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Inflationsrate Deutschland braucht Inflation und keine Mietpreisbremse

Gastautor: Karsten Junius
20.09.2016, 11:17  |  1376   |   |   

In Deutschland tobt eine merkwürdige Debatte. Die Mietpreisbremse wirke nicht wie erhofft, beklagte der Deutsche Mieterbund vergangene Woche. Tatsächlich legen die meisten Schlagzeilen zu der nun seit gut einem Jahr bestehenden Mietpreisbremse nicht den Schluss nahe, dass es sich um ein besonders erfolgreiches Gesetz handelt.

Die Mietpreisbremse sei ineffektiv und nicht funktional. So mehren sich die Forderungen aus der Politik, dass sie verschärft werden müsste. Dabei gehört sie einfach nur abgeschafft. In der gegenwärtigen makroökonomischen Situation braucht Deutschland mehr Inflation und sicherlich keine staatlichen Eingriffe in die Preisentwicklung einzelner Sektoren.

Gesetzliche Fehlanreize erschweren das Funktionieren der Währungsunion

Der Versuch Mietsteigerungen zu begrenzen – so verständlich er verteilungspolitisch auch ist – passt nicht zum makroökonomischen Umfeld. Das aktuelle wirtschaftspolitische Problem in der Währungsunion sind nicht zu hohe Preissteigerungsraten, sondern zu niedrige. Dazu trägt vor allem Deutschland bei. Trotz Vollbeschäftigung, Arbeitskräftemangel und einer boomenden Wirtschaft kam die deutsche Inflationsrate zuletzt selten über 0,5% hinaus. Sie ist auch dann deutlich zu niedrig, wenn man Sondereffekte wie günstigere Importe, insbesondere Rohstoffpreise, herausrechnet: Selbst die Preise von Dienstleistungen erreichen nicht die Inflationsnorm der EZB.

Nicht schlimm, mögen manche sagen. Schon im nationalen Kontext ist das falsch, da zu niedrige Inflationsraten Strukturveränderungen erschweren. Zudem ist Deutschland aber auch Teil einer Währungsunion, in der viele Schuldner unter der unerwartet niedrigen Inflation und viele Gläubiger unter entsprechend vielen Zahlungsausfällen leiden. Beide Gruppen wären besser gestellt, wenn die Inflation dort läge, wo die EZB sie eigentlich haben möchte – bei knapp 2%. Insofern ist die extrem expansive Geldpolitik der Zentralbank konsequent. Die 2%-Norm gilt dabei nicht für einzelne Länder, sondern im Durchschnitt. Das bedingt, dass besonders wettbewerbsfähige Länder höhere Raten haben sollten als 2% und andere niedrigere. Genauso gilt die 2%-Norm nicht für einzelne Güter oder Dienstleistungen.

Notwendig ist vielmehr eine gewisse Flexibilität, die einen Wandel der Nachfragestruktur ermöglicht. Die Preisrückgänge für Rohstoffe sind ein solches Beispiel. Die Möglichkeit steigender Mieten in Deutschland ist ein anderes. Versucht die Wirtschaftspolitik, steigende Preise in einzelnen Bereichen zu verhindern, so bewirkt sie derzeit nur eins: eine noch längere Verfehlung der Inflationsnorm der EZB und eine folglich länger extrem expansive Geldpolitik. Und insofern das aktuelle Niedrigzinsumfeld zu steigenden Immobilienpreisen beiträgt, lässt sich zumindest eine Schlussfolgerung klar ableiten: Sollte die Mietpreisbremse in Deutschland erfolgreich sein, würde sie die Niedrigzinsphase verlängern und damit letztlich zu weiter steigenden Immobilienpreisen führen. Wenn die Wirtschaftspolitik Wohnraum für Geringverdiener bezahlbar machen möchte, sollte sie dies auf anderem Wege versuchen, zu erreichen. Höhere Nettolöhne wären beispielsweise ein deutlich effektiveres Instrument.



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Dr. Karsten Junius ist seit dem 1. April 2014 Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG und hat die Leitung des Economic Research inne. Bevor er zur Bank J. Safra Sarasin stiess, war Dr. Junius beim Internationalen Währungsfonds als „Principal Economist“ tätig. In vorgängigen Positionen arbeitete er als Leiter Kapitalmarkt- und Immobilien Research bei Deka Bank und als Ökonom bei Metzler Asset Management GmbH. Davor war er Ökonom am Institut für Weltwirtschaft der Universität Kiel. Dr. Karsten Junius ist CFA Charterholder und doktorierte in Volkswirtschaft an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

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Kommentare

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capitolist
20.09.16 23:02:04
Hey,...sieh mal einer an,da ist aber einer mächtig zornig!
Ich hatte mich aus irgend einem Grunde doch hier zurückgehalten,aber jetzt ,kann ich es kaum ertragen,dass Du mit Deinen zeitlich wohl abgestimmten Attacken und fundierten Beiträgen,die Immobilien Fuzzis alleine fertig machst!

Der faule Immobilien-Zauber,muss noch nicht einmal auf die Inflationsrate wirken!
Nehmen wir zb ein hässliches Mütterchen,...sagen wir mit Buckel und jaa,von mir aus,ist es deutsch,es wohnt in einer Miet-Wohnung,jetzt erhöhen wir die Miete und stell Dir vor,jetzt wird es auch noch zum Volksschädling und fängt an zu sparen,weil es einfach den Glauben an die Zukunft verliert,plötzlich,fängt es an zu kämpfen,verzichtet auf den Kaffee und gönnt sich nur noch Ersatz-Pulver!
Jetzt sinken die Kaffee-Preise und endlich,geht die verdammte Konditorei pleite,weil die Stammkunden weg bleiben,dann erklärt Draghi den Euro für gescheitert und mit der Waldschnecke passiert das übliche!

Jeden kann es übel erwischen,weswegen wir damals beim Ecu,als wir Euro geübt haben auch einen italienischen Notenbankchef gehabt,der den Mietzins,als Zins erkannt hat,...und der auf Maßnahmen bestand,ihn ebenfalls zu senken,jaa,die Mietpreis-Bindung,war die Folge!
...und von da her,kennt unser Gegenüber auch das Szenario!
Bei Negativ-Zinsen Mieter zu sein,kann also noch Vorteile bringen,man muss nur irgendwann die Auszahlung der fälligen Zinsen beim Vermieter auch beantragen !
Sowas wird wohl erst dann passieren,wenn wir uns ne Eigentumswohnung leisten !
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borazon
20.09.16 22:28:38
"Hakuna-Matatas" sollte es natürlich heißen.
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borazon
20.09.16 20:17:23
p.s.
Noch mehr Inflation fordert der feine Herr?
Sind ihm die (ökosozialistisch verursachten) Mietsteigerungen nicht genug?!
Genau solche feinen Herren sollte man mit der nächsten Steuererhöhung ins Mark treffen!
:mad:
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borazon
20.09.16 20:06:09
Bzw. sie verleugnen es.
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borazon
20.09.16 20:05:08
Steigende Geldmenge spiegelt vor allem steigende Schuldaufnahme
eben der Nichteigentümer, der Nichtkapitalisten,
des Sozialstaats und der Hartzer/ALGer/Hakanu-Matatas,
die es sich davon gut gehen lassen,
um nachher die Zeche zu prellen
(neben Staatsanleihen auch Immobilienanleihen).
Wer Kohle hat, muß sie sich nicht leihen.
Aber sowas verstehen Sozen nicht.

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Inflationsrate Deutschland braucht Inflation und keine Mietpreisbremse

In Deutschland tobt eine merkwürdige Debatte. Die Mietpreisbremse sei ineffektiv und nicht funktional. So mehren sich die Forderungen aus der Politik, dass sie verschärft werden müsste. Dabei gehört sie einfach nur abgeschafft.

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