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Einzelkämpfer schlagen Fonds-Teams

22.07.2016, 06:42  |  724   |   |   

Eine aktuelle Studie zeigt: Einzelne Fondsmanager erzielen oft bessere Ergebnisse als Managementteams.

Fonds verkaufen sich besser, wenn sie von bekannten Börsenstars gemanagt werden – und umgekehrt. Invesco kann ein Lied davon singen. Die Fondsgesellschaft musste Milliarden an Mittelabflüssen in Kauf nehmen, nachdem Neil Woodford, der wohl bekannteste britische Fondsmanager, seinen Job bei Invesco kündigte, um sein eigenes Geschäft zu gründen. Seine Anleger waren ihm blind gefolgt. Schließlich konnten sie, wenn sie in den von Woodward gemanagten Fonds Invesco Perpetual High Income vor 26 Jahren tausend britische Pfund investiert hatten, am Tag von Woodwards Abschied 25.349 Pfund mit nach Hause nehmen. 

Die Anekdote um Woodward ist kein Einzelfall. Es gibt etliche Geschichten dieser Art, in denen es darum geht, dass bekannte Asset-Manager ihre Kundschaft mitziehen, wenn sie ein Haus verlassen.

Investmentgesellschaften verharmlosen deshalb zunehmend die Bedeutung einzelner Fondsmanager bei Investitionsentscheidungen. Auf den Webseiten der besten bekannten Fondsmanager verweisen die Gesellschaften mittlerweile gern auf ihren „Team-Ansatz“ im Investment-Management.
Viele Fonds sind heute so strukturiert, dass die Entstehung von „Star-Managern“ möglichst vermieden wird. Die meisten Investmentfonds werden inzwischen von zwei oder mehr Personen gemanagt. Die Datenbank Lipper hat ermittelt, dass mehr als drei Viertel der US-Investmentfonds –   6219 von 8072 – mindestens von zwei Managern geleitet werden.

Mehr Köche kochen nicht automatisch die bessere Suppe

Doch für Anleger sind Teams nicht automatisch besser als ein Einzelkämpfer, der alleine einen Fonds managt. Das zeigt eine Studie, die vor kurzem im Financial Analysts Journal veröffentlicht wurde. Das Ergebnis: Fonds mit einem Single-Manager laufen im Durchschnitt deutlich besser als Fonds, die von Teams geleitet werden – und zwar um bis zu 1,3 Prozent pro Jahr.

„Unsere Forschung zeigt, dass es Star-Manager gibt“, bestätigt Thomas (Xiyu) Zhou, Professor für Betriebswirtschaft an der Universität von Alaska und einer der Autoren der Studie, in einem Interview der Financial Times. „Die Anleger sollten besser in Fonds investieren, die nur von einem Manager geleitet werden.“, so Zhou.

Zwar hätten Fonds, die nur von einem einzigen Manager geleitet werden, laut Studie im Durchschnitt eine höhere Kostenquote (TER) als Fonds mit zwei oder mehr Managern. Doch die höheren Kosten würden nicht die zusätzlichen Erträge von Single-Manager-Fonds gegenüber Team-geleiteten Fonds kompensieren. „Single-Manager-Fonds zeigen eine bessere Leistung, selbst nachdem wir höhere Kostenquoten in Betracht ziehen“, rechnet Zhou vor.

Weniger Quantität, mehr Qualität

Die Analyse, die die Performance von 3.895 Aktienfonds in den Jahren von 1990 bis 2012 untersucht, stellt zudem fest, dass Fonds mit einem Single-Manager viel konzentriertere Portfolios aufweisen als solche mit mehreren Managern. Dies deute darauf hin, dass eine Person, die allein für einen Fonds verantwortlich ist, eher bereit ist, größere Einsätze auf einzelne Positionen zu wagen als Teams. Das wiederum erhöhe die Chance, eine Outperformance zum Markt zu erzielen.

So kommt die Studie schließlich auch zu einem eindeutigen Ergebnis: Je mehr Manager ein Fonds hat, desto schlechter ist seine Leistung im Vergleich zu einem Produkt, das nur von einem einzigen Portfolio-Manager verwaltet wird. Konkret: Ein Fonds mit einem Single-Manager läuft im Schnitt 0,41 Prozent pro Jahr besser als Fonds mit zwei Managern. Der Wert steigt auf 1,3 Prozent, wenn ein Fonds mehr als zwei Fondsmanager hat. 

Das Ergebnis der Fonds-Studie lässt sich wohl so zusammenfassen: Viele Köche verderben den Brei.

(MvA)



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Teresa Laukötter hat den M. Sc. in Volkswirtschaft der Universität Maastricht. Als Redakteurin und Content-Managerin bei €uro Advisor Services GmbH ist sie zuständig für die Top-Themen auf www.fundresearch.de.

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