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Grauer Kapitalmarkt – was ist das eigentlich?

Den Begriff haben viele sicher schon einmal gehört, aber darunter vorstellen können sich wohl nur die wenigsten etwas. Was versteht man unter „Grauer Kapitalmarkt“? Und worauf muss man achten?

Grundsätzlich kann man die Finanzmärkte in zwei Kategorien einteilen: Auf der einen Seite die Anbieter und Angebote, die einer staatlichen Finanzaufsicht oder irgendeiner anderen Regulierung unterliegen und auf der anderen Seite diejenigen Angebote und Anbieter, die keiner Aufsicht unterliegen. „Grauer Kapitalmarkt“ entspricht der zweiten Kategorie. Schwarze Schafe tummeln sich sowohl in der ersten wie auch in der zweiten Kategorie. Aber natürlich erscheint es logisch, dass sich prozentual mehr schwarze Schafe in der Kategorie versammeln, die frei von staatlichen Aufsichten ist.

Angebote des grauen Kapitalmarktes bekommt man in der Regel durch Werbung über Prospekte oder per Telefon. Auch die Kontaktaufnahme per Fax oder E-Mail ist bei solchen Anbietern ein beliebtes Mittel. Auch Anzeigen in Zeitschriften oder Videotextangebote diverser Fernsehsender kommen als Werbemöglichkeiten in Betracht.

Obwohl sich unter dem Deckmantel des grauen Kapitalmarkts durchaus viele Kunden versammeln, die auch teilweise sehr hohe Summen investieren, sind Anzeigen gegen unseriöse Anbieter trotzdem eher selten. Das liegt mutmaßlich daran, dass viele Kunden Geld anlegen, von dem die jeweils zuständigen Steuerbehörden nichts wissen sollen. Deshalb wäre eine Anzeige problematisch - und zwar vor allem für den Anleger. Grauer Kapitalmarkt bedeutet aber auch, dass man als Anleger häufig auf Gewinnversprechen hereinfällt, die bei logischer Betrachtung schlicht und ergreifend nicht realistisch sind. Da man trotzdem darauf hereingefallen ist, geht man einer Anzeige aus dem Weg, weil man vermeiden möchte, dass das Umfeld etwas von dieser peinlichen Fehlentscheidung mitbekommt. Darüber hinaus sind die Chancen, das Geld zurückzuerhalten derart gering, dass sich der Gang vor Gericht eigentlich nicht lohnt.

Schätzungen zufolge beläuft sich der durch den Grauen Kapitalmarkt in Deutschland entstandene Schaden pro Jahr auf etwa 20 bis 25 Milliarden Euro. Unter anderem aus diesem Grund versucht die Bundesregierung, eine Regulierung des Grauen Kapitalmarkts durchzuführen. Diese Bemühungen befinden sich allerdings noch im Anfangsstadium.