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Die Pfändungsfreigrenze ist nicht überall gleich

Eine Pfändungsfreigrenze beschreibt den Betrag, den ein Schuldner verdienen darf, bevor jede weitere - darüber hinausgehende - Summe gepfändet werden kann.

Jedem Menschen in Deutschland steht – sofern er über eigenes Einkommen verfügt – ein Mindestbetrag zu, auf den kein Gläubiger Zugriff hat. Damit soll in erster Linie sichergestellt werden, dass einzelne Personen oder gar Familien nicht unter ein Existenzminimum rutschen, welches für den Lebensunterhalt zwingend notwendig ist. Diesen Betrag nennt man auch die Pfändungsfreigrenze. Erlassen wird diese vom Bundesministerium der Justiz (BMJ) und ist für alle Gläubiger verbindlich.

In bestimmten Abständen wird diese Pfändungsfreigrenze den steigenden Lebenshaltungskosten angepasst, sie erhöht sich also. Das letzte Mal wurde sie im Jahre 2005 aktualisiert und liegt derzeit für Alleinlebende, die keine weiteren Unterhaltsverpflichtungen haben, bei etwa 990 Euro. Verdient jemand mehr als diesen Betrag, ist der Rest jedoch auch nicht komplett pfändbar, da der Pfändungsfreibetrag nicht linear ansteigt. Bei einem monatlichen Nettoeinkommen von beispielsweise von 1.500 Euro können lediglich 360 Euro und 40 Cent gepfändet werden. Allerdings spricht man hier auch von einem „bereinigten“ Einkommen. Das heißt, wer zum Beispiel monatlich 200 Euro für seinen Arbeitsweg aufwenden muss, kann diesen Betrag schon einmal zum Selbstbehalt hinzurechnen. Ähnliches gilt für chronisch kranke Menschen, die eine überdurchschnittliche Summe für Medikamente aufbringen müssen. Für jede weitere Person, die unterhaltsberechtigt ist, erhöht sich die Grenze außerdem. So können bei einer Familie mit einem Kind und nur einem arbeitenden Ehepartner mit einem Nettolohn von 2.000 Euro auch nur 69,29 Euro gepfändet werden. Natürlich liegt auch hier der Grund, warum Arbeitslose oder Geringverdiener es schwer habe, einen Kredit bei einer Bank zu bekommen. Denn wenn diese plötzlich beschließen, ein Darlehen nicht mehr zu bedienen, liegen sie unter oder nur knapp über dem Satz der Pfändungsfreigrenze, sodass die Bank nahezu keine Chance hat, ihr Geld wiederzubekommen.

Etwas anders sieht der Selbstbehalt allerdings beim Kindes- oder Ehegattenunterhalt aus. Hier kann das Gericht einen auf den Schuldner spezifisch zugeschnitten Betrag als Pfändungsfreigrenze festsetzen, der sich auf seine individuelle Situation bezieht und empfindlich unter der des Regelfalles liegen kann. Um sich eine Übersicht über die Einkünfte eines säumigen Schuldners zu verschaffen, weil zum Beispiel Kinder mit eigenem Einkommen im Haushalt leben, kann der Gläubiger die Abgabe der eidesstattlichen Versicherung verlangen.