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50 Milliarden Euro verpufft DIW-Studie: Je größer die Ungleichheit umso rückständiger unsere Wirtschaft

28.11.2016, 15:32  |  2040   |   |   

Wäre die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland nicht immer weiter aufgegangen, dann hätten wir im letzten Jahr 50 Milliarden Euro mehr erwirtschaften können. Das ist das Ergebnis einer DIW-Studie. 

Im Grunde ist es ja alter Wein in neuen Schläuchen. Schon mehrere Ökonomen weisen seit geraumer Zeit darauf hin, dass sich eine zunehmende Ungleichheit eher negativ auf die Wirtschaft auswirkt. So erklärte der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty bereits im Jahr 2013, dass das Wachstum des 20. Jahrhunderts bald Geschichte sein könnte, wenn nicht die nötigen Umverteilungsmaßnahmen ergriffen werden. Auch wies die OECD im Jahr 2014 darauf hin, dass das deutsche Wachstum durch die gestiegene Einkommensungleichheit ausgebremst werde (Quelle: "Spiegel").

Diesen Zusammenhang hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nun einmal mehr belegt. In einer neuen Studie kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Wirtschaftsleistung Deutschlands um 50 Milliarden Euro hätte höher ausfallen können, wenn das Einkommen seit 1991 nicht immer ungleicher verteilt worden wäre. Die Erklärung ist einleuchtend: Wer wenig Geld hat, der kann auch nur wenig oder gar nichts in seine persönliche Ausbildung investieren. Wer viel Geld hat, der kann es zwar bis zu einem bestimmten Grad in seine Bildung stecken, das übrig gebliebene Vermögen wird aber gehortet und dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Langfristig reduziert sich dadurch das gesamtgesellschaftliche Humankapital. Unsere potentielle Innovationskraft geht flöten. Und damit unsere Produktivität.

Darüber hinaus lässt auch der allgemeine Privatkonsum Stück für Stück nach. Der Grund ist hier der gleiche, wie bei der Investition in Bildung: Die wachsende Zahl an Geringverdienern gibt in ihrer finanziellen Not immer weniger für Güter und Dienstleistungen aus. Gutverdiener konsumieren indes nicht genug, um den aggregierten Nachfragerückgang zu kompensieren. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt. Da helfen auch Minizinsen nichts.

In Auftrag gegeben wurde die Studie von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. "Die soziale Herkunft eines Menschen bestimmt immer mehr seine Zukunft", kommentierte deren Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik, Andrä Gärber (Quelle: "manager magazin"). "Alle sind deshalb in der Pflicht, die Ungleichheit abzubauen: die Tarifpartner mit der Stärkung der Tarifbindung und die Politik mit einem besseren Steuervollzug und einer angemessenen Besteuerung von leistungslosem Einkommen aus Vermögen und Erbschaften." 

"Ein Skandal, für den man sich nur schämen kann": Arbeit schützt vor Armut nicht - schon gar nicht in Deutschland


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