Experte im Interview
Chip-Boom oder KI-Blase? Darum sollten Anleger jetzt genau hinschauen
Halbleiteraktien gelten als große Gewinner des KI-Zeitalters. Doch Christoph Bruns, Vorstand des Fondanbieters Loys, warnt vor überzogenen Erwartungen.
Der Boom sei real, warnt Bruns im Gespräch mit wallstreetONLINE: Künstliche Intelligenz brauche enorme Rechenleistung, Speicherchips, Rechenzentren, Energie, Glasfaser, Kupfer und Kommunikationstechnik.
Doch genau diese Fantasie sei an der Börse oftmals bereits eingepreist. Bruns sieht die Branche deshalb nicht am Ende, aber in einer gefährlichen Phase. Viele Bewertungen seien stark gestiegen, auch wenn das allein noch keine Trendwende auslösen müsse. Für einen Kursrutsch brauche es einen Katalysator – etwa eine Gewinnwarnung eines großen Chipherstellers oder enttäuschende Margen trotz hoher Nachfrage.
Besonders kritisch sieht Bruns die Abhängigkeit von den riesigen KI-Investitionen der Techkonzerne. Meta, Microsoft, Alphabet oder Oracle steckten Milliarden in Rechenkapazitäten. Doch ob sich diese Ausgaben dauerhaft rechnen, sei offen. Sollten Aktionäre höhere Ausschüttungen statt immer neuer KI-Ausgaben verlangen, könnte der Investitionsboom ins Stocken geraten.
Für Privatanleger empfiehlt Bruns breite Streuung. Wer über Indizes investiert ist, habe häufig bereits erhebliche KI- und Halbleiter-Exposure im Depot. Chancen gebe es nicht nur bei Chipherstellern, sondern auch bei Zulieferern für Rechenzentren, Energie, Datenübertragung und Infrastruktur.
Moderation: Martin Kerscher

