Absicherung Portfolio
So sichere ich mein Aktienportfolio aktiv ab
Aktien-Portfolios absichern mit Hilfe von Optionsscheinen - verständlich erklärt am lebendigen Beispiel.
- Aktive Portfolioabsicherung durch Put-Optionsscheine: Anleger können ihre Aktienportfolios aktiv durch den Einsatz von Put-Optionsscheinen absichern, die das Recht gewähren, den Basiswert zu einem festen Preis in der Zukunft zu verkaufen. Diese Strategie schützt vor Verlusten, erfordert jedoch den Einsatz von Prämien, ähnlich wie bei einer Versicherung.
- Risiken und Einschränkungen der Absicherung: Die Absicherung über Put-Optionsscheine ist nicht perfekt, da verschiedene Faktoren wie Volatilität und Zeitwertverlust den Erfolg beeinflussen. Zudem besteht das Risiko, dass in Extremsituationen der Verkauf von Optionsscheinen nicht möglich ist, etwa aufgrund von Brokerproblemen an Crashtagen.
- Marktinstabilität durch Zinserhöhungen und Yen Carry-Trade: Selbst eine geringe Zinserhöhung der japanischen Notenbank kann durch den Yen Carry-Trade zu dramatischen Markteinbrüchen führen, wie der 12-prozentige Einbruch des Nikkei zeigt. Diese Ereignisse verdeutlichen die Anfälligkeit der Märkte für scheinbar kleine Auslöser.
Schon eine Zinserhöhung der japanischen Notenbank um nur 0,15 Prozent kann zu einem dramatischen Einbruch des Nikkei um 12 Prozent führen wie im August 2024 erlebt. Auch die amerikanischen und europäischen Aktienmärkte erlitten in der Folge erhebliche Verluste. Dies verdeutlicht, wie instabil die Märkte selbst bei scheinbar geringen Auslösern reagieren können. Eine vorübergehende Auflösung des sogenannten „Yen Carry-Trades“ löste eine Kettenreaktion aus, bei der hoch gehebelte Investitionen liquidiert wurden, was vermutlich auch zu „Margin Calls“ führte und die Abwärtsspirale weiter verstärkte. Die japanische Notenbank sah sich daraufhin gezwungen, die Märkte zu beruhigen und von weiteren Zinserhöhungen abzusehen.
Die internationale Lage bleibt jedoch weiterhin von zahlreichen Unsicherheiten geprägt, angefangen bei neuen Rezessionsängsten in den USA aufgrund schwacher Arbeitsmarktdaten bis hin zu den zahlreichen geopolitischen Risiken, insbesondere der angespannten Situation im Nahen Osten.
Viele langfristige Aktienanleger sind der Überzeugung, dass Aktien über einen langen Zeitraum hinweg steigen werden und „sitzen“ daher starke Rückgänge, wie beispielsweise im ersten Halbjahr 2020 durch den Ausbruch der Corona-Pandemie, einfach aus. Alternativ nutzen sie Sparpläne, um vom „Cost-Average-Effekt“ zu profitieren.
Es ist allgemein bekannt, dass man das Risiko eines Portfolios durch Diversifizierung klassisch reduzieren kann, indem man Aktien mit geringem oder negativem Beta wählt oder andere Anlageklassen wie Edelmetalle oder Anleihen hinzufügt.
Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, sein Aktienportfolio aktiv abzusichern. Institutionelle Anleger, wie Hedgefonds, nutzen hierfür Optionen und Futures. Aber auch private Anleger können ihr Portfolio durch den Einsatz von Put-Optionsscheinen absichern. Diese verleihen dem Anleger das Recht, den Basiswert, beispielsweise den DAX, zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem festgelegten Kurs zu verkaufen. Ein DAX-Put mit einer Basis von 17.000 Punkten und einer Laufzeit bis August 2025 gewährt das Recht, den DAX in einem Jahr zu 17.000 Punkten zu verkaufen, selbst wenn er dann nur bei 14.500 Punkten steht.
Dabei sollte man jedoch bedenken, dass wie bei einer Autoversicherung eine Prämie fällig wird. Im Wesentlichen tauscht man also einige Renditeprozente eines steigenden Aktienportfolios gegen eine Absicherung gegen Kursverluste ein.
Wie auch bei den herkömmlichen Versicherungen des Alltags kann man allerdings auch den Umfang der Versicherung selbst bestimmen. Je mehr man absichert, desto teurer wird es naturgemäß. Würde man zu 100 Prozent das Portfolio „hedgen“ (der englische Fachausdruck für Absichern), bedeutet dies im „Idealfall“: Die Rendite beträgt zwar null Prozent, das Kapital würde jedoch vollständig erhalten bleiben. Das ist allerdings in der Praxis in der Genauigkeit insbesondere für den Privatanleger nur äußerst schwer darzustellen.
Aktive Absicherung an einem Beispielportfolio aufgezeigt
Im Folgenden möchten wir hier exemplarisch eine aktive Portfolioabsicherung aufzeigen, denn selbstverständlich ist jedes individuelle Portfolio unterschiedlich zusammengesetzt. Demzufolge müssen wir an der Stelle auch vereinfachen. Zunächst nehmen wir an, der Anleger hat per heute folgendes Portfolio:
Zunächst, es wäre natürlich möglich, so denn es sich um genügend liquide Werte handelt, jede Position einzeln mit einem entsprechenden Put-Optionsschein abzusichern. Das ist aber insbesondere bei Portfolios mit vielen Positionen umständlich und aufwändig. Und unter Umständen auch teurer. Deshalb sollte man das Portfolio zunächst analysieren, zum einen nach geographischer Diversifikation, bzw. in welchen Indizes sich die Aktien befinden. Auch eine Analyse nach Branchen wäre möglich, jedoch wird man wenig bis keine geeigneten Put Optionsscheine auf Branchenindizes finden. Es bietet sich an, eine Aufteilung des Portfolios an den vorhandenen Put-OS auszurichten und nicht umgekehrt. Im Beispiel haben wir ein Portfolio von etwa 52.000 Euro aktuellem Kurswert. Davon entfallen mit dem Dax ETF und den beiden deutschen Autotiteln (auch beide im Dax) ca. 39.000 Euro oder 75 Prozent auf deutsche Aktien. Die restlichen ca. 13.000 Euro entfallen auf zwei US-Titel.
Somit steht im ersten Schritt fest, für 75 Prozent des Portfolios werden Dax-Put-Optionsscheine benötigt. Für die beiden US-Titel, 25 Prozent des Portfolios, würde sich aufgrund der Technologieaktien Lastigkeit eher ein Nasdaq-100 Put als ein S&P-500 Put anbieten. Es müssen also zwei verschiedene Instrumente für dieses einfache Portfolio erworben werden. Als nächstes stellt sich die sehr wichtige Frage: Für welchen Zeitraum benötige ich die Absicherung? Damit einher geht auch die subjektive Einschätzung, innerhalb welchen Zeitraumes sich ein Crash oder zumindest starker Rückgang ereignen könnte. Kurzlaufende Put-OS machen hier in der Regel wenig Sinn.
So könnte man beispielsweise entsprechende Optionsscheine mit circa 1 Jahr Restlaufzeit heraussuchen. Hier sollte auch ein breites Angebot der Emittenten bestehen. Sucht man Optionsscheine mit z.B. 3 Jahren Restlaufzeit, wird das Angebot begrenzter. Schließlich kann man nach dem abgelaufenen Jahr, wenn bis dahin kein Crash eingetreten ist, auch „rollieren“ und somit die Absicherung mit dem Erwerb neuer entsprechender Puts wieder um ein weiteres Jahr verlängern. Für ein Jahr benötigt man im Beispiel somit per „heute“: Einen Dax-Put, ein Jahr Restlaufzeit und mit Basis Stand Dax heute sowie einen Nasdaq 100 Put mit einer Basis Stand Nasdaq 100 per heute.
Beispielrechnung:
Stand DAX: 17.720
In der Optionsschein-Suche von wallstreet-online.de gibt man die folgenden Kriterien ein:
Basiswert: Dax Performance, Optionsscheintyp: Put, Bewertungstag: 08.08.2025 bis 31.08.2025; Basispreis: 17.700 bis 17.800 Für unsere Zwecke gibt es zwei Produkte der DZ Bank. Unter Umständen muss man entweder Laufzeit oder Basispreisspanne etwas großzügiger fassen, falls es einmal keine Treffer in der Suche geben sollte.
Demzufolge müssten 220 Put-Optionsscheine erworben werden, bei einem Briefkurs des Puts von 8,42 Euro ergibt sich für den deutschen Anteil des Portfolios eine Absicherungssumme von ca. 1.852 Euro. Analog ginge man für die Absicherung der amerikanischen Aktien vor. Hier ergäbe sich für das Beispielportfolio eine Absicherungssumme von 790 Euro mit 70 Nasdaq100 Put-OS der WKN GJ15VX. Die gesamten Absicherungskosten, oder die „Versicherungssumme“ beliefe sich somit auf insgesamt 2.642 Euro. Das entspräche einer 100-prozentigen Absicherung des 52.000 Euro- Portfolios. Variieren könnte der Anleger auch, indem er beispielsweise nur einen Teil des Portfolios absichert, z.B. von beiden ermittelten Put-Optionsscheinen nur die Hälfte jeweils kauft. Damit tauscht er Risiko gegen Rendite ein. Im Idealfall fangen bei einer vollständigen Absicherung die Gewinne aus den PutOptionsscheinen die Verluste des Aktienportfolios vollständig auf.
Eine Entscheidung für das Produkt mit der WKN DQ29PT mit der Basis 17.700 bietet sich an, da es nahe am abzusichernden Kurs liegt. Wir erinnern uns, 75 Prozent oder 39.000 Euro entfallen auf Deutsche Aktien im Portfolio. Der Optionsschein hat ein Bezugsverhältnis von 0,01, also sind 100 Optionsscheine notwendig, um einen Stand 17.700 im Dax abzusichern.
WAS ES NOCH ZU BEACHTEN GILT:
Die hier besprochene Absicherung ist niemals „perfekt“. Zu viele Einflussfaktoren spielen eine Rolle, die Volatilität zum Beispiel hat eine immense Bedeutung für die Optionsscheinpreise. Genau wie Aufgelder des Emittenten, der Zeitwertverlust etc. Daneben ist die Absicherung über Index Optionsscheine natürlich keine exakte Abbildung des Anlegerportfolios. Währungsrisiken, im betrachteten Beispielportfolio ein EUR/USD Risiko, wurden hier ebenso nicht betrachtet, könnten aber über entsprechende Optionsscheine auch zusätzlich abgesichert werden. Ebenso denkbar ist, dass an einem Crashtag der Verkauf des Optionsscheines nicht möglich ist, da entweder keine Kursstellungen erfolgen oder der Broker nicht erreichbar ist. Letzteres war am 05.08. wieder häufig der Fall, viele Broker waren vom Ansturm der Anleger überwältigt und temporär nicht erreichbar. Mit diesen Unwägbarkeiten muss man allerdings leben.
