Experte im Interview
KI-Boom trifft Arbeitsmarkt: Riße warnt vor Verteilungskampf
Künstliche Intelligenz produziert schon heute mehr, als Beschäftigte je konnten. Doch wer streicht am Ende den Gewinn ein? Stefan Riße von Acatis Investment sieht darin die zentrale Frage der kommenden Jahre.
Der Kapitalmarktexperte warnt vor einer Wiederholung der Globalisierungs-Verwerfungen. Riße zieht Parallelen zur Auslagerung von Industriejobs nach China: Damals verloren gut ausgebildete Fabrikarbeiter ihre Stellen, heute trifft es Bürojobs. Praktikumsplätze bleiben bereits unbesetzt.
Als nächste Welle erwartet der Stratege humanoide Roboter, deren Entwicklung durch KI beschleunigt werde. In Südkorea streiken Hyundai-Mitarbeiter bereits dagegen. Statt Arbeitsplätze künstlich zu schützen, plädiert Riße für eine breitere Beteiligung der Bevölkerung am Produktivkapital.
Nationale Beschränkungen der KI-Nutzung hält er für aussichtslos, da andere Staaten weiter aufrüsten. Es brauche Modelle, die Aktienbesitz demokratisieren, damit ein Grundeinkommen sich nicht wie ein Almosen anfühlt, sondern wie Teilhabe am Staat.
Moderation: Martin Kerscher

