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Schuldenkrise Ende der Schuldenkrise – Beginn der Guthabenkrise

08.01.2014, 16:11  |  1650   |   |   

Die in Sachen Rentensystem häufig im Fokus der Berichterstattung stehenden kurzfristigen Verbindlichkeiten und deren Refinanzierung stellen eigentlich den weniger problematischen Teil dar. Ähnlich wie bei einem Eisberg liegt der große Rest unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

Die Schuldenkrise im Euro-Raum dürfte im Angesicht der heute bereits feststehenden Verpflichtungen aus den Rentensystemen wohl nur eine erste Kostprobe für den Umgang mit allzu vertrauensseligen Gläubigern sein. Dabei stellen die häufig im Fokus der Berichterstattung stehenden kurzfristigen Schulden und deren Refinanzierung lediglich den weniger problematischen Teil dar. Ähnlich wie bei einem Eisberg liegt der große Rest unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Aktuell bestehen in der Eurozone rund 30 Billionen Euro an Zusagen aus den Renten- und Sozialsystemen, die durch vorhandene Steuer- und Abgabensysteme nicht gedeckt sind. Der Megatrend heißt also Entschuldung und das bedeutet Einbußen für den Gläubiger. Der Begriff globale Schuldenkrise ist irreführend. Passender wäre es, von einer individuellen Guthabens- bzw. Forderungskrise zu sprechen.

 

Allein die Gesamtverschuldung Deutschlands könnte sich in den kommenden Jahren von 2 auf 7,6 Billionen Euro erhöhen. Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich verwunderlich, dass Investoren „soliden“ Schuldnern wie Deutschland oder den USA zurzeit Gelder zu Zinssätzen anvertrauen, die eine langfristige positive Rendite nach Kosten und Inflation nahezu unmöglich erscheinen lassen.

 

Ein Grund könnte sein, dass die staatlichen Pensionsverpflichtungen schlicht nicht ausgewiesen werden. Auch die Rating-Agenturen kommunizieren diesen Sachverhalt nicht offensiv. Dabei werden in den nächsten 10 Jahren die Baby-Boomer in den Ruhestand gehen und spätestens dann werden die bisher versteckten Schulden zu offensichtlichen Cash-Flows. Besonders erschreckend: weder für die gesetzliche Rente, noch für die Beamtenpensionen wurden Rücklagen gebildet. Ähnlich einer Immobilie in die nicht investiert wurde, besteht nun im Rentensystem ein Investitionsstau.

 

Diese Lücke in der Finanzierung findet sich nicht nur auf staatlicher Seite, sondern auch auf betrieblicher Ebene. In der Vergangenheit wurde Zusagen auf betriebliche Altersversorgungen gegeben, die zu einer Steuererstattung im Unternehmen führten. Die dadurch geschaffene Liquidität wurde in der Regel ins Unternehmen investiert. Heute sind die damals angeschafften Maschinen nichts mehr wert, aber der Arbeitnehmer hat es doch dreister weise bis zum Ruhestand geschafft und erwartet nun die Erfüllung der Versprechungen. Ohne ausreichende Rücklagen muss das Unternehmen diese aus dem laufenden Cash-Flow bedienen. Förderlich für die Gewinne ist dies sicher nicht. Ist nicht die Aktie der abgezinste Gegenwert der Unternehmensgewinne?

 

Wie uns die aktuelle Schuldenkrise bereits schmerzlich erfahren lässt, führt Überschuldung zu steigender Anfälligkeit der bestehenden Systeme. Sie schränkt die Aufnahme weiterer Schulden ein und hemmt ab einem gewissen Punkt sogar das wirtschaftliche Wachstum. Die Folge: Es fehlt Geld. Und wenn kein Geld da ist, kann der Staat seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Die Reaktion heißt Kostenreduktion – mit dramatischen Folgen. So ist etwa die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters nichts anderes als eine indirekte Kürzung der Rentenzahlungen. Auch  das Alterseinkünftegesetz ist in diesem Zusammenhang als Schuldenschnitt zu sehen. Weniger Schulden für den Staat, weniger Rente für den Gläubiger. Zusätzlich werden die nominalen Rentenzusagen entweder über Inflation real reduziert oder über eine Deflation (=Abwertung) der Schulden. 



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Schuldenkrise Ende der Schuldenkrise – Beginn der Guthabenkrise

Die Schuldenkrise im Euro-Raum dürfte im Angesicht der heute bereits feststehenden Verpflichtungen aus den Rentensystemen wohl nur eine erste Kostprobe für den Umgang mit allzu vertrauensseligen Gläubigern sein. Dabei stellen die häufig im Fokus der Berichterstattung stehenden kurzfristigen Schulden und deren Refinanzierung lediglich den weniger problematischen Teil dar. Ähnlich wie bei einem Eisberg liegt der große Rest unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Aktuell bestehen in der Eurozone rund 30 Billionen Euro an Zusagen aus den Renten- und Sozialsystemen, die durch vorhandene Steuer- und Abgabensysteme nicht gedeckt sind. Der Megatrend heißt also Entschuldung und das bedeutet Einbußen für den Gläubiger. Der Begriff globale Schuldenkrise ist irreführend. Passender wäre es, von einer individuellen Guthabens- bzw. Forderungskrise zu sprechen.

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