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ETF Securities - September Ausblick Aufholjagd bei europäischen Aktien

Nachrichtenquelle: ETF Securities
28.09.2016, 12:10  |  662   |   |   

Woher kommt die Differenz?

Der US-Aktienmarkt verzeichnet ein starkes Wachstum und konnte die Entwicklung am europäischen Aktienmarkt seit 1987 um 117% übertreffen. In den USA setzte früher als in Europa eine allgemeine Erholung der Konjunktur und der Assetpreise ein. In der ersten Phase sorgte die globale Jagd nach Rendite im aktuellen Niedrigzinsumfeld für eine rege Nachfrage nach defensiven US-Aktien mit hoher Rendite. In der zweiten Phase profitierten zyklische US-Aktien von der Festigung des globalen Verbrauchervertrauens. Europäische Aktien konnten das Vertrauen der Marktteilnehmer nicht gewinnen, da die steigende Zahl notleidender Kredite im italienischen Bankensystem und das Brexit-Referendum die Stimmung der Anleger belasten. Eine moderate Gewinnsaison im zweiten Quartal, ein solides Kreditwachstum und insgesamt erfolgreiche Stresstests im Bankensektor lassen jedoch auf eine positive Entwicklung hoffen. Somit sehen wir in Europa ein starkes Potenzial für eine Erholung, wenn die Sorgen um den kommenden Brexit nachgelassen haben.

Binnenwachstum begünstigt Erholung in Europa

Der zugrundeliegende Trend beim vierteljährlichen Wachstum der europäischen Konjunktur präsentiert sich auch weiterhin erfreulich, gestützt durch starke Daten aus Deutschland, Spanien und den Niederlanden. Eine Erholung der Nachfrage in Spanien hat zur Reduzierung der Produktionslücke beigetragen. Ein ähnlicher Trend in der Peripherie dürfte zur Neutralisierung von Leerkapazitäten auf Gesamtebene beitragen.

Der einsetzende Erholungszyklus in Europa zeigt sich an der Erholung der BIP-Daten, der Ausweitung des Kreditvolumens und ähnlichen Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur wie in der späten Phase der Erholung in den USA. In der historischen Betrachtung haben sich die Aktienmärkte in der Frühphase einer Erholung in der Regel besser entwickelt als in späten Erholungsphasen.

Im letzten Quartal fiel das BIP-Wachstum in der Tat stärker aus als in den USA. Die Beschleunigung des heimischen Wachstums begünstigt die Erholung europäischer Aktien, da die Umsätze im wichtigsten Index (EuroStoxx 600) zu 58% intern erwirtschaftet werden.

Unternehmensgewinne

Die europäischen Unternehmen verzeichneten im zweiten Quartal 2016 ein schwaches Wachstum, und die kumulierten Gewinne lagen um 13,4% unter dem Vorjahresniveau. Die Erholung wurde vor allem durch das Brexit-Referendum, die Abkühlung der Konjunktur in den Schwellenmärkten und die schleppenden Fortschritte bei Strukturreformen in Europa erschwert. Die unterdurchschnittliche Entwicklung der europäischen Unternehmensgewinne betraf alle Sektoren, insbesondere Energie- und Finanzwerte. Einen positiven Beitrag leisteten lediglich Konsumgüter und der Gesundheitssektor. Parallel dazu markierten die Ergebnisse für das zweite Quartal in den USA das erste Mal seit der Finanzkrise, dass die Zahlen in fünf aufeinander folgenden Quartalen hinter den Vorjahreswerten zurückblieben. US-Energiewerte schlugen mit einem negativen Gewinnwachstum von -2,3% besonders negativ zu Buche. Zyklische Konsumgüter und Telekomunternehmen zählten innerhalb des S&P 500 zu den deutlichsten Gewinnern. Lässt man den negativen Beitrag des Energiesektors außen vor, beläuft sich das Gewinnwachstum in den USA auf +2%. Die zukünftige Rentabilität der US-Unternehmen ist jedoch erheblichen Risiken ausgesetzt, da die Margen 2016 um 1% nachgegeben haben, während die Löhne um 13% gestiegen sind. Im Vergleich dazu fällt das Lohnwachstum in Europa mit -11% auch weiterhin sehr niedrig aus. Somit stellt dieser Faktor kein nennenswertes Risiko für die Rentabilität der europäischen Unternehmen dar. Das unterschiedlich starke Lohnwachstum eröffnet ein starkes Erholungspotenzial am europäischen Aktienmarkt, der zusätzlich von niedrigen Zinsen und der konstruktiven Geldpolitik der EZB profitiert. Die Erholung der europäischen Konjunktur begünstigt auch die Festigung der europäischen Unternehmensgewinne, und die entsprechenden Prognosen lassen ab dem kommenden Quartal allmählich wieder positive Werte erwarten. In den USA wird dagegen eine Rückkehr der Unternehmensgewinne in den positiven Bereich erst ab dem vierten Quartal 2016 erwartet.

Bewertungen sprechen für Europa

Bei einer Analyse des zyklisch bereinigten KGV (Shiller-KGV oder CAPE Ratio), unter Berücksichtigung unterschiedlicher Gewinnzyklen zeigt sich, dass die USA im Vergleich von insgesamt 52 globalen Aktienmärkten den teuersten Markt darstellen. Große US-Unternehmen mit einem KGV von 24 werden um 50% über ihrem langfristigen Durchschnitt von 16 gehandelt. Im Vergleich dazu ist Europa (ohne GB) mit einem KGV von 16 relativ günstig bewertet (unter dem historischen Durchschnitt von 18,7). Somit sehen wir hier langfristiges Potenzial für europäische Aktien.

Europäische Unternehmen lassen in der Regel einen höheren Teil ihrer Gewinne über Dividenden an die Anleger fließen als profitablere US-Unternehmen. Im Vergleich zu US-Unternehmen bieten europäische Namen eine höhere Dividendenquote und eine höhere Dividendenrendite, was ihre Attraktivität im aktuellen Niedrigzinsumfeld zusätzlich steigert. Die Kombination aus günstigeren Bewertungen und höheren Dividenden machen europäische Aktien zu einem lohnenswerten Investment für Anleger auf der Suche nach Rendite.

Politik kollidiert mit den Märkten

Im Vorfeld der kommenden Wahlen in den USA, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden (alle innerhalb eines Jahres) könnte die Volatilität an den US-amerikanischen und europäischen Aktienmärkten deutlich zunehmen. Die starken Umfragewerte populistischer Parteien in Europa sprechen für ein höheres Risiko bei europäischen Aktien. Obwohl die politischen Entwicklungen mit den Märkten kollidieren könnten, sehen wir in Europa das Potenzial für eine Erholung der Unternehmensgewinne, bedingt durch bessere BIP-Daten, die Ausweitung des Kreditvolumens und den schwächeren Lohndruck.


 

 

 

 

 



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ETF Securities ist einer der weltweit führenden, unabhängigen Anbieter von börsennotierten Rohstoffprodukten (ETPs) und bietet eine umfangreiche Palette an börsennotierten Aktien-, Rohstoff- und Währungsprodukten an. Das Unternehmen hat im Jahr 2003 das erste börsennotierte, physisch hinterlegte Gold-Produkt emittiert. Mittlerweile bietet ETF Securities über 300 ETPs in den Assetklassen Rohstoffe, Währungen und Aktien an, die an den wichtigsten Börsen weltweit notiert sind.

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