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Rohstoffe Edelmetalle und Edelsteine als Investment oder reine Spekulation?

Gastautor: Uwe Eilers
16.10.2017, 10:49  |  1210   |   |   

Gold, Silber, Platin und Diamanten werden immerwährend von Crash-und Untergangs- Propheten als das Heilmittel zur perfekten Anlageform gegen Geldentwertung hochstilisiert. Es seien wertbeständige Geldanlagen in einem „richtigen“ Sachwert, der niemals verblasst.

Und tatsächlich: Diamanten sind lupenrein und glitzern wunderschön – dies ewig, da sie eigentlich aufgrund der Härte nie kaputtgehen. Edelmetalle verblassen nicht! Gerade diese Merkmale üben seit Menschengedenken eine hohe Anziehungskraft aus. Vor allem weil diese Mineralien relativ selten auf der Erde vorkommen und dadurch eine gewisse Knappheit vorhanden ist, steigert den Reiz es besitzen zu wollen. Als Schmuckstück steht es den meisten Frauen wunderbar zu Gesicht - oder als Uhr dem Mann am Handgelenk. Eleganz und Erhabenheit spiegelt sich wider! Doch sind Edelmetalle und Diamanten auch als Wert- und Geldanlage sinnvoll?

Goldbarren und Edelsteine im Tresor sind sicherlich für das eigene Sicherheitsgefühl sehr schön und stellen ein Notgroschen für ganz miese Zeiten dar. In Krisenländern, wo eine Flucht immer eine Option ist, kann es sinnvoll sein, einen Teil des Vermögens darin aufzubewahren, damit im Notfall damit gezahlt werden kann. In West-und Mittel-Europa sowie auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent sieht die Situation dagegen glücklicherweise alles anders als kritisch aus.

Der Treibsatz für die Preisentwicklung der Edelmetalle und Edelsteine ist jeweils die physische Nachfrage. Dabei wird Silber und Platin nicht nur durch die Schmuckindustrie und Anleger nachgefragt, sondern vor allem durch die Industrie. Die größte physische Nachfrage nach Gold kommt seit geraumer Zeit primär aus Asien, allen voran aus Indien, die allein für rund 20 Prozent der weltweiten physischen Nachfrage stehen. Dort ist es als Schmuck nach wie vor sehr hoch im Kurs.

Zudem wird gerne Gold mit Schwarzgeld gekauft, um das Geld zu „waschen“. Leider werden auch Diamanten und andere Edelsteine gerne für Geldwäsche und Finanzierung krimineller Handlungen genutzt. Bekannt wurde in dem Zusammenhang der Ausdruck „Blut-Diamanten“.

Im Gegensatz zu Edelmetallen, deren Wert aufgrund eines Marktpreises leicht im Wert zu bestimmen ist, hängt der Wert von Edelsteinen sehr stark von der individuellen Beschaffenheit ab. Deshalb sind diese für Laien grundsätzlich nicht für die Wertanlage zu empfehlen. Der Goldpreis ist kurzfristig stark von Ängsten und Spekulation geprägt. Nord-Korea, Trump, Brexit, etc. helfen bislang den Goldpreis zu stützen. Der Gewöhnungseffekt wird schneller einsetzen als erwartet, so dass diese Gründe bald wegfallen.

Zu erwartende steigende Zinsen könnten zudem zu sinkenden Goldpreisen führen, da die alternativen Anlagemöglichkeiten damit attraktiver werden und Finanzierungskosten für den Erwerb steigen. Die Regierung Modi möchte Korruption und die Schattenwirtschaft in Indien, einem der größten Nachfragerländer, eindämmen. Bereits 2016 wurden bereits deutliche Einfuhrbeschränkungen eingeführt. Diese könnten sogar noch ausgeweitet werden, was die Nachfrage weiter reduziert.

Langfristig haben Angebot und Nachfrage den Haupteinfluss auf den Goldpreis. Die Produktionskosten liegen je nach Goldmine zwischen 1.000 und 1.100 US-Dollar pro Feinunze. Sofern sich der Goldpreis aufgrund erhöhter Nachfrage zu weit von dem Niveau der Produktionskosten entfernen sollte, wird die Produktion und damit das Angebot steigen. Aus dem Grund ist nicht mit einem dauerhaft deutlichen Anstieg zu rechnen, selbst wenn irgendwelche Ängste wieder hochkochen sollten.

Meine Prognose auf Zwölfmonatssicht ist 1.200 US-Dollar pro Unze, verbunden mit Schwankungen von etwa plus/minus zehn Prozent im Laufe dieser Zeit. Auf Sicht von fünf Jahren könnte sich der Preis auf 1.300 US-Dollar aufgrund steigender Produktionskosten einpendeln.

Fazit: Als Wertaufbewahrungsmittel können Edelmetalle und Edelsteine (nur für Kenner der Materie) sinnvoll sein, da diese in fast allen wirtschaftlichen Zyklen ihren Wert behalten. Als langfristige Anlage sehe ich Gold, Silber, Platin und Edelsteine allerdings als ungeeignet an und würde es aktuell keinem Depot beimischen. Schließlich bringt es keinen Zins oder anderen Ertrag. Stattdessen müssen für die Lagerung der edlen Kostbarkeiten Kosten für Schließfächer inklusive Versicherungskosten einkalkuliert werden. Gold, Silber und Platin sind allenfalls als kurzfristiges Spekulationsinstrument oder auch als Notwährung für kritische Zeiten zu sehen.

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