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Warnung vom US-Autor John Rubino: „Anheizen der Inflation wird in riesigem Chaos enden“

01.11.2016, 10:50  |  1689   |   |   

Die weltweiten Notenbanken tun alles, um die Inflation kräftig anzuheizen. Das Problem ist nur, dass wenn der Geist erst einmal aus der Flasche draußen, kann man ihn nicht mehr kontrollieren. Der berühmte US-Autor John Rubino warnt vor den Folgen dieser Politik.

„Es ist nun klar, dass das was die Regierungen getan haben, um der (2008er-) Weltwirtschaftskrise entgegenzusteuern, den systemischen Kollaps zwar verschoben, aber das „alte Normale“ nicht wieder hergestellt hat. Das Wirtschaftswachstum rund um die Welt ist kraftlos – das heißt, dass die Schulden schneller wachsen als die Produktionskapazitäten, um sie (die Schulden) bedienen zu können und die Inflation – die andere Möglichkeit, um die Schuldenlast zu verringern -, unter dem anvisierten Ziel bleibt“, schrieb John Rubino.

Rubino ist der Autor zahlreicher Bücher, wie dem im Jahr 2003 erschienenen Buch „How to Profit from the Coming Real Estate Bust“ (So profitiert man vom bevorstehenden Kollaps des Immobilienmarktes“), „The Collapse of the Dollar And How to Profit From It“ (2008) (So profitiert man vom Kollaps des Dollar) und „The Money Bubble: What to Do Before It Pops“ (2015) (Die Geldblase: Was sollte man tun bevor sie platzt). Rubino betreibt zudem seit 2004 den alternativen Finanz-Blog DollarCollapse.com und gibt seit Januar 2000 das Finanzmagazin CFA Magazine heraus, das vor allem von Vermögensverwaltern und Analysten gelesen wird.

Kräftige Schuldensause in den USA

„Nun wird aus „kraftlos“ „nicht vorhanden“. In den USA würden die Blasen in den Bereichen Autokredite, Studienkredite und Hypotheken stottern, „was dazu führt, dass die Volkswirte ihre rosigen Szenarien für 2016 herunterschrauben“, schrieb Rubino. Das Wirtschaftswachstum der USA beruht derzeit mehr denn je auf dem kräftigen Schuldenmachen.

So sind die Autokredite seit September 2010 um mehr als 50 Prozent auf 1,07 Billionen Dollar nach oben geschossen. Im gleichen Zeitraum sind die Studienkredite um 61 Prozent auf 1,36 Billionen Dollar explodiert. Trotz der Schuldensause haben die Volkswirte zuletzt ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2016 auf nur mehr 1,5 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Wert seit der 2009er-Schuldenkrise.

Umso mehr versucht die US-Notenbank, die Inflation anzuheizen, um die Schuldensause am Leben zu halten. Denn bei einer Inflation werden die Schulden entwertet. Viele Anleger ignorieren, dass die US-Notenbank weiterhin kräftig Geld druckt. Denn aufgrund der Bilanzsumme von 4,5 Billionen Dollar werden ständig irgendwelche Staats- und Hypothekenanleihen fällig. Die Fed nimmt das Geld und investiert es in neue Anleihen und druckt auf diesem Weg rund 35 Mrd. Dollar pro Monat – das macht mehr als 400 Mrd. Dollar pro Jahr.

Galoppierende Inflation droht

Yellen redet zwar andauernd von irgendwelchen Zinserhöhungen. Allerdings ist es bislang nur zu einer gekommen, im Dezember 2015. Wann die nächste kommen wird steht in den Sternen. Vielmehr hat Yellen zuletzt einmal mehr betont, dass sie darüber hinwegsehen könnte, wenn die Inflation „vorübergehend“ den angestrebten Wert von zwei Prozent übersteige. Es gäbe gute Gründe, weshalb man „vorübergehend“ eine „Hochdruck-Wirtschaft“ hinnehmen könne, „selbst auf die Gefahr hin einer höheren Inflation.“

Die Gefahr einer höheren Inflation dürfte schneller kommen, als derzeit etliche Investoren erwarten. So war die Inflation von August auf September von 1,1 auf 1,5 Prozent nach oben geschossen. Das lag vor allem an den steigenden Ölpreisen. Sollten sie weiter klettern und China allmählich die Exportpreise für seine Güter erhöhen, könnte die Inflation in den USA schnell die Marke von zwei Prozent überschreiten.

„Einzelne Länder haben in der Vergangenheit „vorübergehend höhere Inflationsraten“ ausprobiert, aber das Ergebnis war immer und überall eine Art galoppierender Inflation… Je höher der private Verbrauch und die Investitionen sein werden, die von einer steigenden Inflation anfänglich ausgelöst werden, umso größer wird die spätere Instabilität sein, die diese Politik auslöst“, so der Experte.

Massive Konjunkturprogramme aus der Notenpresse finanzieren

„Niemals zuvor war die ganze Welt gleichzeitig im geldpolitischen Panik-Modus unterwegs.“ Nachdem es inzwischen selbst vielen Notenbankern dämmert, dass man mit immer mehr Gelddrucken und immer niedrigeren Zinsen die Wirtschaft nicht ankurbeln kann, - schon gar nicht nachhaltig -, werden die Rufe nach Konjunkturprogrammen, sowohl in den USA, aber auch in Italien oder Frankreich lauter.

Damit steigt die Neuverschuldung weiter, weshalb der ohnehin hohe Schuldenberg immer weiter ansteigt. „Es ist zumindest wahrscheinlich, dass eine Kombination aus massiven Ausgabenprogrammen und praktisch unbegrenzter Geldschöpfung tatsächlich irgendeine Art von „Wachstum“ erzeugen wird.

Aber es ist genauso wahrscheinlich, dass dieser Prozess außer Kontrolle geraten wird, weil jedermann erkennt, dass es in einer Welt, in der die Regierungen aktiv versuchen, Inflation zu erzeugen (also aktiv ihre Währung abzuwerten), Sinn macht, so viel Schulden wie möglich zu machen, und das Geld für den Kauf realer Güter jedweder Art zu nutzen und zu jedem Preis“, warnte Rubino.

„Ob man das Ergebnis Crack-up Boom oder Nachfragesoginflation nennt, oder sich die Volkswirte ein neues Wert ausdenken, um die Schuld anderen zuzuschieben, es wird ein riesiges Chaos sein. Und offensichtlich kommt es schon bald.“

Wikipedia schreibt zu Crack-up-Boom folgendes. „Der Begriff der Katastrophenhausse (englisch: Crack-up-Boom) geht auf Ludwig von Mises, einen der bekanntesten Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie, zurück. Hiermit wird ein Boom am Aktienmarkt beschrieben, der sich nur noch aus der Angst vor Wertverlust speist. Obwohl die wirtschaftlichen Aussichten der Unternehmen sehr schlecht sind, steigen deren Kurse nominal und auch real (inflationsbereinigt) stark an.

Ursachen: Gerät die Inflation außer Kontrolle und kann nicht mehr eingedämmt werden, verlieren die Wirtschaftssubjekte das Vertrauen in die Papierwährung und versuchen daher, ihr Geld in Sachwerte umzutauschen. Wenn die Inflation höher als das Zinsniveau ist, erzielen Investoren einen negativen Realzins.

Insbesondere große institutionelle Investoren beginnen dann, ihre großen Bestände an Anleihen zu verkaufen und den Erlös in Aktien zu investieren. Hierdurch kommt sehr viel Geld auf ein begrenztes Angebot an Aktien, weswegen deren Kurse sehr stark steigen - auch bei schlechten fundamentalen Aussichten. Die Katastrophenhausse leitet die letzte Phase eines Papiergeldsystems ein. Am Ende des Booms kann der bankrotte Staat nur noch eine Währungsreform durchführen.“



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