Experte im Interview
Halver: Warum Anleger trotz Iran-Krieg jetzt Ruhe bewahren sollten
Die geopolitische Lage spitzt sich zu: steigende Energiepreise und der Krieg im Iran machen die Finanzmärkte nervös. Doch trotz der angespannten Situation ruft Marktexperte Robert Halver zur Besonnenheit auf.
Mit seiner jahrzehntelangen Börsenerfahrung weiß Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, dass politische Börsen meist kurze Beine haben. Daher sieht er auch im aktuellen Konflikt keine dauerhafte Belastung für die Märkte.
Zwar sind die Gaspreise in Europa zuletzt deutlich gestiegen und die Sorge um unterbrochene Energieflüsse wächst. Die Straße von Hormus gilt als zentrale Nadelöhre des globalen Ölhandels: Rund 20 Prozent der weltweiten Lieferungen passieren die Meerenge. Eine längerfristige Blockade könnte daher spürbare wirtschaftliche Folgen haben.
Halver hält jedoch dagegen: Keine der beteiligten Parteien habe ein Interesse an einem langanhaltenden Konflikt. Steigende Ölpreise, höhere Inflation und wirtschaftliche Schäden träfen alle Seiten. Europa steht dennoch vor einem energiepolitischen Dilemma. Nach dem Ausstieg aus russischem Gas ist der Kontinent stärker auf LNG-Lieferungen angewiesen, etwa aus Katar – und damit indirekt wieder von der Stabilität im Persischen Golf abhängig.
Halver erwartet jedoch Gegenmaßnahmen: Freigaben strategischer Ölreserven und zusätzliche LNG-Lieferungen aus den USA könnten den Druck auf die Energiemärkte mittelfristig mindern. Auffällig findet er auch die jüngste Schwäche beim Goldpreis. In Krisenzeiten gilt das Edelmetall eigentlich als sicherer Hafen. Laut Halver liegt der Rückgang jedoch vor allem daran, dass Investoren Liquidität schaffen und Gewinne realisieren, um Verluste an anderen Märkten auszugleichen.
Moderation: Martin Kerscher

