennotiz mit einem absoluten Fokus auf Rohstoffe fängt U.S. Global Investors nun also damit an, in ein Bitcoin- bzw. Blockchain-Unternehmen zu investieren -  worauf sich die dahin siechende Aktie prompt innerhalb weniger Tage in der Spitze fast verdoppelt hat:

WKN / Kürzel

Börsenwert

KGV 17e/18e

Kurs

580966 / GROW

32  Mio. $

Keine Schätzungen vorhanden

2,13  $

 

 

HIVE Blockchain Technologies seinerseits wiederum ist via Reverse Merger an die Börse gekommen. Das heißt, es gab kein offizielles IPO in dessen Rahmen institutionelle und private Anleger Aktien zeichnen konnten. Stattdessen wählte man quasi den Hintereingang der Börse, man schlüpfte in die leere Hülle eines börsennotierten Unternehmens: Pierre Enterprises (PRELF), ein ehemaliger Gold-Explorer. Da ist sie wieder die Verbindung: Noch ein Rohstoffunternehmen, das zu einem Blockchain-Wert wird.

 

Wenn Sie die Dot.com-Bubble auch schon mitgemacht haben erinnern Sie sich vielleicht daran, dass es damals ähnlich war. Da tauchten in der Spätphase des Booms auch reihenweise neue Internet-Sternchen auf - ich erinnere mich z.B. an Adultshop.com, einen Internet-Erotik-Shop, der 1999 durch einen Reverse Merger zwischen der Barbarellas-Gruppe und der Bergbaugesellschaft Western Minerals NL entstanden war. Für die Aktionäre endete das Ganze letztendlich in einem Totalverlust. 

 

Der Hintergrund dieser "Transformationen" liegt auf der Hand: Die Anleger können von der jeweiligen Boombranche gar nicht genug bekommen und lechzen nach Investitionsmöglichkeiten. Die Firmen ihrerseits erkennen diese Nachfrage und können selber leicht Kapital zur Wachstumsfinanzierung einsammeln (HIVE) oder sie springen auf den Zug auf (GROW), um dem eigenen Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen.

 

Im Bereich der Kryptowährungen kommt noch ein zusätzlicher Effekt dazu: Bisher gibt es kaum börsennotierte Unternehmen aus diesem Bereich. Die Krypto-Plays finanzieren sich im Moment via Initial Coin Offering, so genannten ICOs, die zwar den IPOs am Aktienmarkt nachempfunden sind. Anleger, die in diese Projekte (häufig sind es eben mehr "Projekte" als wirkliche "Unternehmen") investieren möchten, können dies aber nur über eine Kryptobörse tun. Viele scheuen aber den Aufwand bzw. trauen diesen neuartigen Börsen nicht so richtig über den Weg. Schließlich gab es in der Vergangenheit dort auch schon Hackerangriffe und Zwangsschließungen.

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