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Verbot von Quecksilber-Thermometer weltweit wird kommen Übernahme? "Ich habe die Firma weder geerbt noch werde ich sie vererben."

Gastautor: Volker Glaser
23.10.2017, 00:28  |  1499   |   |   

Das Medizintechnikunternehmen erzielte in der 1. Jahreshälfte 2017 einen Umsatz von rund 11 Mio. Euro. Das entspricht in etwa dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Das EBITDA erreichte ein Niveau von 1.7 Mio, Euro und lag unter dem Vorjahreswert von 2.1 Mio. Euro. Die Marge betrug im 1. Halbjahr 2017 knapp 16 %. Vor Steuern und Zinsen wurden 1.2 Mio. Euro verdient, und netto betrug der Gewinn knapp 0.9 Mio. Euro. Stark verlaufen ist in den ersten sechs Monaten der Bereich Respiratory (Lungenfunktionsmessung). Das Umsatzplus liegt bei über 20 % bei einer EBIT-Marge von 6 %. Starkes Wachstum steuerte auch die Einheit Cardio/Stroke mit einem Plus von 23 % bei. Hier liegt die EBIT-Marge 20.5 %. Im Segment Healthcare Diagnostics (Galliumthermometer, Fieberthermometer, Blutdruckmessgeräte) war der Umsatz nahezu stabil bei EBIT-Margen von über 15 %. Einen massiven Umsatzeinbruch musste das Unternehmen allerdings im Bereich der medizinischen Wärmesysteme verkraften. Der Umsatz hat sich fast halbiert. Hier hat sich ein schwächeres Geschäft bei der Tochtergesellschaft LMT Medical negativ ausgewirkt und die nach wie vor gesperrte Auslieferung von Wärmesystemen aufgrund neuer regulatorischer Anforderungen. Wie uns Geratherm-Chef Gert Frank im Hintergrundgespräch mitteilt, dürfte LMT indes im Q2 den Tiefpunkt gesehen haben. Bezüglich der Wärmesysteme für Operationen rechnet Frank spätestens bis Jahresende mit der CE-Zertifizierung durch den TÜV. Dann geht’s in Europa weiter. Eine Zulassung für den koreanischen Markt hat LMT jüngst erhalten. Eine große klinische Studie läuft in China und soll spätestens Anfang 2018 fertig sein. Dann kann der chinesische Markt beackert werden.

Lukrativ könnte die Einheit Cardio/Stroke unter der apoplex medical technologies GmbH werden. Geratherm hält mit 54 % die Mehrheit an dem Entwickler von Produkten zur Schlaganfallprävention. Die bisher recht kleine Gesellschaft - der Umsatz wird sich 2017 auf über 1 Mio. Euro belaufen - kooperiert mit dem US-Gigant Pfizer. Jüngst hat apoplex eine Kapitalerhöhung von 10 % auf einem Bewertungsniveau von 22 Mio. Euro durchgeführt und ist damit ausreichend finanziert. „apoplex wächst mit 100 % und ist in einem Bereich ohne Wettbewerber tätig. Das Geschäft ist hoch skalierbar. Hier sind EBIT-Margen von 30 bis 40 % möglich“, so Frank. Die Gesellschaft hat ein Marktpotenzial in Europa und USA von 60 bis 100 Mio. Euro. Es ist wahrscheinlich, dass einer der großen Player im Pharma- oder Cardio-Bereich das Unternehmen früher oder später aufkauft. Frank wollte dies nicht kommentieren. Geratherm selbst wird an der Börse derzeit mit 65 Mio. Euro kapitalisiert. Gut möglich, dass ein wesentlicher Teil dieses Börsenwertes durch den Anteil an apoplex abgedeckt ist, sofern sich in 1 bis 2 Jahren zeigt, dass dieses Geschäft brummt. Damit ist apoplex ein Highlight im Portfolio von Geratherm. Ein weiteres Highlight ist das weltweite Verbot von Quecksilber-Thermometer. Das Verbot gilt ab 2018. Allerdings dürfen im nächsten Jahr noch Bestände verkauft werden. Ab 2019 ist damit Schluss. und die Thermometer dürfen im Handel nicht mehr verkauft werden. Große Freude bei Frank. „Wir stehen mit unseren Gallium-Thermometern erneut vor einer großen Sonderkonjunktur. Als die Quecksilberthermometer im Jahr 2009 in Europa verboten wurden, haben wir unseren Umsatz in unserem Stammgeschäft verdoppelt.“ 2016 wurden 4 Mio. Einheiten verkauft. Frank erwartet in 2 bis 3 Jahren eine Verdopplung auf 8 Mio. Einheiten. Aus diesem Grund investiert Geratherm in eine neue Fabrik, die das Volumen abdeckt und zudem die gesamte Wertschöpfungskette inklusive Herstellung selbst abdeckt. Sie soll im März 2018 fertig sein. In diesem Stammgeschäft erzielt die Gesellschaft einen Umsatz von gut 10 Mio. Euro. Die EBIT-Margen liegen hier zwischen 15 und 20 %.

Geratherm steht vor einem Umsatzsprung. Spätestens in 2019 sollte ein Umsatz von 30 Mio. Euro geknackt sein. Die EBITDA-Margen werden sich deutlich steigern. „Gute Medizintechnikunternehmen arbeiten mit Margen von mindestens 20 %.“ Für das Jahr 2017 ist es das Ziel, den Umsatz des Vorjahres von 21.4 Mio. Euro zu übertreffen und ein EBITDA von bis zu 4 Mio. Euro einzufahren nach 3.7 Mio. Euro im Vorjahr. Frank rechnet mit einem starken Q4, um damit die Schwäche im Q2 auszugleichen. Die Dividende soll erneut bei 50 Cent je Aktie liegen. „Mein Ziel ist, eine jährliche Dividendenrendite von 4 %. Das ist ganz gut abgesichert.“

Vorstandswoche-Altfavorit Geratherm entwickelt sich insgesamt solide. Die Aussichten sind bestens und die Aktie wird weiter steigen. Mit den 2 Highlights in der Pipeline rückt Geratherm wieder verstärkt in den Mittelpunkt von Investoren. Ein Schnäppchen ist das Papier auf Basis der aktuellen Bewertung nicht. Die Dividendenrendite überzeugt. Zudem ist Geratherm früher oder später ein Übernahmekandidat. Alternativ: Frank kann jede Einheit schnell verkaufen, da alle Bereiche selbstständig geführt werden. Der Firmenchef und Großaktionär macht aus der Zukunft kein großes Geheimnis. „Ich habe die Firma nicht geerbt und will sie auch nicht vererben.“ Wann es allerdings zu einer Transaktion kommt, wollte uns der ehemalige Investmentbanker nicht verraten. Die Aktie ist weiter kaufenswert.

www.vorstandswoche.de

 

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