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Personen Portrait: Christian Riemann (Veritas): Extremrisiken reduzieren
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Personen Portrait Christian Riemann (Veritas): Extremrisiken reduzieren

Nachrichtenquelle: Asset Standard
12.05.2016, 10:17  |  474   |   |   

Der Ve-RI Equities Europe von Veritas Investment legt das Geld der Anleger in europäischen Aktien an. Die Auswahl erfolgt auf Basis eines systematischen Investmentprozesses - und mit einer speziellen Methode der Risikobegrenzung.

Was ist das Besondere an dem Ve-RI Equities Europe?

Riemann: Der Fonds kombiniert zwei Anlagestrategien: Quality und Value. Unter Quality verstehen wir eine hohe Profitabilität und finanzielle Stärke des Unternehmens zum Beispiel in Hinblick auf den Verschuldungsgrad und die Gesamtkapitalrendite. Die Gewinne sollen zudem durch das operative Geschäft und nicht durch Finanzierungsstrategien, also das sogenannte ,Financial Engineering', erwirtschaftet werden. Value bedeutet einen Preis der Aktie möglichst unter ihrem ,wahren' Wert. Hierfür ziehen wir verschiedene Kriterien wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, die historische Cash-Flow-Rendite und die Dividendenrendite heran. In die Bewertung der Aktien fließt zudem der "extreme Value at Risk" (eVaR) ein. Diese Kennzahl gibt an, welche Abweichung bei dem Eintritt eines Extremfalls einer sehr starken allgemeinen Marktkorrektur zu erwarten wäre. Daneben berücksichtigen wir einen Indikator für Umwelt- und Sozialverantwortung sowie gute Unternehmensführung (ESG-Index).

Welche Aktien kauft der Fonds am Ende des Auswahlprozesses?

Riemann: Der erste Filter ist ein ausreichend großes tägliches Handelsvolumen des Titels. Dieses muss in den letzten 30 Tagen im Durchschnitt über einem Wert von etwa 3,3 Millionen Euro pro Tag gelegen haben. Das trifft in Europa für etwa 600 Aktienwerte zu. Hieraus wählen wir nach den genannten Kriterien die 30 besten Titel aus und nehmen sie gleichgewichtet in das Portfolio. Dabei fließen Quality und Value mit jeweils 25 Prozent in die Bewertung der einzelnen Aktien ein, der eVaR mit 40 Prozent und der ESG-Index mit zehn Prozent. Zudem sollen nicht mehr als 30 Prozent auf ein einzelnes Land entfallen, so dass eine entsprechende regionale Diversifikation besteht.

Der eVaR hat mit 40 Prozent ein vergleichsweise hohes Gewicht bei der Bewertung. Was verbirgt sich genau hinter dieser Kennzahl?

Riemann: Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um ein mathematisches Modell, mit dem die Wahrscheinlichkeit von Kursverlusten in bestimmter Höhe bei dem Eintritt von Extremereignissen berechnet wird. Dabei werden nicht einfach die maximalen Kursabschläge der Vergangenheit auf Basis einer Normalverteilung betrachtet. Vielmehr berücksichtigt das Modell Erkenntnisse aus der Naturkatastrophenforschung. Auch dort geht es darum, die Folgen von Extremereignissen abzuschätzen und nach Möglichkeit zu begrenzen. Das eVaR-Modell wurde von der RC Banken Gruppe entwickelt und von dieser zum Patent angemeldet.

Lässt sich der maximal mögliche Verlust damit auf einen bestimmten Wert begrenzen? Wie oft passen Sie das Portfolio an?

Riemann: Nein, das geht nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit potenzieller künftiger Extremverluste kann auf diese Weise geschätzt werden und in unsere Aktienauswahl einfließen. Ein solches Extremereignis gab es zum Beispiel 2008 mit dem Beginn der Finanzkrise. In dem Jahr brach der STOXX Europe 600 (NR) um 43,8 Prozent ein. Nach unserem Backtest wäre ein Portfolio, das mit allen unseren Kriterien - also inklusive Quality, Value und ESG-Index - zusammengestellt wurde, hingegen lediglich um 21,6 Prozent zurückgegangen. Eine Überprüfung und eventuelle Anpassung des Portfolios erfolgt alle drei Monate.

Wie reagieren Sie in dieser Zeit auf aktuelle Ereignisse?

Riemann: Grundsätzlich gar nicht. Wir sind überzeugt davon, dass wir auf Basis unserer Kriterien die besten Aktien in Europa ausgewählt haben. Daran ändern auch kurzfristige Kursschwankungen oder zum Beispiel Analystenprognosen nichts. Vielmehr bestünde dadurch eher die Gefahr, kurzfristigen Trends hinterher zu laufen und außerdem durch häufiges Umschichten hohe Kosten zu verursachen. Bisher fahren wir und unsere Anleger mit dieser Strategie recht gut.



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