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Japan Japan - Das Land der aufgehenden (Aktien-)Sonne? - Seite 2

Gastautor: Robert Halver
17.02.2021, 11:13  |  1804   |   |   

Natürlich weiß die Notenbank auch: Je mehr Zinsdrückung betrieben wird, desto weniger attraktiv ist Japan als Anlageland und umso schwächer ist der Yen. Im Kampf um die Fleischtöpfe des Außenhandels gönnt man der Exportkonkurrenz aus Europa, USA oder China keinen einzigen Knochen. Tatsächlich hat die Yen-Schwäche gegenüber den wichtigsten Handelswährungen zu einer Verbesserung der Stimmung in der exportlastigen Industrie beigetragen.

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Und ist die Währung schwach und der Export stark, freut sich ebenso der japanische Aktienmarkt.

Erst wenn die Preissteigerung in Japan wieder zwei Prozent beträgt, will man die Liquiditätsoffensive überdenken. Mit Blick auf die müden Inflationsprognosen ist dieses Ziel für Japan aber schwerer zu erreichen als der Fußballweltmeister-Titel.

Doch darf festgestellt werden, dass Japan seine Inflation „unterdrückt“. Mit Blick auf die tatsächliche Inflation ist die offizielle Preissteigerung stoppelkurz geschoren. Scheinbar haben die Friseure in Japan trotz Corona geöffnet. Was tut man nicht alles, um Alibis für ein geldpolitisches „Weiter so“ zu konstruieren. So oder so wird es eine geldpolitische Wende nicht geben.

Vor diesem Hintergrund ist die kürzliche Liquiditätshausse bei Aktien keine Überraschung.

Wie groß ist die fundamentale Unterstützung für japanische Aktien?

Japan leidet unter Überalterung und damit hohen Sozialkosten. Wegen einer schwachen Binnenkonjunktur ist daher der Außenhandel von übergroßer Bedeutung, damit aber auch die Achillesferse. Japan hat immer noch eine bemerkenswerte IT- und Roboter-Kultur. Ebenso sind japanische Autos weltweit beliebt. Doch stürzen sich Amerikaner, Chinesen und Südkoreaner immer Kamikaze-ähnlicher auf diese Exportpfründe. So hat Japan seine Alleinstellung der Wirtschaftswunderzeit der 80er Jahre in vielen Bereichen verloren.

Sicher wird sich das asiatische Handelsabkommen von 15 Asien-Pazifik-Staaten, das ein Drittel der Weltbevölkerung und 30 Prozent der -wirtschaftsleistung umfasst, für Japan positiv auswirken. Allerdings wird sich die Dynamik der innerasiatischen Wertschöpfungsketten nicht als Big Bang, sondern erst nach und nach zeigen. 

Wie Deutschland muss Japan hart an seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Um das japanische Dornröschen wirtschaftlich vollends aufzuwecken, braucht der Prinz Steherqualitäten und viel Lippenpflege der Marke „Reform“.

I was made for lovin‘ you, Nikkei (frei nach der US-Rockband “Kiss”)

Selbst wenn damit der Weg zum Allzeithoch kein Durchmarsch wird, so hat der japanische Aktienmarkt dennoch einen Joker. Zur Liquiditätsversorgung macht die Bank of Japan auch vor Aktien nicht Halt. Neben dem staatlichen Pensionsfonds und der Investmentgesellschaft BlackRock gehört sie zu den drei größten Aktienanlegern des Landes bzw. ist sie bei vielen Unternehmen Großaktionär.

Dabei betreibt sie eine Buy and Hold-Strategie, um bloß keine dunklen Aktien-Bilder zu erzeugen, die psychologisch zu weiteren Wirtschaftsschäden führten. Die Notenbank in Tokio ist die Mutter aller Nikkei-Schlachten. Von daher sind japanische Aktien nach unten ziemlich abgesichert. Tatsächlich, abgesehen vom Corona-bedingten Aktieneinbruch hielten sich die Konsolidierungen in Grenzen.

Selbst wenn der Nikkei 225 nicht mit den Technologieindices mithalten kann, mit den klassischen Leitindices in Amerika und Europa hat er keine Mühe.

Geldpolitik und Nikkei bleiben ziemlich beste Freunde. Auch zukünftig ist die weiter aufgehende japanische Aktiensonne ein Depot-Aufheller.

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Robert Halver
Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank

Robert Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie Fachpublikationen und als Kolumnist einem breiten Anlegerpublikum bekannt. Seine Markenzeichen, die unterhaltsame, bildhafte Sprache, kommen bei keinem seiner Auftritte zu kurz.

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