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Interviews: Dr. Christoph Bruns (LOYS AG): „Donald Trump? Noch dürfen wir gelassen sein“
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Interviews Dr. Christoph Bruns (LOYS AG): „Donald Trump? Noch dürfen wir gelassen sein“

Nachrichtenquelle: Asset Standard
20.01.2017, 00:00  |  682   |   |   

Gegenüber DAS INVESTMENT erklärt Christoph Bruns, warum die Investmentbranche und auch die deutschen Autobauer ruhig Blut bewahren sollten.

Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird, sagt sich Christoph Bruns. Warum anlässlich des Amtsantritts von Donald Trump die Investmentbranche und auch die deutschen Autobauer ruhig Blut bewahren sollten - und wo sich momentan attraktive Anlagechancen eröffnen, erklärt der Loys-Gründer und Fondsmanager im Interview mit DAS INVESTMENT.

DAS INVESTMENT.com: Direkt nach Donald Trumps Wahlsieg nahmen viele Beobachter an, dass der künftige US-Präsident viele seiner im Wahlkampf verkündeten Maßnahmen wieder begraben würde. Jetzt scheint es, dass er auch an seinen besonders radikalen Ankündigungen festhält. Wird Trump seine Vorhaben umsetzen können?

Christoph Bruns: Donald Trump wird bald feststellen, dass es ein großer Unterschied ist, im Amt zu sein oder nicht. Noch dürfen wir gelassen sein.

Würden Sie seine Ansagen dann nicht ernst nehmen?

Bruns: Trump wird vermutlich innenpolitisch mehr gelingen als außenpolitisch: Zurückdrehen der Gesundheitsreform, Steuersenkungen, Deregulierung im Finanzbereich – da mag er ein stärkeres Mandat haben. Außenpolitisch hat Trump Vorstellungen, die nicht in die Welt passen. Mal will er keine Nato haben. Das wollen weder die Amerikaner, noch hat er das durchdacht. Er würde auf erhebliche Widerstände stoßen. Dann bekennt er sich zum Freihandel, will ihn aber abschaffen. Das ist voll von Widersprüchen. Ich bin zuversichtlich: Die Amerikaner haben in 270 Jahren Demokratie eine funktionierende Gewaltenteilung geschaffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Präsident da durchregieren kann.

Einige seiner Aussagen, wie etwa die Ankündigung, die Einfuhrzölle hochzusetzen, zeitigen schon Reaktionen. Zum Beispiel bei Ford: Der Autobauer hat wie einige andere Unternehmen auch angekündigt, für Mexiko geplante Produktionen in die USA verlagern zu wollen.

Bruns: Wir haben ja das schöne Wort des vorauseilenden Gehorsams. Aber die ökonomische Welt ist komplizierter. Es gibt Warenströme. Und Ford hat nicht nur ein einziges Werk in Mexiko.

Der Glaube, man könne alle Produzenten zwingen, wieder in den USA zu produzieren, ist ökonomischer Unsinn. Ein Beispiel: Apple produziert seine Iphones unter anderem bei Foxconn in China. Ein Arbeiter bekommt dort pro Monat vielleicht 400 Dollar. Wenn Apple gezwungen wird, in den USA zu produzieren, müssten Kunden ein Vielfaches für ein Iphone zahlen, vielleicht 5.000 Dollar. Das ergäbe starke Inflation und Zinsen, die schnell auf 10 bis 15 Prozent steigen. Wenn man Zölle zu stark heraufsetzt, werden die Waren den Amerikanern auch zu teuer. Das wollen sie nicht und Trump am allerwenigsten.

Man soll außerdem nicht so tun, als drehe sich alles um die US-Amerikaner und die betroffenen Länder hätten keine Möglichkeit zu reagieren. Mexiko hat 100 Millionen Einwohner und ist ein stark wachsendes Land. Der Markt ist auch für die USA wichtig: Coca-Cola, Kellogg`s  und auch Ford wollen dahin verkaufen.

Haben deutsche Autobauer etwas zu befürchten?

Bruns: Das sehe ich gelassen. Die deutsche Autoindustrie produziert in Mexiko zwar manches für den US-Markt. Die Europäer hätten aber sehr wohl ebenfalls die Möglichkeit zu sehen, wo die Amerikaner empfindlich sind: Finanzdienstleistung, Rechtsanwaltsdienstleistung, Steuerberatung, Investmentbanken – da könnte man mit Steuern und Zöllen mal gegenarbeiten. Da kämen bald viele Lobbyisten zu Trump. Außerdem müsste er seine Vorschläge erst in Gesetzesform gießen und die Gesetze müssen dann die Parlamente passieren.

Man muss sich nur Sorgen machen, dass ein Mann mit solchen wirren Ansichten nachts herumzwitschern kann. Immerhin ist es jedoch unterhaltend.

Wie geht es weiter mit der US-Konjunktur: Glauben Sie, dass die angekündigten Steuersenkungen, Infrastrukturausgaben und Deregulierung die US-Wirtschaft ankurbeln werden?

Bruns: Das Interessanteste für die Börsen sind die Steuersenkungen. Sie werden in der Tat einen kleinen Boom, vielleicht ein Strohfeuer auslösen. Wenn sie sich durchsetzen lassen, wovon ich ausgehe, werden sie in der Tat die Gewinne der Unternehmen steigen lassen. Sie sind aber inzwischen scheinbar schon eingepreist. Ein zweites Thema ist die Deregulierung. Trump will viel Bürokratie abschaffen. Das könnte gut für das Wirtschaftswachstum sein.

Wird dieses Wachstum Ihrer Meinung nach nachhaltig sein?

Bruns: Vermutlich nicht. Nachhaltig bedeutet ja auch, dass es eingebettet ist in eine weltweite Aufwärtsentwicklung. Wir haben aber in den USA durch Trump eine Sonderentwicklung. Ich glaube, dass er tatsächlich die Steuern für Unternehmen und Bürger senken wird. Dadurch dürfte jedoch die Verschuldung noch steigen. Außerdem: Wenn die Zinsen steigen, hat das empfindliche Konsequenzen für den Häusermarkt, der wiederum für die Amerikaner sehr wichtig ist. Die Dinge hängen voneinander ab. Ich sehe das also eher als vorübergehenden Schub für die US-Wirtschaft.

Viele Experten haben schon vor Monaten gewarnt, dass der US-Aktienmarkt insgesamt überbewertet sei. Seitdem sind die Kurse noch einmal stark gestiegen. Mit Blick auf einen Präsidenten Trump ist sogar eine neue Euphorie spürbar. Würden Sie momentan auf US-Titel setzen?

Bruns: Amerikanische Aktien haben sich zuletzt gut entwickelt, auch durch den Trump-Schub. Ob das langlebig ist, ist noch nicht ganz klar. Andererseits sind US-Aktien sehr teuer. Andere Länder und Regionen haben günstigere Aktien. Anleger werden aufgrund der gestiegenen Unsicherheit guttun, die USA erst einmal zu meiden und abwarten, ob die hohen Preise zu rechtfertigen sind. Und ob Trump auch Sinnvolles gelingt. Beides ist zu sehr offen. Ich würde mein eigenes Geld nicht drauf setzen.

Europa sieht günstiger aus, ebenso wie Asien: Da gibt es die günstigsten Aktien. Dazu gehört auch Japan. China hatte zuletzt durchwachsene, in der Tendenz aber etwas gefestigte Daten. Da sehe ich Möglichkeiten.

Sie haben sich vor einiger Zeit sehr positiv über Rohstoffe und über den Luxussektor geäußert – und lagen damit richtig. Würden Sie Ihren positiven Ausblick heute noch auf andere Sektoren ausweiten – unter dem Eindruck der Amtseinführung von Donald Trump?

Bruns: Zunächst: Am meisten profitiert hat in letzter Zeit wahrscheinlich der Finanzsektor. Denn die Deregulierung, die Trump angekündigt hat, ist in der Tat ein positives Thema, der Sektor ist zurecht angesprungen. Wenn hier dereguliert wird, wovon ich ausgehe, geht das weiter.

Das Thema Luxus bleibt im Bestand. Wenn es den Börsen besser geht, wenn es den Banken besser geht, kann es auch dem Luxus-Sektor besser gehen. Dabei würde ich bleiben.

Wo sind Sie skeptisch?

Bruns: Der Automobilsektor hat jetzt ein Thema am Hals, von dem er noch nicht wusste, dass er es bekommt: Kommen Zölle? Für Europäer wird interessant, ob es Zölle auf europäische Waren geben wird. Dann bekommen wir einen Handelskrieg. Bei China hat sich das schon angedeutet. Davon werden die Amerikaner aber nicht nur profitieren, sie werden auch darunter leiden. Daher erwarte ich das nicht. Aber der Automobilbereich ist etwas angeschlagen. Es schwebt ein Damoklesschwert über dem Sektor. Und der Sektor ist ja für Deutschland sehr wichtig.

Im Rohstoffbereich ist es noch etwas unklar. Hier hat Trump gesagt, er wolle Öl und Gasförderung in den USA antreiben. Das wird aber nicht gerade preiserhöhend wirken. Und Trump selbst äußert sich widersprüchlich, weil er die Lage nicht voll überschaut. Also warten wir es mal ab.

Könnten auch Baustoffe profitieren?

Bruns: Trump will ein Mammutprojekt in Gang setzen. Nicht nur seine unheilige Mauer gegenüber Mexiko, sondern es sollen auch Brücken, Flugzeugplätze, Straßen saniert, gebaut und ausgebaut werden. Das wäre gut für die Bauindustrie. Die Kurse sind hier auch schon angestiegen. Viele Investitionen müssten allerdings fremdfinanziert werden. Das hat dann wieder Zinsfolgen und könnte wiederum negativ für den Häusermarkt sein.

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