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Deutsche Bank Wall Street bläst zur Jagd

Gastautor: Dieter Fischer
30.09.2016, 14:14  |  1299   |   |   

Deutsche Bank in Not: Kurs wieder über 10 Euro - Türkei soll helfen - Wall-Street-Gerüchte und Spekulationen - Bank-Chef Cryan schreibt Brief an Mitarbeiter - Analysten warnen vor Kopflosigkeit.

Die Deutsche Bank ist heute abermals in heftige Turbulenzen geraten. Am Morgen sackten die Papiere des größten deutschen Geldhauses auf Kurse um 9,90 Euro. Mittlerweile schlagen wieder 10,45 EUR zu Buche. Kurioserweise trug zu dieser Erholung ein Tweet von Yigit Bulut, Chefberater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei. Dieser twitterte, sein Land solle die Deutsche Bank zu einem türkischen Geldhaus machen. Zur Finanzierung könne ein Staatsfonds genutzt werden. Alternativ könnten türkische Staatsbanken die Aktie kaufen. 

Am Morgen waren Gerüchte am Markt, wonach sich etwa zehn Hedgefonds aus Geschäften mit der Deutschen Bank zurückgezogen hätten. Gemeldet hatte das die US-Finanzagentur Bloomberg und das Wall Street Journal. Die Fonds hätten Schritte ergriffen, um Aktien oder Barmittel zu verschieben und ihre Handelsaktivitäten zurückzufahren oder beides, sagten die Informanten. Unter den betreffenden Kunden seien AQR Capital Management LLC, Capula Investment Management LLP, Citadel LLC, Luxor Capital Group LP, Magnetar Capital LLC und Millennium Management LLC.

Bank-Chef Cryan schreibt Brief an Mitarbeiter 

Deutsche-Bank-Chef John Cryan reagierte am Freitagmorgen auf die Kursrückschläge. Sein Haus sei "Gegenstand heftiger Spekulationen geworden", schrieb er in einem Brief an die rund 100 000 Beschäftigten seiner Bank. Am Markt seien Kräfte unterwegs, die das Vertrauen durch eine "verzerrte Außenwahrnehmung" schwächen wollten. "Keine Basis für diese Spekulationen", heißt es in Cryans Brief weiter. Dann listet der Vorstandschef einige Erfolge der Bank auf: So erfülle die Deutsche Bank alle Eigenkapitalanforderungen, sei bei ihrem Umbau im Plan und habe im ersten Halbjahr trotz Niedrigzins und eines schwierigen Umfeldes rund 1 Milliarde Euro Vorsteuergewinn erzielt. Besonders hob Cryan die Liquiditätsreserven von weiterhin mehr als 215 Milliarden Euro hervor, die er als "einen überaus komfortablen Puffer" bezeichnete.

Dass die Deutsche Bank kurzfristig in finanzielle Engpässe geraten könnte, bezweifeln auch externe Beobachter: Das Institut habe "viele Probleme, aber Liquidität gehört nicht dazu", schrieb etwa der bekannte Analyst Stuart Graham. Es könne "kein Zweifel bestehen, dass die Deutsche Bank umfangreiche zusätzliche Liquidität von der Europäischen Zentralbank erhalten könnte, sollte sie diese je brauchen."

Analysten halten Kursrutsch für überzogen 

Der anhaltende Kursrutsch nach dem Bekanntwerden des Vergleichsangebots sei übertrieben, schrieb Analyst Jon Peace von Credit Suisse. Er geht davon aus, dass die letztlich zu zahlende Summe deutlich unter den umgerechnet 12,5 Milliarden Milliarden Euro liegen dürfte - er rechnet mit zirka 4 Milliarden Euro. Gleichzeitig wies er aber daraufhin, dass es weitere rechtliche Baustellen gebe, die teuer werden dürften. Ins gleiche Horn stieß JPMorgan-Experte Kian Abouhossein, der zu den einflussreichsten Analysten der Bankenbranche zählt. Auch er hält den Kurseinbruch für überzogen, mahnte aber gleichzeitig: "Es muss relativ schnell ein Vergleich erzielt werden, damit das Geschäft nicht belastet wird." 

Gestern hat die Deutsche Bank einen aktuellen Consensus-Report live gestellt, der die Schätzungen mehrerer Analysten berücksichtigt. 



 



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Dieter Fischer ist Dipl.-Journalist und Volkswirt. Er ist Geschäftsführer der €uro Advisor Services GmbH und betreut die Top-Themen des Onlineportals www.fundresearch.de. Weitere Stationen seiner Laufbahn waren Redakteurs- und Führungspositionen bei Börse-Online, €uro, €uro am Sonntag sowie dem Finanzen-Verlag.  

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