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Kapitalanlage Absicherungen und wann sie sich lohnen

Gastautor: Uwe Zimmer
23.10.2017, 09:46  |  459   |   |   

Gewinn und Verlust liegen an der Börse nah beieinander. Wer einen Lauf hatte, möchte sich die Gewinne ungerne durch eine Verlustphase wieder auffressen lassen. Wer so denkt kann zu Absicherungen greifen. Diese machen aber nicht zu jeder Zeit und in jeder Marktphase Sinn – falsch eingesetzt können sie sogar teuer werden.

Ganz grundsätzlich kostet jede Absicherung entweder Geld oder Performance beziehungsweise die Chance auf Performance. Denn die Möglichkeiten, einmal erreichte Gewinne zu halten, sind begrenzt. Eine ist es, gut gelaufene Aktien zu verkaufen und die Gewinne in Cash oder in vermeintlich sicheren Rentenpapieren zu parken. Das funktioniert – aber nur einmal. Denn so wird aus einem Portfolio mit den gewinnträchtigen aber auch riskanteren Anlageklassen wie Aktien eines, das eher auf Sicherheit setzt – und sich damit auch die Chance auf weitere Gewinne verbaut.

Dann steht auch irgendwann die Entscheidung an, wieder aus den defensiven Anlageklassen in solche zu wechseln, die Renditechancen bieten. Diesen richtigen Zeitpunkt zu finden ist schwierig, das sogenannte Market-Timing mehr Glückssache als fundiertes Wissen.

Ohnehin ist der Zeitpunkt des Absicherns ein wesentlicher Faktor. Warum will ich überhaupt erreichte Performance erhalten? Oft ist es der Fall, wenn Vermögensverwalter besser gearbeitet haben als der Markt, wenn sie eine Outperformance erreicht haben und diese auch zeigen wollen. Abgerechnet wird aber immer erst zum Jahresende. Der Stichtag 31. Dezember spukt in vielem Köpfen herum – und er wird für so gut wie alle Leistungsvergleiche ja auch verwendet. Ziel kann es also sein, die gute Performance über die Zeit ins neue Jahr zu retten. Dann aber gilt: neues Jahr, neues Glück.

Dauerhaft von einem einmalig guten Lauf zu profitieren ist auch möglich. Dazu müsste der Gewinnanteil im Portfolio abgeschöpft und in einen Nebentopf gepackt werden. Sicher aber niedrig verzinst, das eigentlich eingesetzte Kapital kann dann weiterarbeiten. Damit aber nimmt sich der Portfoliomanager die Chance auf eine der wichtigsten Kräfte der Geldanlage: den Zinseszinseffekt. Denn wenn die Basis breiter, das Kapital mehr ist, lässt sich mehr verdienen.

Nun gibt es neben dem reinen Umschichten aber auch die Möglichkeit, Absicherungsinstrumente zu kaufen. Diese kosten Geld, das direkt aus dem Portfolio abgezogen wird. Nicht viel, aber doch Summen, die bei einem Einsatz über lange Strecken spürbar sind und die Rendite schmälern.

Diese Absicherungen funktionieren, solange es an den Märkten jemanden gibt, der einem das eigene Risiko abnimmt. Sehr stark vereinfacht wird der Wert einer Aktie in einen fundamentalen Teil und einen Risiko-Teil getrennt. Dieser Risikoanteil wird dann abgegeben an jemanden, der sich dafür bezahlen lässt. Egal wie dies konstruiert ist, als Option, als Future und so weiter: das Prinzip ist immer die Abgabe des Risikos gegen Geld.

Wie hoch das Gegenüber das Risiko eines Verlustes einschätzt bestimmt dann den Preis der Absicherung. Schwanken die Märkte sehr stark ist das Risiko höher, dass diese „Versicherung“ greift und das Gegenüber bezahlen muss. Laufen die Märkte recht ruhig und mit nur geringen Schwankungen sinken die Preise fürs Absichern. Solche Instrumente lohnen sich also vor allem dann, wenn es darum geht, gute Performance über den Jahreswechsel oder einen anderen Zeitpunkt zu retten. Langfristig aber lässt sich nur mit dem fundamentalen Wert der Aktie oder jeder Anlage Geld verdienen. Der Rest ist Beiwerk.

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