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Nicht nur Altersarmut Stromsperren - Nicht nur armen Haushalten wird der Strom abgestellt

02.12.2016, 17:50  |  3396   |   |   

Stromsperren treffen immer mehr Menschen in Deutschland. Nicht alle erhalten staatliche Leistungen. Vor allem in der kalten Jahreszeit müssen Lösungen für die Stromkappung gefunden werden. „Sozialtarife“ können keine grundlegend Abhilfe schaffen.

Jedes Jahr wird fast 350.000 deutschen Haushalten die Stromversorgung gekappt, weil sie ihre Rechnung nicht bezahlt haben. Bislang wird vermutet, dass die Sperren vor allem sehr hilfsbedürftige Haushalte treffen. Nach einer noch unveröffentlichten Studie für das Bundeswirtschaftsministerium betrifft aber jede zweite Stromsperre Haushalte, die keine staatlichen Leistungen wie Hartz IV beziehen.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (F.A.Z.) zitiert aus dem Gutachten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim: „Die von Stromsperren betroffenen Haushalte verfügen häufig, aber nicht ausschließlich, über ein geringes Einkommen.“ Und weiter: „Das Problem der Stromsperren ist nicht auf Einkommensarmut reduzierbar.“

Sozialtarife kein alleiniger Lösungsansatz

Bei der Erforschung der Gründe für das Nichtbezahlen der Rechnung stoße man auf „multiple Problemlagen“. Wichtige Gründe seien eine plötzliche Änderung der Lebensumstände, wie der Übergang in die Rente, eine Erkrankung oder die Geburt eines Kindes. Entsprechend skeptisch sehen die Gutachter deshalb Vorschläge wie „Sozialtarife“. Die pauschale Erhöhung von Sozialleistungen beseitige nicht die Ursachen und sei „als alleiniger Lösungsansatz nicht zielführend“. Besser sei es, die freiwillige Kooperation von Sozialhilfeträgern, Versorgern und Verbraucherberatungen zu verbessern. Die Gutachter haben noch einen Rat. In Großbritannien seien vorab bezahlte Stromzähler für Haushalte mit Zahlungsrückständen als zwingende Alternative vorgeschrieben.

ROUNDUP 2: Jeder Zehnte braucht Hilfe vom Staat - Zu arm für Miete und Heizung


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Kommentare

Da dürfen die Stromversorger etwas, was dem normalen
Vermieter nicht erlaubt ist, nämlich
den säumigen Mietern Wasser und Heizung abstellen.
Die säumigen Mieter nutzen nicht nur die Wohnung des Eigentümer und Vermieters umsonst,
sondern verbrauchen auch noch Wasser und Heizung, ohne zu zahlen.
Der Vermieter bleibt dann auch noch auf den Verbrauchs-Kosten sitzen.

Das liegt wahrscheinlich daran,
dass der Strom früher von Stadtwerken
bereitgestellt wurde.
Der Staat nimmt sich ja immer besondere Rechte
heraus und geht im Zweifel über Leichen.
M. W. kann man mit der ARGE oder dem Sozialamt aber auch vereinbaren, dass die Abschlagszahlungen direkt von dort an den Versorger gezahlt und dann halt entsprechend von den Leistungen des Amtes abgezogen werden.
Damit kann man sich so manchen Ärger mit dem Versorger ersparen.

Ich bin aber der Meinung, dass solche Stromsperren eine rücksichtslos-asoziale Vorgehensweise der Versorger sind. Insbesondere, wenn es um Alte, Kranke oder Familien mit Kindern geht.

Im Vorfeld kommt ja nach spätestens der zweiten Zahlungserinnerung/Mahnung noch einer zu kassieren vorbei. Für den werden dann auch noch Gebühren (80 - 90 € ?) erhoben und mit der eigentlichen Stromsperre fallen ja nochmals Kosten an.

So geraten die Bedürftigen immer mehr in die Schuldenspirale.

Das schlimmste ist aber, dass dies alles zu Unmut in Teilen der Bevölkerung führt, mit dem Ergebnis, dass hier Unmut, bis hin zum Haß gegenüber anderen Minderheiten geschürt wird.

Aber das scheint so irgendwie gewollt zu sein.

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