Die Beziehung zwischen Lektor und Autor

Vorschläge machen Lektoren auch zu redaktionellen Arbeiten. Sie verfassen

beispielsweise Bildunterschriften, wählen Illustrationen aus und schreiben die

Einleitung oder den Klappentext. Neben Autoren und Übersetzern sind

Lektoren oftmals diejenigen, die das Buch am besten kennen. Autor und Lektor stehen in enger Beziehung zueinander, obwohl ihre Interessenlage sehr unterschiedlich ist: Der Autor vertritt seine persönlichen Interessen, in die je nach Ausmaß seiner Autorentätigkeit finanzielle Überlegungen, Selbstentfaltungsmöglichkeiten und Fachinteresse einfließen.

Der Verlag hingegen verfolgt in erster Linie wirtschaftliche Interessen, die mit Imageüberlegungen, individuellen Verlegerwünschen usw. verbunden sind. Der Lektor kann als „Bindeglied zwischen Autor und Verlag“ gesehen

werden. Ihre Zusammenarbeit bestimmt die Qualität der Kooperation zwischen Autor und Verlag und somit auch, ob ein Buchprojekt ein Erfolg

wird oder nicht.

„Der Lektor trainiert seinen Autor wie ein guter Sportlehrer, indem er die Latte höher legt,

sobald die Leistungsfähigkeit wächst, aber nicht zu hoch, damit der Autor nicht unter der Latte durchtaucht. Er gibt Ratschläge für Lebensführung und Ernährung, vermittelt Sparringspartner. Vor allem hilft er aus Krisen, den berühmten Depressionen vor dem weißen Blatt und den postkreativen Abschwüngen, wenn ein Autor sich ausgeschrieben hat und seine Endorphine versiegen. Eigentlich ist der Lektor ein Psychotherapeut,

ungeschützt, doch unentbehrlich“ (BEIER 1996, S. 74-75).