Der Angriff auf Toyota
BYD will in fünf Jahren die Nummer 1 der Autoindustrie werden
BYD-Aktionäre warten seit Monaten auf eine Trendwende. Jetzt hat der Konzernchef den Angriff auf Toyota angekündigt.
- BYD will in fünf Jahren größter Autohersteller werden
- Exporte stiegen zwischen Januar und Mai um 65 Prozent
- Blade Batterie als größter Wachstumsengpass bei BYD
- Report: Achtung, Korrektur!
BYD will innerhalb von fünf Jahren zum größten Autohersteller der Welt aufsteigen. Dieses ambitionierte Ziel formulierte Vorstandschef Wang Chuanfu auf der Hauptversammlung des chinesischen Konzerns in Shenzhen – und versuchte damit zugleich, die zunehmend nervösen Anleger zu beruhigen.
Denn trotz technologischer Fortschritte und stark wachsender Exporte steckt BYD aktuell in einer schwierigen Phase. Die Aktien des Elektroautobauers haben in Hongkong innerhalb eines Jahres mehr als 36 Prozent an Wert verloren. Auslöser sind vor allem der erbitterte Preiskampf auf dem chinesischen Heimatmarkt, schwächere Nachfrage und sinkende Gewinnmargen.
Wang machte dennoch deutlich, dass das Management weiterhin fest an die langfristige Wachstumsstory glaubt. "BYD wird in fünf Jahren gemessen am Volumen tatsächlich die Nummer eins unter den Automobilherstellern weltweit sein", sagte der Konzernchef vor den Aktionären. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste BYD allerdings Branchenriese Toyota überholen, der derzeit noch mehr als doppelt so viele Fahrzeuge verkauft.
Treiber des Wachstums sollen laut Wang vor allem die zweite Generation der Blade-Batterie, neue Schnellladetechnologien sowie weitere Fahrzeugmodelle sein. Gleichzeitig setzt BYD zunehmend auf internationale Märkte, um die schwächere Entwicklung in China auszugleichen. Besonders Brasilien, Großbritannien und Australien entwickeln sich laut Unternehmensangaben zu wichtigen Wachstumsmärkten. Zwischen Januar und Mai stiegen die Exporte von BYD im Vergleich zum Vorjahr um 65 Prozent.
Im Heimatmarkt bleibt die Lage dagegen angespannt. Wang erklärte, dass viele Käufer ihre Fahrzeugkäufe bereits Ende 2025 vorgezogen hätten, nachdem China Steueranreize für Elektrofahrzeuge gekürzt hatte. Dadurch kämpft die gesamte Branche nun mit schwächerer Nachfrage und härterem Wettbewerb.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Produktionskapazität der neuen Blade-Batterie gilt derzeit als größter Wachstumsengpass des Konzerns. Wang räumte ein, dass BYD die Ressourcen gezielt priorisieren müsse, um die Nachfrage überhaupt bedienen zu können.
Anleger bleiben trotz der langfristigen Vision vorsichtig. Die Aktien von BYD fielen nach den Aussagen des Konzernchefs in Hongkong erneut um zunächst mehr als vier Prozent. Viele Investoren fragen sich inzwischen, ob BYD den massiven Expansionskurs und den aggressiven Preiskampf langfristig profitabel bewältigen kann.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

