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Fonds-Check Hanseatische Fußball Kontor "FTR Fußball 1"

Gastautor: Markus Gotzi
 |  10.12.2010, 13:43  |  2119 Aufrufe  |   | 

Flachpass oder Fallrückzieher? Hanseatisches Fußball Kontor spekuliert auf dem Transfermarkt.


Was ist das für eine Bundesliga-Saison? Mannschaften aus der Kategorie Abstiegsgefahr belegen die Qualifikations-Plätze für das internationale Geschäft, und die vermeintlichen Meisterschaftskandidaten krebsen bestenfalls im Mittelfeld der Tabelle herum. Das macht den Reiz am Fußball aus: Überraschungen, Emotionen und Leidenschaft. Eigentlich keine guten Voraussetzungen für Investitionen. Doch das sieht das Hanseatische Fußball Kontor anders. Es bietet den geschlossenen Fonds „FTR Fußball 1“ an. Anleger spekulieren ab 10.000 Euro damit auf dem Transfermarkt.

Konzept: Talente entdecken, kaufen, Vereinen zur Verfügung stellen und beim späteren Transfer von den Wertsteigerungen profitieren. So soll der Fonds funktionieren. Warum haben eigentlich Vereine wie Schalke 04 Schulden in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft? Aber egal. Ins Portfolio sollen hauptsächlich Spieler im Alter zwischen 18 und 23 Jahren. Hier sieht das Fondsmanagement das größte Wertsteigerungspotenzial. Eine eigene Auswertung habe ergeben, dass rund eintausend Spielertransfers der vergangenen Jahre im Schnitt ein Plus von 500 Prozent erzielten. Der Fonds will zehn Millionen Euro einsammeln und davon 20 bis 30 Spieler kaufen. Mehr als eine Million Euro soll ein einzelner Nachwuchskicker nicht kosten.

Markt: Knapp vier Milliarden Euro – so viel Umsatz erwirtschafteten die 20 stärksten Vereine Europas in der Saison 2008/2009. Durch die hohen Einnahmen sind auch die Ablösesummen für Spieler und Trainer in den besten Ligen stark gestiegen. So fasst der Initiator die Situation im Vorwort des Verkaufsprospektes zusammen. Als Beispiele für gelungene Transfers nennt er unter anderem Zlatan Ibrahimovic. Derschwedische Nationalstürmer wechselte im vergangenen Jahr für 69,5 Millionen Euro von Inter Mailand zum FC Barcelona. Was weiter geschah, dazu steht jedoch keine Zeile im Prospekt. Inzwischen spielt Ibrahimovic beim AC Mailand, der insgesamt 30 Millionen Euro Leihgebühr und Ablösesumme zahlt. Bleibt für Barcelona ein Minus von 39,5 Millionen Euro in einem Jahr. Kein Einzelfall für eine Fehlspekulation. Die Sport-Bildhat kürzlich 50 Beispiele alleine aus der Bundesliga aufgelistet.

Informationen: Grundlage des Geschäftsmodells ist die Internetseite www.transfermarkt.de, eine öffentlich zugängliche Datenbank, die unter anderem Transfers und Ablösesummen der Spieler auflistet. Aber: „Eine vollständige und objektiv nachvollziehbare Auswertung der Daten ist nicht möglich, da bezüglich der vertraglichen Bedingungen bei den Transfers grundsätzlich seitens der beteiligten Vereine, Berater und Spieler Stillschweigen vereinbart wurde. Es handelt sich somit im Wesentlichen um spekulative Annahmen, da eine Auswertung der Transferdaten auf Basis von vertraglichen Grundlagen nicht erfolgen kann.“ So steht es im Prospekt. Und spricht für sich selbst.

Partner: Über den Fonds freut sich vor allem die Extratime GmbH, eine Beratungsgesellschaft, die aktuell 53 Spieler unter Vertrag hält. Auch wenn der Fondsinitiator betont, Extratime werde keine Spieler aus dem eigenen Portfolio vermitteln. Entscheidende Rolle spielt auch Ex-Bundesligaspieler Harald Spörl.

Vorgehensweise: Extratime wird einen Spieler vorschlagen, den die Berater für erfolgversprechend halten. Harald Spörl wird dann sein Votum abgeben. Oder: Ein Verein will, dass der Fonds für ihn einen bestimmten Spieler finanziert. Den würde wiederum Spörl scouten und zu einem Ergebnis kommen. Werden diese Spieler später verkauft, sollen Anleger von den Mehreinnahmen profitieren.

Kalkulation: Der Fonds arbeitet ausschließlich mit Eigenkapital. Von den angestrebten 10,5 Millionen Euro inklusive Agio bleiben nach Abzug der Kosten und einer Liquiditätsreserve 8,6 Millionen Euro für Bruttoinvestitionen. Davon erhält Extratime pro Transfer allerdings eine Transaktionspauschale von jeweils 2,5 Prozent. Bei einer Laufzeit von vier Jahren stellt der Initiator seinen Anlegern ein Plus von 33 Prozent vor Steuern in Aussicht. In diesem Fall muss der Fonds seinen Einsatz allerdings verdoppeln. Alleine 20 Prozent davon würden in die Kassen von Extratime und Hanseatischem Fußball Kontor fließen. Mit eigenem Geld ist der Initiator nicht vertreten.
Anbieter: Hanseatisches Fußball Kontor sind Jörg Zeitz und Kai-Volker Langhinrichs. Beide waren vorher unter anderem bei HPC Capital tätig, einem Anbieter zum Beispiel von US-Policen-Zweitmarktfonds.

Steuern: Anleger versteuern den Gewinn mit ihrem individuellen Steuersatz.

Fazit: Fußball – schönste Nebensache der Welt? Ein Klischee. Fußball ist im Gegenteil ein knallhartes Geschäft, bei dem es um Millionen und Milliarden geht. Natürlich kann es dem Fonds gelingen, ein paar Glücksgriffe zu landen. Muss es aber nicht. Sollten die transferierten Spieler Provinzkicker bleiben, verdienen die Anleger nichts und verlieren im Zweifel sogar ihr Geld. Ein Fonds zum Einsatz von Spielgeld, eine Alternative zum Totoschein für gutbetuchte Fans. Unabhängig davon würden die Anleger bei einer Verdoppelung der Nettoinvestition bezogen auf ihr eingesetztes Kapital nur ein Plus von 33 Prozent machen.



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Disclaimer

Gastautor

Markus Gotzi ist Chefredakteur des Fachmediums "Der Fondsbrief", dem bundesweit auflagenstärksten Newsletter mit Schwerpunkt geschlossene Beteiligungsmodelle, der alle 14 Tage über Neuigkeiten aus der Branche berichtet sowie Rechts- und Steuerfragen analysiert.

Außerdem verfasst der Diplom-Journalist regelmäßig Artikel zu allen Themen rund um die Immobilie und geschlossene Fonds zum Beispiel in der Financial Times Deutschland, der Welt am Sonntag und im Wirtschaftsmagazin Capital, für das er einige Jahre lang als Redakteur tätig war. Darüber hinaus produziert Gotzi Fernsehbeiträge für den Nachrichtensender n-tv, in denen er vor laufender Kamera als Experte für Beteiligungsmodelle aktuelle Angebote analysiert.

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