Nebenwerte holen auf
Milliarden für die Infrastruktur: Jetzt muss die Politik auch liefern!
Der deutsche Aktienmarkt hat die Ankündigung neuer schuldenfinanzierter Investitionsprogramme mit einer Rallye gefeiert. Doch laut Roger Peeters, von PFP Advisory, war dieser Anstieg nur ein Vertrauensvorschuss.
Die Börse habe erwartete Effekte vorweggenommen, während in der realen Wirtschaft bislang kaum etwas davon angekommen sei, so Marktexperte Peeters im Gespräch mit wO TV. Zwar seien die angekündigten Infrastrukturmaßnahmen grundsätzlich konsistent eingepreist worden, doch ihr tatsächlicher Einfluss auf Unternehmen, Zeitpunkt und Umfang blieben offen.
Für Leitindizes wie DAX und MDAX hängt der weitere Kursverlauf stark davon ab, ob es der Politik gelingt, die Investitionen mit echten Strukturreformen zu flankieren. Hohe Energiekosten, Bürokratie, Steuern und Lohnnebenkosten wirkten weiterhin als Wachstumsbremse.
Peeters betont zudem, dass deutsche Börsenkonzerne überwiegend global aufgestellt seien und nur begrenzt vom Standort Deutschland abhingen. Zwar sei nach dem Schuldenpaket wieder mehr Anlegervertrauen zurückgekehrt, doch zwei zentrale Punkte seien noch nicht eingepreist: ein realer wirtschaftlicher Aufschwung und der Abbau der Bewertungsabschläge gegenüber US-Aktien.
Besonders spannend sieht Peeters die zweite und dritte Börsenreihe. Nebenwerte litten seit Jahren unter einer doppelten Belastung aus Europa-Abschlag und negativer Small-Cap-Prämie. Die Bewertungen signalisierten erhebliches Nachholpotenzial, auch wenn der Zeitpunkt einer Aufholbewegung offenbleibe. Für langfristige Anleger könnte genau hier die Chance liegen – abseits der ausgereizten ersten Reihe, mit Geduld und selektiver Auswahl.
Moderation: Martin Kerscher, Text: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

