Experte im Interview
Polleit: Der digitale Euro wird das Bargeld verdrängen
In einer Zeit wachsender Unsicherheit an den Finanzmärkten bleibt der US-Dollar laut Thorsten Polleit, Herausgeber des Boom & Bust Reports, unangefochtene Leitwährung – trotz politischer Debatten über seine Dominanz.
Im Interview warnt Polleit davor, den Status des Dollars zu unterschätzen: Mit täglich über 7,6 Billionen US-Dollar Transaktionsvolumen habe die US-Währung ihre Vormachtstellung sogar noch ausgebaut. Der Euro hingegen verliere weiter an Bedeutung – sowohl als Reservewährung als auch im internationalen Zahlungsverkehr.
Besonders kritisch sieht Polleit die EU-Pläne, Zinserträge eingefrorener russischer Vermögen zur Finanzierung von Ukraine-Hilfen zu verwenden. Dies könnte laut ihm das Vertrauen nicht-westlicher Staaten in den Euro weiter beschädigen. Auch der geplante digitale Euro bereitet dem Ökonomen große Sorgen. Er spricht von einem "Überwachungs- und Kontrollinstrument", das Bargeld verdrängen und die Freiheit der Bürger gefährden könnte.
Im Gegensatz zur EU habe die US-Notenbank laut Polleit verfassungsrechtliche Hürden für die Einführung eines digitalen Dollars errichtet – ein Pluspunkt für die Attraktivität der US-Währung. Als sichere Anlage empfiehlt Polleit ein Portfolio mit 40 Prozent Gold und 60 Prozent Aktien, vor allem aus den USA. Gold sei kein Spekulationsobjekt, sondern "Versicherung gegen den Kaufkraftverlust von Fiatgeld".
Moderation: Martin Kerscher, Text: Julian Schick


