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„Zwingende Gründe für Anlage in Goldminenaktien“

14.06.2016, 08:29  |  691   |   |   

FundResearch spricht mit James Withall Fondsmanager bei Baker Steel über den High-Flyer des Jahres: Gold. Der Experte erklärt, warum sich Investitionen in das Edelmetall nach wie vor lohnen und wie lange die Goldrallye noch andauern könnte.

FundResearch: 2016 hat mit hoher Volatilität an den Märkten begonnen. Ist Gold in diesem Jahr seinem Ruf als Krisenwährung gerecht geworden? Oder gab es andere Gründe für den Aufschwung?

James Withall: Sicherlich hat Gold die meisten Anlageklassen im Jahr 2016 in der Performance übertroffen und damit die Diversifikationsvorteile des Haltens von physischem Gold demonstriert. Die erhöhte Nachfrage nach Gold in diesem Jahr hat aber auf breiter Basis stattgefunden: Kurzfristige Käufe in den Futures-Märkten; wahrscheinlich mittelfristig geprägte Nachfrage über ETFs und langfristige physische Nachfrage von Zentralbanken.

Für Baker Steel hat die Rallye in Gold übrigens bereits Mitte Dezember begonnen, als das FOMC der US-Zentralbank die Leitzinsen erhöhte. Diese Erhöhung war bereits voll im Goldkurs eskomptiert und daher wurden negative Goldpositionen aufgelöst. Außerdem ging man davon aus, dass eine zweite Leitzinserhöhung in absehbarer Zukunft unwahrscheinlich wäre. Das hat die Goldrallye befeuert. Die negative Zinspolitik hat Gold zu einer konkurrenzfähigen Anlageklasse für ein breiteres Spektrum an Vermögensverwalter, Versicherungen, Pensionsfonds und anderen Investoren aufsteigen lassen. Zentralbanken, vor allem aus Schwellenländern sind weiterhin bedeutende Käufer und dies wird sich fortsetzen, solange Yen und Euro negative Erträge erzielen. 

FundResearch:  Sollte ich denn jetzt immer noch investieren?

James Withall: Durchaus. Die Erkenntnis, dass wir auf absehbare Zeit niedrige und in einigen Fällen negative Zinsen haben werden, dringt erst langsam zu Investoren weltweit durch. Damit hat man durch das Halten von Gold keine Opportunitätskosten mehr und Gold kann daher gut gegen Rentenanlagen konkurrieren. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass selbst die USA eine Politik der Negativzinsen verfolgen werden, beispielsweise wenn sie ihre nächste Rezession erleben. Dies wird mit Sicherheit zu einer erhöhten Goldnachfrage führen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Gold zurzeit nur 0,5 Prozent der finanziellen Vermögenswerte darstellt. Es gibt hier also viel Nachholbedarf. Die aktuellen Entwicklungen könnten der Anfang eines lang anhaltenden Bullenzyklus sein. Das negative Zins-Argument ist ein sehr starker Preistreiber und deutet mittel- und langfristig auf signifikant höhere Goldpreise hin. Vor dem Hintergrund von fragilen Fiat-Währungen, negativen Zinsraten, einem ungewissen Ausgang der US-Wahlen, einem möglichen Brexit-Ereignis und die daraus resultierende Destabilisierung in Europa gibt es genug Gründe davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Gold in naher Zukunft nicht signifikant abnehmen wird. 

FundResearch: Wie steht es um den Goldminensektor? Einige Minen galten ja als wahre Kapitalvernichter…

James Withall: Anleger sind in diesem Sektor generell untergewichtet. Sicherlich sind einige der Goldminenaktien aufgrund des über die letzten fünf Monate gestiegenen Goldpreises fair bewertet, aber sie sind immer noch deutlich von ihren Hochs entfernt. Das Thema "Kapitalvernichtung" ist für viele Goldproduzenten aber immer noch ein Problem. Vor allem einige der hochrangigen nordamerikanischen Unternehmen, die am Ende des letzten Zyklus Schulden aufnahmen um sogenannte marginale Goldvorkommen zu erschließen, sind in keiner guten Verfassung und profitieren weniger vom operationalen Hebel eines höheren Goldpreises. Auf der anderen Seite präsentiert sich die Branche disziplinierter. Das Top-Management der meisten Goldproduzenten ist weit mehr als früher auf Aktionäre ausgerichtet und priorisiert eine ordentlichen Ertrag für ihre Investoren. Wir kaufen vor allem Aktien von Unternehmen, die einen niedrigen Verschuldungsgrad haben. Diese Unternehmen sind in der Regel so positioniert, dass sie einen hohen Free Cash Flow bei einem steigenden Goldpreis generieren können. Neue Goldminen sind in den letzten zehn Jahren aber auch immer seltener entdeckt worden. Dies ist der Hauptgrund für eine fallende Förderung und damit für eine Angebotsdrosselung von Gold. 

FundResearch: Wie geht es mit dem Edelmetall weiter? 

James Withall: Wir sehen keine kurzfristige Besserung der makroökonomischen und fiskalischen Bedingungen für die Mehrheit der Volkswirtschaften. Auch wenn die Zentralbanken letztendlich für eine moderate Inflation sorgen, ändert sich zunächst wenig an Rekordschulden- und Geldmengenausweitung. Es ist zu bezweifeln, ob diese Inflation auch sofort wieder reale Zinserhöhungen ermöglichen würde. In jedem Fall aber wird die Inflation, wie auch die derzeit negativen realen Zinsen, den Goldpreis weiter nach oben treiben und dadurch auch Goldminenaktien unterstützen. Das Engagement in bestimmten Goldminenaktienwerten erlaubt Investoren, ihr Portfolio vor Krisen abzusichern, am Hebeleffekt gegenüber Gold zu partizipieren und von Dividenden dieser Aktien zu profitieren. Daher sind wir der Auffassung, dass es für eine Anlage in Goldminenaktien heute und auch in der Zukunft zwingende Gründe gibt.

FundResearch: Welche Entwicklungen sind für den Goldmarkt aktuell noch relevant? 

James Withall: Grundsätzlich sollte die Investitionsnachfrage in Gold weiter ansteigen. Viele Anleger schenken der finanziellen Repression von Zentralbanken immer mehr Beachtung. Sind Zentralbanken mit Ihrem Latein bereits am Ende? Wenn man dies mit „ja“ beantwortet, repräsentiert Gold sicherlich eine immer noch sehr preisgünstige Versicherung in diesem Umfeld – eine Versicherung, die darüber hinaus noch wenig mit Renten und Aktien korreliert. In den letzten Wochen ist zwar die Schmucknachfrage nach einer sehr langen Phase des Anstiegs aufgrund von Streiks bei indischen Herstellern gefallen ist. Wäre die Schmucknachfrage aber stabil geblieben, hätte sich der Goldpreis noch wesentlich stärker nach oben entwickelt. Daher ist eine Rückkehr zu einer stabileren Schmucknachfrage sicherlich positiv zu bewerten. Auch der Nachfragerückgang nach physischem Gold aus Asien, der immer dann auftritt, wenn der Goldpreis sich schnell nach oben bewegt hat, ist entscheidend. Zudem sollte man beachten, dass es zwei verschiedene Arten von Käufer für Gold gibt: Diejenigen Käufer, die ein kurzfristigen Profit erreichen möchten und Käufer, die langfristig anlegen, um ihr Portfolio zu diversifizieren und sich eine „sicherer Hafen“-Anlage zuzulegen. Die letztgenannte Gruppe neigt manchmal dazu, auf eine Korrektur, wie man sie jetzt gerade beobachtet, nach einer kurzen und starken Rallye zu warten, um zu investieren. 

FundResearch: Der  Baker Steel Precious Metals Fund (ISIN I2 EUR: LU0357130771) ist sehr gut gelaufen, wie investiert er? 

James Withall: Wir kaufen die besten Vermögenswerte und die Unternehmen, die den stärksten Cash Flow generieren. Dabei strukturieren wir unseren Fonds so, dass wir primär in die Unternehmen investieren, die die beste Hebelwirkung bei einem möglichst niedrigen Risiko bieten. Aktuell gibt es einen Sweet-Spot auf dem Markt: Mid-Cap Unternehmen, die solide Renditen mit Bilanzen erzeugen, können sich schneller als gedacht reparieren. Als nächstes verbessern auch größer kapitalisierte Unternehmen ihre Bilanzen. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob sie dann auf ihre schlechten Gewohnheiten der Vergangenheit zurückfallen. 

Wir werden dem Management dieser Goldproduzenten sehr genau zuhören und ihre Richtung in der Unternehmensführung sehr genau beobachten. Unsere Botschaft ist, dass wir Erträge und nicht Wachstum um des Wachstums  willen wollen. Wachstum ist für die Branche als Ganzes schwierig, so dass jede einzelne Firma, die ein deutliches Wachstum verspricht, sehr kritisch befragt werden muss. 

(TL)



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Teresa Laukötter hat den M. Sc. in Volkswirtschaft der Universität Maastricht. Als Redakteurin und Content-Managerin bei €uro Advisor Services GmbH ist sie zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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