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Warum und wann man ein Testament anfechten kann

Verbindliche Auskunft über die Rechte und Pflichten in einem Erbfall findet man beim Rechtsanwalt oder Notar. Aber ein paar Vorüberlegungen helfen, die relevanten Fragestellungen im Vorhinein zu überdenken.

Zunächst ist natürlich jeder Erbfall ein Trauerfall, der die Hinterbliebenen oft mit der nicht selten plötzlich entstandenen neuen Situation konfrontiert. Die Welt gerät für Angehörige oft aus den Fugen, und jede Hilfe von außen wird gerne wahr genommen. Viele bürokratische Dinge müssen innerhalb kurzer Zeit erledigt werden, obwohl gerade in der ersten Zeit nach einem Todesfall gerade die Schockwirkung besonders groß ist und jede Pflichterfüllung ein schier unüberwindliches Hindernis darstellt. Die Beerdigung muss arrangiert, Vorbereitungen für eine Trauerfeier getroffen und eigene Alltagstermine verschoben oder delegiert werden. Fragen nach der Handhabung der Hinterlassenschaften des Verstorbenen, seiner persönlichen Gegenstände und seines möglichen Vermögens treten zunächst einmal in den Hintergrund. Erst, wenn der Verstorbene beigesetzt ist und die Gemüter ein wenig zur Ruhe gekommen sind, stellen sich die Fragen nach der Regelung des Erbes.

Oft beginnt nun eine anstrengende Zeit für die Hinterbliebenen, was allerdings sehr abhängig von den Lebensumständen und Familienverhältnissen des Verstorbenen ist. Je kleiner der Kreis und je gebildeter die Familie, desto seltener sind Probleme in diesem Abschnitt der Nachlassregelung. Vor allem bei einfachen Vermögensverhältnissen und einem notariell hinterlegten und geprüften Testament treten meist keine Konflikte oder Probleme auf. Schwieriger ist die Lage beispielsweise bei komplexeren Familienstrukturen, vielen Geschwistern auf jeder Generationenebene, mehreren Eheschließungen und -scheidungen mit jeweils aus den Ehen hervorgegangenen Kindern oder zusätzlichen Adoptiv- oder Pflegekindern. Auch bereits zu Lebzeiten übertragene Nutzungsrechte verkomplizieren die Erblage nach dem Tod des Erblassers. Ebenfalls schwierig sind nachträgliche Zusätze oder Ergänzungen des Erblassers zu dem notariell hinterlegten Testament, vor allem, wenn die darin bedachten Personen nicht automatische Pflichtteilsberechtigte und damit Familienangehörige sind, sondern aus dem Bekannten- oder Freundeskreis des Erblasser stammen.

Auch erschwerend für die Zuteilung des Erbes ist der Umstand, wenn der Erblasser schlichtweg Fehler im Testament gemacht hat, beispielsweise sich verschrieben oder Ziffern vertauscht hat. Auch können Unfrieden und Eifersucht innerhalb der Erbengemeinschaft besondere Probleme ans Tageslicht bringen. Beispielsweise kann der Verdacht, dass ein Begünstigter durch eine Drohung eine Verfügung des Erblassers zu seinen Gunsten erwirkt hat, dazu führen, dass das Testament als vollständig oder zumindest als stellenweise nicht gültig erachtet wird. Solche Einschätzungen können dazu führen, dass einzelne Erbberechtigte versuchen, das Testament anzufechten. Grundsätzlich anfechtbar ist ein Testament immer auch dann, wenn ein Pflichtteilsberechtigter, also im Normalfall ein Familienmitglied, im Testament nicht ausdrücklich benannt wurde. Ein weiterer Grund für eine Anfechtung kann der Umstand oder der Verdacht sein, dass der Erblasser sich möglicherweise im Unklaren über den Inhalt seiner Erklärung war und bei Kenntnis das wahren Umstandes der Sachlage anders entschieden hätte. Auch eine mentale Unzurechnungsfähigkeit zum Zeitpunkt der Testamenterstellung kann dazu führen, dass die Wirksam- und Rechtmäßigkeit des Testaments angefochten werden kann.